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Von Christina Rothfuß
01. Februar 2024

Die Aussichten auf vorerst weiter hohe Leitzinsen haben die US-Aktienmärkte am Mittwoch unerwartet belastet. Der TraderFox High-Quality-Stocks USA-Index schloss dabei ebenfalls mit 1,5 % im Minus bei 29.139 Punkten. HR-Dienstleister Paychex kommt dank robustem Jobmarkt auf ein neuerliches Umsatzplus von 6,0 % im 2. Quartal (30. Nov.), und kündigt Aktienrückkaufprogramm bis 2027 an. Elektronikspezialist Amphenol kauft Geschäftsbereich rund um Kabel und Steckverbinder vom US-Unternehmen Carlisle für mehr als 2 Mrd. USD.

Leichte Abgaben musste am Mittwoch im TraderFox-Index die Aktie von Paychex hinnehmen, und lag am Ende bei 121,70 USD. Eigentlich ist das Geschäft des US-Lohn- und Gehaltsdienstleister selbst in schwierigen Zeit ziemlich robust. Mitte Dezember aber meldete Paychex den langsamsten Anstieg der Quartalserlöse seit mehr als 2 Jahren, der durch zögerliche Unternehmensausgaben und dem langsamerem Tempo bei der Einstellung von Mitarbeitern beeinträchtigt wurde. Die Anleger waren folglich überrascht, und schickten die Aktie an diesem Tag auf Talfahrt. Den Anbieter von Gehaltsabrechnungs- und Outsourcing-Diensten sollte man aber nicht abschreiben. Schließlich dürfte Paychex auch in Zukunft ein Qualitätsunternehmen bleiben, auch wenn die KGV-Bewertung von 24 nicht günstig erscheint. Zwar war im Dezember die Zahl der Amerikaner, die neue Anträge auf Arbeitslosenunterstützung gestellt haben, laut US-Arbeitsministeriums leicht gestiegen. Der Jobmarkt in den USA zeigt sich aber dennoch weiterhin sehr robust. Allerdings spürte Paychex durch das unsichere makroökonomische Umfeld auch eine gedämpfte Nachfrage nach den “Human-Resources“ (HR)-Outsourcing-Lösungen, die auf kleine amerikanische Firmen und Mittelständler zugeschnitten sind. Kleine und mittelgroße Unternehmen haben nach wie vor Schwierigkeiten, sowohl beim Zugang zu Wachstumskapital als auch mit der Suche nach qualifizierten Arbeitskräften, erklärte jüngst der Vorstand. Die Ergebnisse von Paychex stehen zudem auch im Gegensatz zu denen von US-Konkurrenten wie Workday, das im November die Prognose für die jährlichen Abo-Einnahmen anhob.

Und auch der Lohnbuchhalter Automatic Data Processing meldete zuletzt positivere Zahlen. Der Umsatz von Paychex im 2. Quartal, das am 30. November endete, zog aber dennoch um beachtliche 6,0 % auf 1,26 Mrd. USD an. Für den HR-Spezialisten, der unter anderem auch Steuerrückzahlungen, Zeiterfassung und Versicherungsdienste verwaltet, spricht aber auch, dass er selbst in wirtschaftlich schwächeren Zeiten gutes Geld verdient. Mit seinen Serviceleistungen ermöglicht es Paychex, das sich die Kunden operativ um wichtigere Dinge als Lohn- und Gehaltzahlungen kümmern können. In Amerika wickelte die Gruppe zuletzt im privaten Sektor jede 10. Lohnabrechnung ab, hinter dem Konkurrenten ADP ist sie im Bereich “Payroll Processing“ zudem die derzeitige Nr. 2. Paychex gab zuletzt außerdem bekannt, ab dem 1. Februar erneut eigene Aktien für bis zu 400 Mio. USD zurückkaufen zu wollen. Im Geschäftsjahr 2022/23, das am 31. Mai 2023 endete, wurden schon rund 1,2 Mrd. USD als Dividende gezahlt. Mit den Ausschüttungen und den anhaltenden Aktienrückkäufen setzt Paychex nicht nur die Beständigkeit des Unternehmens fort, sondern dürfte auch weiterhin außergewöhnlichen “Shareholder Value“ kreieren.

