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Von Christina Rothfuß
07. Dezember 2023

Vor den am Freitag anstehenden US-Arbeitsmarktdaten haben sich die Kurse an der Wall Street am Mittwoch kaum bewegt. Der TraderFox High-Quality-Stocks USA-Index kletterte dennoch um 0,4 % auf 27.517 Punkte. Paycom muss zwar angesichts der “zu“ erfolgreichen Payroll-Software “Beti“ seine Prognosen kürzen, das Potenzial für künftiges Wachstum in den HCM-Märkten ist aber enorm. Anhaltend robuste Geschäfte und die Eroberung neuer Märkte bleiben bei Spritzanlagen-Dienstleister Graco wichtige Treiber, zudem überzeugt die Reinmarge von 24,0 %.

Einer der wenigen Gewinner war mit einem Plus von fast 2,0 % auf 185,50 USD am Mittwoch im TraderFox-Index die Aktie von Paycom Software. Allerdings haben die Anteilscheine des Softwareentwicklers Anfang November einen deutlichen Rückschlag hinnehmen müssen. Paycom hat sich auf “Human Capital Management“ (HCM)-Software spezialisiert, und verzeichnet damit seit Jahren hohe Wachstumsraten. Das Kernprodukt ist dabei die Gehaltsabrechnungstechnologie, aber die Plattform umfasst zudem auch Anwendungen für Talentakquise, Terminplanungen und das Personalmanagement (HR). Damit bedient das IT-Unternehmen vor allem die als “Small Business“ bezeichneten Mittelständler in den USA. Paycom kam damit jedenfalls in den letzten 5 Jahren auch auf ein Durchschnittswachstum von 26,0 %. Doch inzwischen könnte sich eine gewisse “Normalisierung“ der Zuwachsraten ankündigen. Denn das Management konnte zwar für das 3. Quartal mit einem Umsatzanstieg von 22,0 % und einem Gewinnplus von 44,0 % solide Ergebnisse vorgelegen. Die zugleich abgegebenen Q4- und 2024er-Prognosen, blieben aber hinter den Erwartungen zurück. Schließlich soll Paycom im Schlussquartal nur ein Umsatzwachstum von 14,0 % und im nächsten Jahr nur noch 11,0 % erzielen. Die Wall Street hatte dagegen in beiden Fällen mit Zuwächsen von 21,0 % gerechnet. Vor allem weil sich das Unternehmen bislang immer als innovativ erwiesen hat und zuletzt fast dreimal so schnell gewachsen ist, wie der Markt für HCM- und Lohnsoftware. Die Gründe für die niedrigeren Aussichten sind aber komplexer, und hängen mit der vor 2 Jahren von Paycom eingeführten Self-Service-Payroll-Software namens “Beti“ zusammen.

Beti war die erste selbst zu bedienende Gehaltsabrechnungstechnologie in der gesamten HCM-Branche. Die Neuentwicklung von Paycom automatisiert jedenfalls die Lohn- und Gehaltsabrechnung, indem es die Mitarbeiter auffordert, Gehaltsabrechnungen vor der Bearbeitung zu überprüfen und zu genehmigen. Das Produkt funktioniert mittlerweile so gut, dass es andere Einnahmequellen bei Paycom beeinträchtigt, was wiederum zur niedrigeren Q4-Prognose führte. Die Nutzung von Beti schafft einen enormen Mehrwert für die Kunden, da sie perfekte Gehaltsabrechnungen erhalten und Fehler, Korrekturen und außerplanmäßige Gehaltsabrechnungen, die sonst in Rechnung gestellt werden müssten, vermeiden, erklärte der Paycom-Vorstand die jüngste Q3-Entwicklung. Für künftiges Wachstum dürfte dennoch gesorgt sein, schließlich entfallen heute weniger als 5,0 % der weltweiten HCM-Ausgaben auf Paycom. Analysten rechnen derzeit auch damit, dass der Software-Spezialist bis 2027 ein jährliches Umsatzwachstum von 15,0 % erzielen kann. Diese Schätzungen lässt die aktuelle KUV-Bewertung von 6,3 sogar günstig erscheinen, wenn man bedenkt, dass der Dreijahresdurchschnitt bei 18,6 liegt. Mit einem KGV von 22 sind die Papiere inzwischen auch viel günstiger. Zumal Paycom mit seiner innovativen HCM-Software noch immer eine Nettomarge von 21,0 % erwirtschaftet.

