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Von Christina Rothfuß
05. Januar 2023

Am Mittwoch hat die Veröffentlichung des jüngsten Fed-Sitzungsprotokolls an der Wall Street eine Kurserholung ausgelöst. Auch der TraderFox High-Quality-Stocks USA-Index kletterte dabei um 1,0 % auf 25.189 Punkte. Preishöhungen und „Safe-Heaven“-Funktion haben Lebensmittelhersteller General Mills im Jahr 2022 zu über 30 % Kursplus verholfen. Software- und Cloud-Entwickler Veeva verfügt inzwischen über 1.000 bio-pharmazeutische Firmenkunden und dürfte im letzten Jahr um 16 % gewachsen sein.

 

Leichte Kurszuwächse verbuchte am Mittwoch im Zuge der gestrigen Erholung im TraderFox-Index auch die Aktie von General Mills. Am Ende schloss sie bei 83,90 USD. Dabei gehörten die Papiere des Lebensmittelherstellers im letzten Jahr mit über 30 % Zuwachs zu den wenigen Börsenstars. Allerdings hat sich hierdurch auch die fundamentale Bewertung etwas erhöht. General Mills gilt aber eigentlich nicht als dynamischer Performer, dennoch sind die wesentlichen Wachstumstreiber weiterhin intakt, und Investoren mögen auch die in 2022 offensichtlich gewordene „Pricing-Power“. Der Produzent abgepackter Lebensmittel wie Müsli, Backwaren oder auch Fertiggerichten verkauft weltweit auch Snacks und Milchprodukte. Zum Portfolio zählt hierbei unter anderem die Marke Cheerios oder auch die beliebte Eiscremesorte Häagen Dazs. Mit dem Schweizer Nestlé-Konzern werden zusammen zudem Produkte wie Cine Minis, Chocapic oder Fitness Cornflakes angeboten. Was General Mills im letzten Jahr aber zum Star gemacht hat, war vor allem die „Safe-Heaven“-Funktion der Aktie, die sich gerade in unsicheren Inflations- und makroökonomischen Krisenzeiten über Preishöhungen und stabilen Erlösen widerspiegelte. Das Unternehmen gilt mit seinem Premiumsortiment aber nicht nur als Bluechip mit beachtlicher Dividendenhistorie. Die Gewinnmargen aus dem Nahrungsmittelgeschäft liegen mit über 15 % auch über Branchendurchschnitt.

Die Unternehmensführung von General Mills betreibt zudem seit Jahren auch ein kluges Portfolio-Management. Dabei werden kleine Markenprodukte gelegentlich zugekauft, und margenschwächere Namen relativ schnell wieder abgestoßen. Auch bestehende Marken werden hin und wieder gestärkt, unter anderem mit Produkterweiterungen oder auch trendigen Marketingideen. So verwundert es nicht, dass General Mills im letzten Quartal mit seinen Kernportfoliomarken trotz zahlreicher Preisanhebungen sogar globale Marktanteilgewinne erzielen konnte. Und für das Bilanzjahr 2022/23, das im Mai endet, wird mit einem organischen Umsatzwachstum von immerhin 6 bis 7 % gerechnet. Geholfen haben dem Lebensmittelproduzenten zuletzt auch zahlreiche Kostensenkungs-Maßnahmen, die letztlich sogar zu leichten Margenverbesserungen führten, was natürlich Investoren gern hörten. General Mills will künftig auch wieder ein Margenniveau erreichen, wie es vor Beginn der Corona-Pandemie üblich war. Die Aktie notiert auch trotz starkem Börsenjahr aktuell nur mit einem moderaten KGV von 19. Obendrauf gibt es noch 2,6 % an Dividendenrendite.

Der TraderFox High-Quality-Stocks USA-Index ist ein Aktien-Index, der mithilfe von Qualitätskriterien aus den 20 operativ erfolgreichsten US-Unternehmen gebildet wird.  Neben dem langfristigen Firmenerfolg und einer stabilen Geschäftsentwicklung müssen die Unternehmen sogenannte „Burggraben“- Eigenschaften aufweisen. Burggraben-Unternehmen zeichnen sich durch nur schwer angreifbare Geschäftsmodelle aus. Der Erfolg dieser Unternehmen zeigt sich in der Qualität verschiedener Kennzahlen, wie eine hohe und stabile Nettogewinnmarge, hohe Eigen- und Gesamtkapitalrenditen sowie stabiles Umsatz- und Gewinnwachstum.

Einer der größten Gewinner war mit einem Plus von über 4,0 % auf 166,40 USD am Mittwoch im TraderFox-Index hingegen die Aktie von Veeva Systems. Das vergangene Börsenjahr war allerdings für den IT-Dienstleister mit seinen digitalen Software- und Cloud-Lösungen für die „Life-Science“- und Gesundheitsbranche sehr enttäuschend verlaufen. Auch, weil die hohe Bewertung durch anziehende Zinsen unter Druck geraten war. Dabei liegen vor Veeva durchaus goldene Geschäftsjahre, schließlich hat sich die Gesellschaft über die Jahre einen Kundenstamm von über 1.000 bio-pharmazeutischen Firmen aufgebaut. Hierzu zählen Pharma- und Medizintechnikunternehmen wie Merck, Boston Scientific und Novo Nordisk sowie der Impfstoffpionier Moderna und der Schweizer Diagnostikanbieter Roche. Und obwohl das Geschäft rund um Cloud-basierte Datenplattformen in einem wettbewerbs-intensiven Umfeld agiert, zeugt Veeva`s Kundenliste von der Qualität der IT- und Softwaredienste. Erst kürzlich hat der US-Pharmahersteller Merck mit dem Unternehmen einen 10-Jahresvertrag abgeschlossen. Dabei bietet der Software-Entwickler mit „Veeva Commercial Cloud“ eine Datenplattform, die es wissenschafts- und gesundheitsorientierten Firmen ermöglicht, jeden Aspekt interner Abläufe zu kontrollieren. Zusätzlich können Kunden von Veeva über die lizenzpflichtige Cloud-Sparte „Veeva Vault“ forschungs- und entwicklungsbezogene Daten, unter anderem für Arzneimitteltests, digital effizienter managen.

Was zusätzlich für den Software- und Cloud-Spezialisten spricht ist, dass mittlerweile ein Großteil der Umsätze über Abo-Einnahmen hereinkommen, also wiederkehrend sind. Im Jahr 2019 als das Unternehmen rund 1,0 Mrd. USD an Jahreserlösen erzielte, gab der Vorstand das ehrgeizige Erlösziel von 3 Mrd. USD für Veeva bis 2025 heraus, was aber inzwischen weit übertroffen werden dürfte. Denn Ende 2022 wird mit einem Umsatzanstieg von 16 % auf bereits 2,2 Mrd. USD gerechnet. Zudem sind die Kunden des Gesundheits- und Pharmadienstleisters kaum zyklischen Einflüssen ausgesetzt, was dem Software- und Beratungsgeschäft auch künftig stabile Einnahmen garantiert. Die Aktie von Veeva ist zwar mit einem KGV von 37 nicht billig, aber die langfristigen Wachstumsaussichten des schuldenfreien Unternehmens sind aber beeindruckend. Zumal auch die hohe Gewinnmarge von 19 % weiterhin überzeugt.

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