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Von Christina Rothfuß
29. Juni 2022

Eine überraschend schlechte Konsumstimmung lastete am Dienstag auf den Kursen der US-Börsen. Auch der TraderFox High-Quality-Stocks USA-Index zeigte sich gestern schwächer und schloss mit 2,3 % im Minus bei 23.100 Punkten. Consulting- und Kapitalmarktdienste von Houlihan Lokey sind rezessionssicher und dürften 2022 sogar ein Gewinnzuwachs von über 60 % einbringen. US-Zinserhöhungen treiben die Wachstumsraten und Margen bei MarketAxess in diesem Jahr wieder auf über 10 % bzw. 30 %.

 

Einer der wenigen Gewinner im gestrigen Marktumfeld war im TraderFox-Index die Aktie von Houlihan Lokey, die am Ende mit 1,0 % im Plus bei 82,10 USD aus dem Handel ging. In den zurückliegenden Monaten war zwar der Trend bei dem Papier der US-Investmentbank eher nach unten gerichtet, und seit Jahresbeginn summieren sich die Abschläge inzwischen auf rund 20 %. Die Finanzgeschäfte des Unternehmens, das sich mit über 20 globalen Standorten vor allem auf Akquisitionen, Kapitalmarkt-Dienstleistungen sowie Restrukturierungen und finanzierungsbezogene Consultingdienste fokussiert, aber brummen nach wie vor. Selbst die derzeit schwache Börsenentwicklung im Rahmen der steigenden US-Zinsen hat Houlihan Lokey bislang nicht ausbremsen können. So vermeldete der Vorstand für das Ende März ausgelaufene Geschäftsjahr 2021/22 einen Rekordumsatz von 2,27 Mrd. USD. Dies war immerhin ein Anstieg um 45 % gegenüber dem Jahr zuvor. Damit ist der Kapitalmarkt-Spezialist in diesem Zeitraum bei global getätigten Übernahme-Transaktionen sogar auf Platz 1 geklettert, und hat Konkurrenten wie Goldman Sachs und JPMorgan hinter sich gelassen. Als Berater rund um internationale Restrukturierungen hält das Unternehmen diese Position bereits seit 8 Jahren in Folge. Zwar dürften künftig höhere Zinsen in einigen Kapitalmarktbereichen für steigende Finanzierungskosten sorgen. Houlihan Lokey wird mit seinem Consulting- und Kapitalmarktgeschäften aber den zukünftigen Finanzierungsbedarf zahlreicher Kunden abdecken und damit letztlich weiterhin gut daran verdienen.

Zuletzt war das Management jedenfalls auch für 2022 optimistisch, was die Fähigkeiten des Investmenthauses angeht, sich dem geänderten Zinsumfeld erfolgreich anzupassen. Wobei das Kerngeschäft mit Büros in Europa, Asien und dem Mittleren Osten auch keinerlei Wirtschaftszyklen unterworfen ist. Schon im Geschäftsjahr 2020/21 lag das Cashflow-Wachstum von Houlihan Lokey bei beachtlichen 46 %, während der Industriedurchschnitt nur bei 7 % lag. Solide waren auch die durchschnittlichen Gewinnzuwächse von 30 % in den letzten 3 Jahren. Und für dieses Jahr wird erneut ein Gewinnwachstum von atemberaubenden 67 % anvisiert, die amerikanische Banken- und Finanzbranche rechnet dagegen nur mit Zuwächsen von gut 13 %. Die Aktie von Houlihan Lokey wird aber trotz dieser Aussichten derzeit nur mit einem KGV von 12 bewertet, was natürlich für ein Unternehmen ohne Schulden und einer Nettomarge von 20 % viel zu billig ist.

Der TraderFox High-Quality-Stocks USA-Index ist ein Aktien-Index, der mithilfe von Qualitätskriterien aus den 20 operativ erfolgreichsten US-Unternehmen gebildet wird.  Neben dem langfristigen Firmenerfolg und einer stabilen Geschäftsentwicklung müssen die Unternehmen sogenannte „Burggraben“- Eigenschaften aufweisen. Burggraben-Unternehmen zeichnen sich durch nur schwer angreifbare Geschäftsmodelle aus. Der Erfolg dieser Unternehmen zeigt sich in der Qualität verschiedener Kennzahlen, wie eine hohe und stabile Nettogewinnmarge, hohe Eigen- und Gesamtkapitalrenditen sowie stabiles Umsatz- und Gewinnwachstum.

Einer der schwächeren Werte während der letzten Monate war im TraderFox-Index die Aktie von MarketAxess. Und auch am Dienstag gab sie wieder deutlicher nach und schloss bei 265,70 USD. Eigentlich profitieren die Papiere des Börsenbetreibers, der institutionellen Anlegern und Händlern elektronische Plattformen für den effizienten Kauf- und Verkauf von Staatsanleihen anbietet, von turbulenten Finanzmarktphasen. Wobei höhere Volatilität an den Aktienmärkten durch die Flucht in Sicherheit in der Regel zu steigenden Handelsvolumen an den Bondmärkten führen. Innerhalb dieses Anlagebereichs zählt das Unternehmen inzwischen auch zu den größten und innovativsten Nischenplayern. MarketAxess erzielt dabei einen Großteil seiner Erlöse durch entsprechende Gebühren, die bei jedem abgewickelten Trade über die Plattformen anfallen. Und das 1. Quartal in diesem Jahr war, was Handelsaktivitäten (+22 %) und Umsatzentwicklung (186 Mio. USD) betraf, das „Zweitbeste“ in der bisherigen Unternehmensgeschichte. Zeitgleich konnte der Börsenplattform-Dienstleister mit seinen Kernprodukten, zu denen in erster Linie US- und Euro-Anleihen gehören, auch mehr global angesiedelte Kunden gewinnen. Aber selbst die im April um 56 % erneut gestiegenen Handelsvolumina konnten der MarketAxess-Aktie bisher nicht zu einer stärkeren Kurserholung verhelfen.

Schließlich erwarten Analysten angesichts steigender US-Zinsen bei den Anleihe-Geschäften des Unternehmens für 2022 auch wieder mit einem zweistelligen Umsatzanstieg von 10 bis 12 %, nach nur 3 % im Vorjahr. Vor allem, weil höhere Anleiherenditen immer eine höhere Nachfrage nach sicheren amerikanischen Bonds bedeuten. MarketAxess ist aber schon seit Jahren ungeachtet einiger Zukäufe und anhaltender Expansionsbestrebungen hochprofitabel. Neben der Eigenkapitalrendite von 23 % liegt die Gewinnmarge jedenfalls bei herausragenden 35 %. Die Papiere sind aber dennoch derzeit vergleichsweise teuer, wovon das 35er KGV sowie ein KUV von 15 zeugen. Allerdings hat MarketAxess als Börsenplatzbetreiber, mit einem Netzwerk von mittlerweile über 1.800 institutionellen Firmenkunden, eine der größten globalen Handelsplattform für elektronische Anleihegeschäfte geschaffen, und dürfte damit vor langfristig soliden Wachstumsjahren stehen. Und dies sollte dem Abbau der gegenwärtigen Überbewertung durchaus behilflich sein.

 

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