Der TraderFox High-Quality-Stocks USA-Index ist ein Aktien-Index, der mithilfe von Qualitätskriterien aus den 20 operativ erfolgreichsten US-Unternehmen gebildet wird. Neben dem langfristigen Firmenerfolg und einer stabilen Geschäftsentwicklung müssen die Unternehmen sogenannte „Burggraben“- Eigenschaften aufweisen. Burggraben-Unternehmen zeichnen sich durch nur schwer angreifbare Geschäftsmodelle aus. Der Erfolg dieser Unternehmen zeigt sich in der Qualität verschiedener Kennzahlen, wie eine hohe und stabile Nettogewinnmarge, hohe Eigen- und Gesamtkapitalrenditen sowie stabiles Umsatz- und Gewinnwachstum.

Einer der Gewinner der letzten Monate war im TraderFox-Index die Aktie von Amphenol, die am Mittwoch zwar leicht im Minus bei 101,10 USD lag, aber noch immer fast auf Rekordhoch notiert. Beflügelt wurden die Papiere des Herstellers von elektronischen Hightech-Bauteilen zuletzt von starken Zahlen. In dieser Woche gab das Management aber auch erneut eine Übernahme bekannt. Amphenol will demnach einen Geschäftsbereich von dem US-Unternehmen Carlisle im Wert von mehr als 2 Mrd. USD kaufen. Mit der Akquisitionen von Carlisle Interconnect Technologies (CIT), der Carlisle-Sparte, die Kabel und Steckverbinder für Verteidigungsfirmen und verschiedene Industrieendmärkte liefert, soll das bestehende Portfolio des Elektronikproduzenten erweitert werden. Laut Amphenol werden für 2024 bei CIT eine Umsatzgröße und eine bereinigte Marge von etwa 900,0 Mio. USD bzw. 20,0 % erwartet. Der Deal kommt jedenfalls zu einer Zeit, in der Amphenol eine wachsende Nachfrage nach seinen Produkten, wie Leiterplatten. Sensoren oder auch Antennen verzeichnet, da zahlreiche Länder ihre Investitionen in Verteidigungstechnologien angesichts des Konflikts im Nahen Osten und des Ukraine-Krieges deutlich ausweiten. Dieser Trend hat Amphenol als Anbieter von Hightech-Elektroniklösungen letztlich auch geholfen, die schwächere 2023er-Nachfrage nach Laptops und Tablets auszugleichen. die vor allem durch die Kaufzurückhaltung bei Unterhaltungselektronik entstanden war.

Wir freuen uns darauf, mit dem CIT-Kauf in Zukunft eine noch bessere Position bei wichtigen Kunden in der kommerziellen Luftfahrt- und der Rüstungsbranche zu haben, kommentierte der Amphenol-Finanzchef den Zukauf. Die geplante Transaktion will Amphenol bis Ende des 2. Quartals abschließen. Zudem soll sie sich voraussichtlich bereits im 1 Jahr nach Abschluss des CIT-Deals positiv auf den Gewinn pro Aktie auswirken. Das Management setzt aber schon seit längerem auf gezielte Akquisitionen. Allein im 3. Quartal 2023 wurden diesbezüglich mit Connor Manufacturing Services, Q Microwave und XMA Corp insgesamt 3 kleinere Zukäufe von Amphenol integriert. Mit seiner Produktpalette und seinen Technologien, die die höchsten Geschwindigkeiten und niedrigsten Latenzzeiten aufweisen, hat der Elektronikspezialist und Zulieferer inzwischen weltweit sogar eine führende Position inne. Die Amphenol-Anteilsscheine sind allerdings mit einem KGV von 27 hoch bewertet.

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