Der TraderFox High-Quality-Stocks USA-Index ist ein Aktien-Index, der mithilfe von Qualitätskriterien aus den 20 operativ erfolgreichsten US-Unternehmen gebildet wird. Neben dem langfristigen Firmenerfolg und einer stabilen Geschäftsentwicklung müssen die Unternehmen sogenannte „Burggraben“- Eigenschaften aufweisen. Burggraben-Unternehmen zeichnen sich durch nur schwer angreifbare Geschäftsmodelle aus. Der Erfolg dieser Unternehmen zeigt sich in der Qualität verschiedener Kennzahlen, wie eine hohe und stabile Nettogewinnmarge, hohe Eigen- und Gesamtkapitalrenditen sowie stabiles Umsatz- und Gewinnwachstum.

Mit Zuwächsen von über 10,0 % war im TraderFox-Index in den letzten Wochen die Aktie von Graco einer der großen Gewinner. Am Mittwoch lag sie auch erneut leicht im Plus bei 82,10 USD. Bei dem amerikanischen Industrie- und Spritzanlagen-Dienstleister bleiben die robusten Geschäfte und die Eroberung neuer Märkte auch nach wie von die wichtigsten Treiber. Graco verzeichnete noch im Startquartal neben Rekordumsätzen auch hohe Gewinnzuwächse. Inzwischen hat sich das Wachstum aber wieder etwas abgeschwächt, verantwortlich dafür war in den letzten 3 Monaten vor allem ein Nachfragerückgang in Europa, dem Nahen Osten und Afrika von gut 4,0 %. Preiserhöhungen glichen jedoch die Umsatzeinbußen und auch den Volumenrückgang in der Baubranche aus. Der einzige starke Geschäftsbereich bei Graco war zuletzt aber einmal mehr die “Process“-Sparte, die einen Umsatzanstieg von 9,0 % verzeichnete. Das Unternehmen stellt vor allem industriell genutzte Geräte und Systeme zum Messen, Steuern und Sprühen von Flüssigkeiten und Pulvermaterialien her. Zu den wichtigsten Abnehmern gehören dabei neben Werkstätten, die Autoindustrie sowie Firmen aus dem Luft- und Raumfahrttechnik. Aber auch Verpackungshersteller sowie der Sanitärhandel und das Bauhandwerk fragen Graco`s Sortiment weltweit nach. Die Amerikaner gelten dabei als “Expansions- und Übernahmehungrig“. Vorrangig investiert der Anlagenbauer aber in Produktinnovationen, Fertigungsqualität und das Wachstum auf neuen Märkten.

2012 wurde erstmals auch die Umsatzschwelle von 1,0 Mrd. USD überschritten. Inzwischen wurde von Graco auch der 2-Mrd.-USD-Wert erreicht. Geholfen haben dem Unternehmen dabei in erster Linie neue Technologien und der Zugang zu unbesetzten Absatzmärkten durch wichtige Akquisitionen, wie die der Pulverbeschichtungsfirma Gema oder der Kauf des Flüssigkeitsmanagement-Spezialisten QED Environmental Systems. Graco will in 2023 trotz Herausforderungen auch erneut ein organisches Wachstum im niedrigen einstelligen Bereich vorlegen, bei einem zugleich um 7,5 % steigendem Cashflow. In den vergangenen 5 Jahren wurde allerdings ein Cashflow-Zuwachs von im Schnitt 12,1 % erzielt. Die Aktie von Graco kommt im Rahmen des jüngsten Rekordlaufs aber mittlerweile auf ein hohes KGV von 26. Gestützt wird die Bewertung aber neben den soliden Aussichten auch von der beachtlichen Reinmarge von zuletzt 24,0 %.

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