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Von Christina Rothfuß
13. Januar 2023

Dank rückläufiger US-Inflationszahlen schloss die Wall Street am Donnerstag erneut leicht im Plus. Der TraderFox High-Quality-Stocks USA-Index zeigte sich in diesem Umfeld aber unverändert bei 25.779 Punkten. Baustoff- und Mietgeschäfte von Fastenal florieren auch in Q3 dank starkem Immobilien- und Infrastrukturausbau in den USA. Edwards Lifesciences hat trotz innovativer Medizintechnik mit Umsatzrückgängen zu kämpfen, bleibt aber mit einer Gewinnmarge von 27 % hochrentabel.

 

Nach dem jüngsten Aufschwung notierte am Donnerstag im TraderFox-Index die Aktie von Fastenal kaum bewegt bei 49,05 USD. Zwar entwickelten sich die Anteilsscheine des internationalen Vertriebshändlers von Industrie- und Baumaterialien sowie Vermieters von Baugeräten im letzten Jahr äußerst volatil. Die eigentlichen Verkaufs- und Mietgeschäfte aber waren aufgrund der weiterhin robusten US-Wirtschaft und zahlreicher öffentlicher Infrastruktur-Investitionen dennoch sehr stark gelaufen. Dabei verfügt Fastenal nicht nur über einen langjährigen beeindruckenden „Track-Rekord“ bezüglich Umsatz- und Gewinnwachstum. Das Unternehmen mit seinen Produkten, die von Schraub- und Verbindungselementen bis hin zu Werkzeugen sowie Farben und Reinigungsmitteln reichen, gilt auch als „Cash-Cow“ und ist mit aktuell 2,5 % auch für Dividendeninvestoren durchaus interessant. Allein für das 3. Quartal konnte der Immobilien- und Baudienstleister einen Erlösanstieg von 16 % vermelden, nach schon 18 % im Vorquartal. Das Management von Fastenal berichtete dabei einmal mehr von der soliden Nachfrage aus rohstoffintensiven Märkten in Nord- und Südamerika rund um Hausbau- und Infrastrukturprojekte. Denn zu den wichtigsten Kunden des Unternehmens gehören unter anderem Industriezulieferer und Baufirmen. Die Amerikaner haben zwar derzeit auch weiterhin mit Lieferengpässen und Preisinflation bei vielen Baumaterialen zu kämpfen. Fastenal konnte aber in Q3 erneut höhere Verkaufspreise durchsetzen. Damit summiert sich auch der Umsatzanstieg innerhalb der letzten 5 Jahre auf beachtliche 55 %.

Die führende Position gerade auf dem nordamerikanischen Markt, die sich der Vertriebsspezialist bei zahlreichen Industriekunden aufgebaut hat, dürfte sich auch in Zukunft nicht ändern. Und das Geschäftsmodell rund um gefragte Baustoffe und Mietgeräte ermöglicht zudem auch solide Cashflows und beständige Dividendenzahlungen. Seit 1991 zahlt Fastenal nun schon seinen Anteilseignern jedes Jahr Gewinnanteile aus, allein die Quartalsdividende wurde in den vergangenen 5 Jahren um über 90 % angehoben. Geholfen hat hierbei aber auch die weiterhin sehr stabile Nettomarge von zuletzt 16 %. Darüber hinaus ist der Vertriebshändler auch von größeren Konjunkturzyklen in gewisser Weise unabhängig, denn in der Immobilien- und Straßenbaubranche wird eigentlich immer Material benötigt. Nur die Aktie von Fastenal ist trotz weiterhin für 2023 zu erwartenden gesunden Zuwachsraten mit einem KGV von 25 noch nicht günstig.

Der TraderFox High-Quality-Stocks USA-Index ist ein Aktien-Index, der mithilfe von Qualitätskriterien aus den 20 operativ erfolgreichsten US-Unternehmen gebildet wird.  Neben dem langfristigen Firmenerfolg und einer stabilen Geschäftsentwicklung müssen die Unternehmen sogenannte „Burggraben“- Eigenschaften aufweisen. Burggraben-Unternehmen zeichnen sich durch nur schwer angreifbare Geschäftsmodelle aus. Der Erfolg dieser Unternehmen zeigt sich in der Qualität verschiedener Kennzahlen, wie eine hohe und stabile Nettogewinnmarge, hohe Eigen- und Gesamtkapitalrenditen sowie stabiles Umsatz- und Gewinnwachstum.

Ein leichtes Plus auf 77,75 USD konnte dagegen am Donnerstag im TraderFox-Index die Aktie von Edwards Lifesciences verbuchen. Allerdings haben sich die Papiere im Jahr 2022 in etwa halbiert. Dabei machen sich Investoren bei dem Produzenten von medizinischen Gerätschaften wie Herzklappen sowie sogenannter hämo-dynamischer und bei chirurgischen Eingriffen verwendeter  Überwachungssysteme, derzeit Wachstumssorgen. Und da Edwards Lifesciences auch international agiert, kommen auch noch negative Währungseinflüsse dazu. Mit seinen speziellen medizinischen Dienstleistungen ist das Unternehmen eigentlich, auch dank des demografischen Wandels in den USA, langfristig bestens in seiner technologischen Nische positioniert. Schon in den letzten 5 Jahren lagen die erzielten Umsatzzuwächse im Schnitt bei 12 %, und das bei enormen Gewinnspannen von 27 %. Unter normalen Umständen ist Edwards Lifesciences auch ein aufstrebendes und innovatives Wachstumsunternehmen. Vor allem dank der firmeneigenen „Transcatheter Aortic Valve Replacement“-Lösung (TAVR), die inzwischen sogar über 60 % der Gesamterlöse von zuletzt 5,36 Mrd. USD ausmacht. Allerdings stiegen die Produktverkäufe im 3. Quartal nur um 1 %, da der starke Dollar das eigentliche Wachstum zunichtemachte. Ohne Währungseinflüsse wurden aber Zuwächse von 7 % erzielt. Und für das Gesamtjahr 2022 wird für Edwards Lifesciences auch nur mit einem Umsatzplus von gut 6 % gerechnet. Das gruppenweite Absatzwachstum wurde vom Vorstand jedoch bis zuletzt bei jährlich 15 bis 20 % gesehen.

Allein mit der TAVR-Sparte wurden von dem Medizintechnik-Anbieter in den vergangenen Quartalen auch Zuwächse von teils bis zu 40 % eingefahren, und auch im Ausland lag das Plus zeitweise bei fast 20 %. Und bis 2024 wurde ein enormes globales Marktpotential für die TAVR-Technologie von bis zu 7 Mrd. USD gesehen. Auch bei Edwards Lifesciences` zweitwichtigster Sparte „Transcatheter Mitral and Tricuspid Therapies“ (TMTT), mit deren Produkten Ärzten unter anderem bei der chirurgischen Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen geholfen wird, waren die Wachstumsraten bis zuletzt ebenfalls zweistellig. Von daher sind die Bedenken der Anleger wohl berechtigt, und die enttäuschende Performance der Aktie durchaus verständlich. Dennoch bleibt Edwards Lifesciences ein hochinnovatives Unternehmen im Bereich Medizintechnik, das ungeachtet der noch immer beachtlichen KGV-Bewertung von 31, irgendwann einen operativen „Turnaround“ hinlegen wird.

 

 

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