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Von Christina Rothfuß
17. Juni 2022

Die Wall Street wurde nach der jüngsten US-Zinserhöhung am Donnerstag erneut von Rezessionsängsten kräftig ins Minus gedrückt. Zum Handelsende gab dabei auch der TraderFox High-Quality-Stocks USA-Index um 2 % auf 21.823 Punkte nach. Lancaster Colony verdient in Q3 dank solider Nachfrage und innovativer Produktentwicklung mit 403 Mio. USD weiterhin rekordhohe Quartalserlöse. Church & Dwight wächst in Schnitt pro Jahr um bis zu 6 % und setzt neben Preiserhöhungen dabei auf margenstarke Haushalts- und Hygieneprodukte.

 

Einer der wenigen Gewinner war mit 0,8 % auf 123,10 USD am Donnerstag im TraderFox-Index die Aktie von Lancaster Colony. Von ihrem im letzten Sommer markierten Rekordhoch bei 200,00 USD sind die Papiere aber gegenwärtig weit entfernt. Eigentlich gehört der amerikanische Lebensmittelhersteller, dessen Erlöse von zuletzt 1,61 Mrd. USD zu einem Großteil durch den Verkauf an Bäckereien, Restaurants und Supermärkte in den USA erzielt werden, schon seit Längerem als rezessionssicher. Und selbst die Covid-19-Widrigkeiten der letzten Jahre, spielten dem Unternehmen mit seinen Marken wie Marzetti, New York Brand Bakery und Sister Schubert’s in die Hände. Vor allem, weil Lancaster Colony geöffnete Lebensmittelmärkte sowie die ebenfalls boomenden Schnellrestaurants und Pizzaketten mit ihren Lieferdiensten so gut es ging belieferte. Das Kerngeschäft, das hauptsächlich aus tiefgefrorenen Backwaren, Dressings und auch Soßen der Tochter T. Marzetti besteht, boomt nicht nur. Schon vor dem Beginn der Pandemie war es dank geschickter Übernahmen und innovativer Produktentwicklung auch noch sehr renditeträchtig. Davon zeugte die beachtliche Marge von über 7 % sowie die solide Eigenkapitalrendite von zuletzt 11 %. Die Lancaster Colony-Aktie wurde als Qualitätsunternehmen an der Börse deswegen auch ständig mit einem Premiumaufschlag bewertet, inzwischen aber ergibt sich ein KGV von nur noch 25 nach zuvor weit über 35.

Für das abgelaufene 3. Quartal, das Ende März endete, konnte der Vorstand jedenfalls erneut rekordhohe Quartalserlöse von 403 Mio. USD vermelden, was einem Plus von 13 % entsprach. Und das, obwohl stark gestiegene Rohstoffpreise insbesondere für Sojaöl sowie höhere Transportkosten und Löhne die operative Entwicklung bei Lancaster Colony seit Monaten ausbremsen. Die Preise für Rohmaterialien und Transport hätten im letzten Quartal rund 30 % über dem Vorjahreszeitraum gelegen, sagte jüngst der Manager. Dennoch war ein anhaltender Treiber innerhalb der Einzelhandelssparte, die zuletzt um 15 % zulegen konnte, neben dem bequemen „Zu-Hause-Essen“-Trend dabei auch eine Vielzahl an nachfragten Soßen und Dressings. Hierzu gehörten unter anderem die von Lancaster Colony hergestellten Saucenprodukte Chick-fil-A® und Buffalo Wild Wings®. Beide werden als lizenzierte Produkte exklusiv in Supermärkten und trendigen Restaurants verkauft. Die weiter anziehenden Rohstoff- und Beschaffungspreise dürften zwar zunächst die Margen des Unternehmens weiter belasten, dennoch wird für das bis Ende Juni laufende Geschäftsjahr 2021/22 mit einem Gewinnplus von 4 % gerechnet. Vor allem auch, weil Lancaster Colony als markenstarker Lebensmittelproduzent einen großen Teil der Preissteigerungen an seine Kunden weiterreichen kann.

Der TraderFox High-Quality-Stocks USA-Index ist ein Aktien-Index, der mithilfe von Qualitätskriterien aus den 20 operativ erfolgreichsten US-Unternehmen gebildet wird.  Neben dem langfristigen Firmenerfolg und einer stabilen Geschäftsentwicklung, müssen die Unternehmen sogenannte „Burggraben“- Eigenschaften aufweisen. Burggraben-Unternehmen zeichnen sich durch nur schwer angreifbare Geschäftsmodelle aus. Der Erfolg dieser Unternehmen zeigt sich in der Qualität verschiedener Kennzahlen, wie eine hohe und stabile Nettogewinnmarge, hohe Eigen- und Gesamtkapitalrenditen sowie stabiles Umsatz- und Gewinnwachstum.

Ebenfalls leichte Zugewinne auf 82,20 USD verzeichnete nach dem jüngsten Kursrückgang am Donnerstag im TraderFox-Index die Aktie von Church & Dwight. Die Papiere des US-Konsumgüterherstellers gehören auch zu den zuletzt stark „abverkauften“ Defensivwerten, nachdem der 2022er-Gewinnausblick aufgrund von gestiegener Preisinflation etwas gesenkt wurde. Vom Jahreshoch bei 105 USD im April haben sie seitdem über 20 % nachgegeben. Investoren sind einfach beunruhigt, dass Kunden im Zuge steigender US-Zinsen und damit einhergehender schwächerer Wirtschaftsentwicklung sowie die durch den Krieg in der Ukraine mit beschleunigten Benzin- und Gaspreise, ihr Kaufverhalten einschränken könnten. Aber Church & Dwight ist mit seinen Qualitätsprodukten, der Preisfestsetzungsmacht und der beindruckenden Dividendenkontinuität durchaus ein Fels in der Brandung. Immerhin haben sich Umsätze, Cashflow und die Gewinne in den letzten 40 Jahren beständig erhöht. Dazu kommt noch, dass der Produzent von margenstarken Haushalts- und Hygieneartikeln unter dem Markenamen Oxi Clean oder auch Arm & Hammer auch als Dividenden-Aristokrat gilt. Also über 25 Jahre kontinuierlich steigende Gewinnanteile ausgeschüttet hat. Zum Portfolio von Church & Dwight gehören aber auch trendige Gesundheitsprodukte wie Vitamine sowie Mundwasser und Katzenstreu.

Mit insgesamt 14 Marken, die in den letzten Jahren teilweise zugekauft wurden, werden derzeit gut 80 % der globalen Verkaufserlöse von zuletzt 5,25 Mrd. USD erzielt. Das Management selbst bezeichnet das Geschäftsmodel als "Evergreen Model", bei dem Aktionäre im Schnitt ein jährliches organisches Wachstum von 3 % und Gewinnzuwächse von 8 % erwarten können. Angesichts von kleineren Übernahmen und zahlreichen Aktienrückkäufen gelang es Church & Dwight aber ein durchschnittliches Wachstum von 6 % sowie ein Gewinnplus von 12 % in den letzten 10 Jahren hinzulegen. Langfristig gesehen ist die Aktie folglich auch in Inflationszeiten ein Gewinner. Deshalb zeigt das KGV auch nach wie vor eine KGV-Bewertung von aktuell 24. Denn Qualität hat selbst in Krisenzeiten seinen Preis.

 

 

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