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Von Christina Rothfuß
13. November 2023

Die US-Börsen haben am Freitag angetrieben von den Kursgewinnen im Technologiesektor deutliche Aufschläge verzeichnet. Auch der TraderFox High-Quality-Stocks USA-Index zog dabei um 1,3 % auf 26.437 Punkte an. IT-Spezialist Jack Henry kann Q1-Umsatz aufgrund anhaltender Nachfrage nach Fintech-Produkten aus dem US-Bankensektor überraschend um 8,0 % steigern. Finanzdatenanbieter FactSet hat seinen Cashflow in den letzten 10 Jahren auf 585. Mio. USD verdoppelt, und bleibt dank Expansionsdrang auf Wachstumskurs.

 



Kräftige Zugewinne konnte in der letzten Woche im TraderFox-Index vor allem die Aktie von Jack Henry verbuchen. Am Freitag lag sie aber leicht im Minus bei 147,99 USD. Dabei waren die Papiere des Software- und IT-Spezialisten seit Mitte März im Zuge der damals hochkochenden US-Bankenkrise deutlich unter Druck geraten. Inzwischen läuft aber die Erholungsbewegung. Ausschlagend für den zeitweise heftigen Absturz sind aber die Geschäfte des Unternehmens gewesen, mit denen die Digitalisierungs- und Abwicklungsprozesse zahlreicher US-Regionalbanken und Finanzinstitute technologisch unterstützt werden. Zumal Jack Henry rund 60,0 % aller Banken- und Kreditinstitute in den USA zu seinem Kundenkreis zählt. Investoren haben folglich mit starken operativen Auswirkungen gerechnet, da die US-Banken im Rahmen der Finanzkrise erst einmal ihr Eigenkapital stärken und Investitionen zurückfahren dürften. Am vergangenen Dienstag legte das Fintech-Unternehmen aber unerwartet robuste Zahlen für das jüngst abgelaufene 1. Quartal (2023/24) vor. Dabei wurde der beeindruckende Umsatzanstieg von 8,0 % bei Jack Henry vor allem durch das Wachstum in den Sparten “Processing“ sowie “Services and Support“ getrieben. Der Softwareentwickler verspürte im Quartal sogar eine solide Nachfrage nach Finanztechnologie- und Zahlungsabwicklungsdiensten trotz des unsicheren wirtschaftlichen Umfelds in den USA. Zu verdanken war dies dem landesweiten Wachstum bei Angeboten wie Kreditvergabe, Zahlungsverkehr und digitalem Banking.



Jack Henry selbst hat sich über die letzten Jahre insbesondere auf Online-basierte und mobile Zahlungsdienste als auch auf Sicherheits-Produkte und Risikomanagement-Tools fokussiert. Für viele Anleger kommen die soliden Zahlen der letzten 3 Monate durchaus unerwartet. Auch, weil vor allem die Umsätze im Bereich Dienstleistungen und Support und hier besonders in den Sparten “Data Processing“ und “Hosting“ ungewöhnlich stark anstiegen. Allein die Einnahmen in Jack Henry`s Segmenten “Core“ und “Payments“ zogen von Juli bis September um 7,6 % bzw. 6,9 % an. Aber nicht nur operativ könnten die Digitalisierungsgeschäfte des Unternehmens damit die US-Bankenkrise hinter sich lassen, auch die Orderbücher sind offenbar voll. Unsere Vertriebspipeline ist so umfangreich wie nie zuvor, zudem haben wir kürzlich auch eine Rekordzahl an Kunden verzeichnet, sagte der Vorstand in der letzten Woche. Im Rahmen der Krise müsste das Management für Jack Henry für das abgelaufene Jahr 2022/23 allerdings einen Gewinnrückgang von 1,0 % hinnehmen, der aber demnächst wieder zweistellig positiv werden soll. Zudem lag die Nettomarge trotz höherer Kosten zuletzt noch immer im Bereich von 17,0 %.



Der TraderFox High-Quality-Stocks USA-Index ist ein Aktien-Index, der mithilfe von Qualitätskriterien aus den 20 operativ erfolgreichsten US-Unternehmen gebildet wird. Neben dem langfristigen Firmenerfolg und einer stabilen Geschäftsentwicklung müssen die Unternehmen sogenannte „Burggraben“- Eigenschaften aufweisen. Burggraben-Unternehmen zeichnen sich durch nur schwer angreifbare Geschäftsmodelle aus. Der Erfolg dieser Unternehmen zeigt sich in der Qualität verschiedener Kennzahlen, wie eine hohe und stabile Nettogewinnmarge, hohe Eigen- und Gesamtkapitalrenditen sowie stabiles Umsatz- und Gewinnwachstum.



Einer der Favoriten im TraderFox-Index war am Freitag mit einem Anstieg von 1,1 % auf 453,10 USD auch die Aktie von FactSet Research Systems. Seit Januar bewegen sich die Papiere des amerikanischen Informations- und Datenanbieters auf hohem Niveau und peilen derzeit sogar ein Rekordhoch an. Dies ist auch durchaus nachvollziehbar, schließlich hat sich das Unternehmen mit seinem Geschäftsmodell auf langfristiges Wachstum ausgerichtet. FactSet stellt dabei vor allem Abo-pflichtige Finanzdaten und Analysen für Investoren zur Verfügung, darunter Banken, Hedgefonds, Vermögensverwalter und Privatpersonen. Die zahlreichen Konjunkturnachrichten und Anlageinformationen der Unternehmensgruppe sind diesbezüglich weltweit seit Jahren schon sehr gefragt, was ihr letztlich einen soliden wirtschaftlichen Vorteil verschafft. Denn dank der Nachfrage nach den Marktanalysen und Datenangeboten von FactSet ist der Jahresumsatz in den letzten 10 Jahren beständig von 870 Mio. auf 2,08 Mrd. USD gestiegen. Der freie Cashflow verdoppelte sich sogar in dem Zeitraum auf gut 585 Mio. USD. Bei dem üppigen Barmittelzufluss kann man das Unternehmen auch als regelrechte Cash-Maschine bezeichnen. Zwar gab es in diesem Jahr bei FactSet gewisse Befürchtungen, dass institutionelle Kunden Kosten einsparen könnten, auch bei den Daten-Abonnements. Bislang ist das aber offenbar nicht der Fall. Was außerdem für den Informations-Dienstleister spricht, ist der anhaltende Expansionsdrang.



Damit will das Management in erster Linie die Nachfragetrends der globalen Finanzindustrie erfüllen, und sicherstellen, dass die angebotenen Software-basierten Finanzdaten-Angebote von FactSet auch in Zukunft abonniert werden. Einem Bericht von Fortune Business Insights zufolge dürfte der globale Finanzanalysemarkt bis 2030 um jährlich bis zu 11,0 % wachsen. Dies dürfte dem expansiven Datengeschäft des Unternehmens langfristig natürlich zusätzlich Rückenwind verleihen. Die Bindungsrate der Abo-Kunden ist mit über 85,0 % auch weiterhin erstaunlich hoch, und dank der stetigen technologischen Weiterentwicklung bleibt FactSet eine verlässliche Wachstumsaktie mit Potenzial. Ein Wermutstropfen ist jedoch die noch immer hohe Bewertung, die sich im KGV von 26 und einem KUV von 8 niederschlägt. Dafür ist das Finanzunternehmen aber in seiner Nische äußerst erfolgreich, und sollte auch in den kommenden Jahren “langweilige“, aber solide Zuwachsraten zeigen.

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