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Von Christina Rothfuß
18. November 2022

Wieder aufkommende Zinserhöhungssorgen belasteten am Donnerstag die US-Börsen, die letztlich leicht nachgaben. In diesem Umfeld verlor auch der TraderFox High-Quality-Stocks USA-Index gut 0,8 % auf 25.708 Punkte. Hohe Online-Nachfrage bringt Copart trotz gestiegener Kosten auch im 1. Quartal ein solides Wachstum auf 893 Mio. USD und 28 % Reinmarge. Investmentbank Houlihan Lokey kauft britische Beratungsfirma Oakley Advisory, um die Kompetenz im europäischen digitalen Infrastrukturbereich auszubauen.

 

Am Donnerstag war im TraderFox-Index die Aktie von Copart mit einem Kursplus von 3,3 % auf 64,15 USD der alleinige Gewinner im Index. Die Papiere zogen damit auf ein neues Monatshoch. Der Auslöser für den gestrigen Anstieg waren die von dem Online-Gebrauchtwagenhändler gemeldeten Zahlen für das 1. Quartal, das am 31. Oktober endete. Und das Geschäft, mit dem neben professionellen Autohändlern und Reparaturwerkstätten auch Exportunternehmen sowie private Käufer versorgt werden, ist nahezu rezessionssicher und überrascht mit weiterhin robusten Wachstumsraten. So konnte Copart gestern ein neuerliches Umsatzplus von 10 % auf 893,4 Mio. USD vorlegen, allerdings hatte sich der Anstieg gegenüber dem Vorquartal mit zuvor 18 % verlangsamt. Gut 81 % der jüngsten Quartalserlöse kamen aber über weltweit angebotene Dienstleistungen herein, und nur rund 19 % über den Online-Verkauf von Gebrauchtwagen. Zudem musste das Unternehmen, das beim Ankauf, Reparatur und dem Weiterverkauf von gebrauchten Fahrzeugen und Unfallwagen als weltweit führender Internet-Anbieter gilt, von August bis Oktober kräftig gestiegene Kosten verdauen. Außerdem bekam Copart auch die Auswirkungen von Hurrikane „Ian“ in Florida zu spüren. Folglich kam es im Quartal zu einem Gewinnrückgang von 6 %, was letztlich auch die Nettomarge von 32 % auf nur noch 28 % drückte. Investoren stufen das Q1-Zahlenwerk aber dennoch als positiv ein und waren gestern mehrheitlich auf der Käuferseite. Vor allem auch weil sich die Zusatzkosten für den Online-Autohändler durch Hurrikane „Ian“ in den letzten 3 Monaten auf überschaubare 25 Mio. USD summierte.  

Im Schnitt werden derzeit bei Copart aber weiterhin täglich über die eigenen Internet-Auktionsplattformen rund 175.000 Fahrzeuge und Motorräder angeboten und verkauft. Dementsprechend verbuchte der US-Händler schon im Jahr 2021 eine auf 2,7 Mrd. USD gestiegene Umsatzgröße, was immerhin ein Rekordwert war. Dabei profitierte das Unternehmen in den zurückliegenden Quartalen auch von globalen Zulieferengpässen sowie dem Halbleitermangel, den die Autoindustrie beklagt. Beide Entwicklungen ließen letztlich die Preise für Neu- und Gebrauchtwagen durch die Decken gehen. Copart selbst ist mit seinem Geschäftsmodell über die Jahre beständig expandiert und seine Autos, Motorräder und Boote mittlerweile in 11 Ländern an. Die Aktie wurde in der Vergangenheit jedenfalls meist mit einem Premium-KGV von weit über 35 gehandelt. Aktuell liegt es aber mit 25 weit darunter, und dafür bekommt man mit Copart einen selbst in Krisenzeiten hochprofitablen und solide wachsenden Marktführer.

Der TraderFox High-Quality-Stocks USA-Index ist ein Aktien-Index, der mithilfe von Qualitätskriterien aus den 20 operativ erfolgreichsten US-Unternehmen gebildet wird.  Neben dem langfristigen Firmenerfolg und einer stabilen Geschäftsentwicklung müssen die Unternehmen sogenannte „Burggraben“- Eigenschaften aufweisen. Burggraben-Unternehmen zeichnen sich durch nur schwer angreifbare Geschäftsmodelle aus. Der Erfolg dieser Unternehmen zeigt sich in der Qualität verschiedener Kennzahlen, wie eine hohe und stabile Nettogewinnmarge, hohe Eigen- und Gesamtkapitalrenditen sowie stabiles Umsatz- und Gewinnwachstum.

Einer der Favoriten mit einer kräftigen Erholung war im TraderFox-Index in den letzten beiden Monaten die Aktie von Houlihan Lokey. Bedingt durch das schwache Umfeld gab sie gestern aber um 2,7 % auf 96,85 USD nach. Allerdings haben die Papiere der amerikanischen Investmentbank seit Januar rund 6 % an Wert verloren. Dies ist auch kaum nachvollziehbar, zumal die globalen Beratungsgeschäfte rund um Übernahmen und Kapitalmarkt-Dienstleistungen bis in den Sommer hinein Rekordumsätze brachten. Normalerweise sind diese auch keinerlei schwankenden Wirtschaftszyklen unterworfen. Bei Houlihan Lokey sind aber auch gelegentliche Zukäufe ein wichtiger Teil der weltweiten Expansionsstrategie innerhalb der Beratung- und Finanzindustrie. So wurde in dieser Woche von der Unternehmensführung auch erneut eine kleinere Übernahme verkündet. Das Investmenthaus hat dabei erklärt, die britische Consultingfirma Oakley Advisory, einen auf digitale Infrastruktur, Kommunikationsdienste und die Cloud-Branche spezialisierter Berater, erwerben zu wollen. Damit würde Houlihan Lokey seine bislang unterrepräsentierten Beratungsdienste im europäischen digitalen Infrastrukturbereich deutlich erweitern. Schließlich verfügt Oakley Advisory seit bereits 15 Jahren über einen breiten und gut vernetzten Kundenstamm, der bei Themen wie Mergers & Acquisitions, Börsengängen oder auch Kapitalbeschaffung, umfassend beraten wird.

Für die Amerikaner macht dieser erneute Zukauf auch durchweg Sinn, schließlich ist Houlihan Lokey inzwischen die globale Nr. 1 bei allen zuletzt weltweit durchgeführten M&A-Transaktionen. In den USA wurden in diesem Bereich sogar die Branchengrößen wie Goldman Sachs oder auch JPMorgan verdrängt. Das Management des Finanzdienstleister war jedenfalls zuletzt für das laufende Geschäftsjahr 2022/23 optimistisch, vor allem auch bei einem sich derzeit änderten Zinsumfeld. Die Aktie von Houlihan Lokey hat aber inzwischen eine KGV-Bewertung von 17 erreicht, und ist damit nicht mehr so stark unterbewertet wie noch im September.

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