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Von TraderFox
11. Februar 2021

Befürchtungen über ein kurzfristig weiterhin schwaches Wirtschaftswachstum haben am Mittwoch die auf Rekordniveau befindlichen US-Aktienmärkte zunächst ausgebremst. Der TraderFox High-Quality-Stocks USA-Index kletterte in diesem Umfeld aber um 0,4% auf 24.228 Punkte. Behördensoftware-Dienstleister Tyler Technologies will NIC für 2,3 Mrd. USD übernehmen und damit seine Geschäfte rund um E-Government-Lösungen stärken. Technologisch hochentwickelte Angebotspalette des Autozulieferers Gentex dürfte auf Jahre hinaus zu enormen Wachstumsraten führen.

Eine regelrechte Kursexplosion legte am Mittwoch im TraderFox-Index die Aktie von NIC mit einem Plus von 15% auf 34,50 USD hin. Der Grund für den kräftigen Anstieg sind die Übernahmepläne des US-Unternehmens Tyler Technologies, den amerikanischen Anbieter von E-Government-Lösungen kaufen zu wollen. Tyler gilt in den USA als größter Back-Office-Software-Dienstleister für den öffentlichen Sektor und plant NIC demnach für 2,3 Mrd. USD in Cash bzw. für 34,00 USD zu übernehmen. Unter Analysten wird dieser Zug als ziemlich smart gesehen. Immerhin zählt NIC mit seinem Digitalisierungs-Geschäft mittlerweile über 7.100 öffentliche Ämter, Landkreise, Behörden und Ministerien zu seinen Kunden. Und das Kerngeschäft des Unternehmens, das unter anderem darin besteht, wichtige Digitalisierungs- und Analyseprozesse der öffentlichen Hand voranzutreiben, boomt regelrecht. In 2020 erreichte NIC eine Umsatzgröße von 460 Mio. USD, der Nettogewinn stieg auf rund 69 Mio. USD. Und das durchschnittliche Umsatzplus der letzten 5 Jahre von 5% zeigt wie beständig der IT-Dienstleister letztlich gewachsen ist. Auch wurde das einträgliche Wachstum über die Jahre hinweg aus dem üppigen Cashflow finanziert, denn das Unternehmen hat bis heute keine nennenswerten Schulden.

Die eigentlichen Geschäfte mit Regierungsstellen sind für NIC zudem auch noch äußerst profitabel, dies beweist die solide Gewinnmarge von derzeit 15%. Mit den zur Verfügung gestellten digitalen Softwaretools hat das Management jedenfalls seine Nische gefunden, obwohl es hier einige Konkurrenten gibt. Tyler will mit der geplanten Akquisition seine eigenen Sparten und Services letztlich strategisch weiter ausbauen. Zwar bieten zahlreiche US-Behördenstellen mit ihren Bürgerdiensten schon heute bequeme und digitale Webdienste an. In diesem Bereich herrscht aber nicht nur in Amerika weiterhin ein enormer technologischer Nachholbedarf. Beide Unternehmen werden neben Synergie- und Gross-Selling-Effekten die Bedürfnisse des öffentlichen Sektors aber auch in Zukunft kontinuierlich bedienen. Und Investoren dürften bei Tyler dank der NIC-Tochter nun vermutlich noch höhere Gewinnmargen aus dem digitalen Geschäft erwarten.

Der TraderFox High-Quality-Stocks USA-Index ist ein Aktien-Index, der mithilfe von Qualitätskriterien aus den 20 operativ erfolgreichsten US-Unternehmen gebildet wird. Neben dem langfristigen Firmenerfolg und einer stabilen Geschäftsentwicklung müssen die Unternehmen sogenannte „Burggraben“- Eigenschaften aufweisen. Burggraben-Unternehmen zeichnen sich durch nur schwer angreifbare Geschäftsmodelle aus. Der Erfolg dieser Unternehmen zeigt sich in der Qualität verschiedener Kennzahlen, wie eine hohe und stabile Nettogewinnmarge, hohe Eigen- und Gesamtkapitalrenditen sowie stabiles Umsatz- und Gewinnwachstum.

Deutliche Zugewinne von gut 3% auf 35,95 USD verbuchte am Mittwoch im TraderFox-Index auch die Aktie von Gentex. Der Treiber hinter der zuletzt starken Kursentwicklung bei den Papieren des US-Automobilzulieferers war letztlich die Nachricht, dass sich das operative Geschäft im Schlussquartal kräftig erholt hat. Dabei konnte für Q4 eine Umsatzerholung gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 19% auf 530 Mio. USD vermeldet werden. Der Quartalgewinn zog hierbei sogar um 44% auf 143 Mio. an, und erreichte damit den besten Quartalwert der bisherigen Unternehmensgeschichte. Gentex hat sich mit seinen internationalen Geschäften aber nicht nur auf die Autobranche selbst fokussiert, sondern produziert unter anderem auch Rauchmelder für die Brandschutzindustrie sowie Flugzeugfenster für die Luftfahrtbranche. Den Großteil der Gesamterlöse von zuletzt 1,58 Mrd. USD erwirtschaftet das Unternehmen aber mit der globalen Automobilindustrie. Mit seinen innovativen und dimmbaren Autorückspiegeln kommt der Zulieferer dabei sogar auf einen Weltmarktanteil von beachtlichen 94%. Von diesen sogenannten “Full Display“-Spiegeln setzte Gentex allein in 2020 insgesamt gut 1,05 Millionen Stück ab, was einem Anstieg von 42% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Und das, während die weltweite Autoproduktion um immerhin 16% rückläufig war.

Dem Management zufolge dürften zukünftig gerade mehr Premiumfahrzeuge mit der technologisch hochentwickelten Angebotspalette des Unternehmens ausgestattet werden. Zumal auch nur 31% aller global verkauften Autos bislang über einen innen eingesetzten dimmbaren Autorückspiegel verfügen, was wiederum für ordentliches Expansionspotenzial bei Gentex sogen dürfte. Die Rückkehr zu normalen Wachstumsraten dürfte aber spätestens mit der konjunkturellen Erholung und den damit wieder einsetzenden Autoabsätzen von statten gehen. Die Aktie bleibt mit einem KGV von 16 jedenfalls recht günstig bewertet, und sollte von Investoren nicht aus den Augen verloren werden.

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