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Von Christina Rothfuß
03. Juni 2022

Schwächere Arbeitsmarktdaten und enttäuschende Auftragsdaten aus der Industrie haben am Donnerstag die US-Aktienmärkte gestützt. Auch der TraderFox High-Quality-Stocks USA-Index legte in diesem Umfeld um 2,5 % auf 24.044 Punkte zu. Veeva wächst mit medizinischem Datenplattform-Geschäft in den ersten 3 Monaten um 16 % und bleibt mit einer Marge von 23 % renditestark. FactSet ist als Informations-Dienstleister weiterhin erfolgreich und verspricht für das Jahr 2022 dank hoher Kunden-Bindungsrate erneut solide Zuwächse.

 

Einer der großen Gewinner war am Donnerstag im TraderFox-Index die Aktie von Veeva Systems. Dabei zogen die Papiere der Technologiefirma um fast 15 % an und schlossen letztlich bei 192,50 USD. Immerhin konnte das Unternehmen, das spezielle Software- und Cloud-Lösungen für Kunden aus der Pharma- und Gesundheitsbranche anbietet, gestern für das 1. Quartal unerwartet starke Wachstumszahlen vorlegen. Derzeit unterhält Veeva weltweit über 1.000 Geschäftsbeziehungen zu Pharmariesen wie Merck oder auch GlaxoSmithKline, die mit der lizenzpflichtigen Cloud-Sparte des Unternehmens „Veeva Vault“, forschungs- und entwicklungsbezogene Inhalte und Analysedaten digital effizienter managen können. Dazu bietet der Software-Dienstleister mit ”Veeva Commercial Cloud“ eine Cloud-basierende Datenplattform, die es wissenschafts- und gesundheitsorientierte Kunden ermöglicht, jeden Aspekt interner Unternehmensabläufe zu kontrollieren. Allerdings war die Aktie von Veeva ungeachtet aller rosigen Aussichten vor allem aus bewertungsgründen seit Beginn 2022 kräftig unter Druck geraten. Mit den gestern veröffentlichten Quartalszahlen dürfte sich dies aber wieder ändern. Denn zum Jahresstart kletterte der Umsatz um beachtliche 16 % auf 506 Mio. USD, angetrieben von der kommerziellen „Subscription“-Service-Sparte, die um 18 % auf 403 Mio. USD anzog. Veeva profierte mit seinen Cloud-basierenden Datenplattformen dabei einmal mehr von der global gestiegenen Nachfrage sowie von neu eingeführten CRM-Add-On Software-Produkten.

Wir sind stark in das neue Geschäftsjahr gestartet, und befinden uns damit weiterhin auf dem Weg zu unserem Jahresumsatzziel von 2 Mrd. USD, betonte gestern der Vorstand. Zugleich erhöhte er die Gesamtjahresprognose, die auf nunmehr rund 2,10 Mrd. USD leicht angehoben wurde. Schon in der Vergangenheit waren die Wachstumszahlen des Gesundheits-Dienstleisters beeindruckend. Allein von 2016 bis 2021 wurden von Veeva im Schnitt Umsatzzuwächse von rund 27 % erzielt. Mit den Cloud-basierten Datenplattformen liefern die Amerikaner praktisch der gesamten Industrie die passenden digitalen Instrumente und haben sich in ihrer Nische dabei in den letzten Jahren sogar zum Marktführer entwickelt. Und das medizinische Softwaregeschäft bei Veeva ist mit einer Gewinnspanne von 23 % zudem auch weiterhin sehr renditestark. Nur die Bewertung der Aktie bleibt mit einem KGV von 31 und einem KUV von 15, selbst wenn die Wachstumschancen hier extrem aussichtreich sind, weiterhin sehr sportlich.

Der TraderFox High-Quality-Stocks USA-Index ist ein Aktien-Index, der mithilfe von Qualitätskriterien aus den 20 operativ erfolgreichsten US-Unternehmen gebildet wird.  Neben dem langfristigen Firmenerfolg und einer stabilen Geschäftsentwicklung, müssen die Unternehmen sogenannte „Burggraben“- Eigenschaften aufweisen. Burggraben-Unternehmen zeichnen sich durch nur schwer angreifbare Geschäftsmodelle aus. Der Erfolg dieser Unternehmen zeigt sich in der Qualität verschiedener Kennzahlen, wie eine hohe und stabile Nettogewinnmarge, hohe Eigen- und Gesamtkapitalrenditen sowie stabiles Umsatz- und Gewinnwachstum.

Ebenfalls deutliche Zuwächse zeigte am Donnerstag im TraderFox-Index die Aktie von FactSet Research Systems und stieg dabei um über 2,5 % auf 384,50 USD. Zwar gerieten auch die Papiere des amerikanischen Informations- und Analysedatenanbieters, der umfassende Abo-pflichtige Börsen- und Finanzmarktdaten liefert, in den letzten Monaten unter Verkaufsdruck. Die operativen Geschäfte können sich aber ungeachtet aller konjunkturellen Unsicherheiten dennoch sehen lassen. Dabei ist FactSet allerdings von der Entwicklung an den Finanz- und Anleihemärkten in gewisser Weise auch abhängig. Denn das Unternehmen verkauft seine Marktanalysen, Finanzdatenangebote und Software-Managementlösungen hauptsächlich an institutionelle Anleger wie Hedgefonds, Pensionskassen oder auch Banken. Und dank der weiterhin starken globalen Marktstellung waren die Erlöse bei FactSet im zurückliegenden Quartal erneut um 10 % auf 1,67 Mrd. USD gestiegen. Nach den Rekorderlösen im Vorjahr rechnet das Management für 2022 ungeachtet der aktuellen Marktvolatilität sogar erneut mit einem Umsatzplus von 8 %, bei einer operativen Marge von beachtlichen 25 %. Zudem gilt FactSet auch als „Cash-Cow“, vor allem weil sich seit 2019 der freie Cashflow aus dem Geschäft um 50 % erhöht hat, was reichlich Kapital für technologische Investitionen, Aktienrückkäufe und kleinere Übernahmen lässt.

Erst Anfang des Jahres hatte der Informations-Dienstleister die Software-Anwendung CUSIP Global Services, die eine gezieltere Aktien- und Anleiheauswahl ermöglicht, vom Analystenhaus S&P Global für 1,9 Mrd. USD gekauft. Diese wurde bereits in die bestehenden Software-basierten Finanzdaten-Angebote des Unternehmens integriert, was inzwischen auch einen positiven Effekt auf die Gewinnerwartung hat. Für FactSet spricht neben dem anhaltenden Expansionsdrang auch die weiterhin hohe Bindungsrate der Abo-Kunden. Mittlerweile beschäftigt der Datenanbieter auch über 10.000  Mitarbeiter auf der ganzen Welt. Und die Aktie bleibt angesichts der stetigen technologischen Weiterentwicklung folglich auch eine verlässliche Wachstumsaktie mit Potenzial, selbst in Krisenzeiten. Zumal die zuletzt hohe Bewertung abgebaut wurde, und nur noch ein KGV von 26 und ein KUV von 8 aufzeigt. Als Finanzunternehmen dürfte FactSet letztlich auch künftig in seiner Nische erfolgreich sein, und langweilige, aber solide Zuwachsraten zeigen.

 

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