articles-marktberichte-international
15
Von Liridona Preniqi
23. Mai 2022

Anhaltende Inflationssorgen belasteten am Freitag erneut die US-Börsen, zum Handelsende konnten sie sich aber kräftig erholen. In diesem Umfeld zog der TraderFox High-Quality-Stocks USA-Index sogar um 0,9 % auf 22.895 Punkte nach oben. Online-Autohändler Copart profitiert derzeit weiterhin von Lieferengpässen und bleibt mit 30 % Marge ertragsstark. Heizungsbauer AAON schließt Q1 bei Umsatz und Auftragseingang mit Rekordwerten von 182 Mio. bzw. 461 Mio. USD ab.

In den letzten Wochen war im TraderFox-Index die Aktie von Copart schwer unter Verkaufsdruck geraten. Am Donnerstag und Freitag zeigte sie sich aber angesichts starker Geschäftszahlen mit über 1 % im Plus bei 112,10 USD. Denn das Wachstum des Online-Gebrauchtwagenhändlers, der mit Ankauf, Reparatur und dem Weiterverkauf von gebrauten Fahrzeugen und Unfallwagen über Internet-Auktionsplattformen weltweit sein Geld verdient, ist ungebrochen. Wie das Unternehmen am letzten Donnerstag vermeldete, kletterte der Umsatz im 3. Quartal, das Ende April endete, um dynamische 28 % auf 939 Mio. USD. Bei Copart läuft es dabei vor allem in der Service-Sparte weiterhin gut, die bei dem Unternehmen immerhin 81 % der Gesamterlöse ausmacht. In den letzten 3 Monaten wurde hier ein Umsatzanstieg von 623 Mio. USD im Vorjahr auf nunmehr 766 Mio. USD erzielt, während der Online-Absatz von Fahrzeugen von 110 Mio. und 174 Mio. USD anzog. Ein Großteil der positiven Entwicklung war dabei auf die gestiegenen Gebrauchtwagenpreise und den teils üppigen Preisanstiegen bei Ersatzteilen zurückzuführen. Copart, zu dessen Abnehmern neben Autohändlern und Reparaturwerkstätten auch Exportunternehmen und private Käufer gehören, profitierte im letzten Quartal damit weiterhin von den globalen Zulieferengpässen sowie dem Halbleitermangel. Denn beides ließ die weltweiten Preise für Neu- und Gebrauchtwagen erneut durch die Decken gehen.

Der anhaltende Absatzboom des Gebrauchtwagenhändlers wurde aber zugleich von stark steigenden Kosten belastet. So musste der US-Marktführer in Q3 auch einen um 39 % höheren operativen Kostenblock von 567 Mio. USD verdauen, der hauptsächlich durch gestiegene Logistik- und Verwaltungsausgaben entstanden ist. Dennoch war Copart mit seinem auf inzwischen über 750.000 Mitglieder gestiegenem Kundenkreis zuletzt mit einer Gewinnmarge von 30 % in mehr als 170 Ländern weiter hochprofitabel und verfügte Ende April über einen Cash-Bestand von 1,45 Mrd. USD. Und trotz Schuldenfreiheit und hohen Renditen wurde die Aktie von Copart an der Börse in den letzten Monaten kräftig abverkauft, was den Premiumaufschlag mittlerweile deutlich reduziert hat. Denn der Autohändler, der neben Gebrauchtwagen und SUVs auch LKWs, Motorräder und Boote verkauft, wurde in der Vergangenheit bewertungstechnisch meist mit einem KGV von weit über 35 gehandelt. Inzwischen liegt es aber nur noch bei 23, und dafür erwirbt man mit Copart zudem noch ein echtes Qualitätsunternehmen.

Der TraderFox High-Quality-Stocks USA-Index ist ein Aktien-Index, der mithilfe von Qualitätskriterien aus den 20 operativ erfolgreichsten US-Unternehmen gebildet wird.  Neben dem langfristigen Firmenerfolg und einer stabilen Geschäftsentwicklung müssen die Unternehmen sogenannte „Burggraben“- Eigenschaften aufweisen. Burggraben-Unternehmen zeichnen sich durch nur schwer angreifbare Geschäftsmodelle aus. Der Erfolg dieser Unternehmen zeigt sich in der Qualität verschiedener Kennzahlen, wie eine hohe und stabile Nettogewinnmarge, hohe Eigen- und Gesamtkapitalrenditen sowie stabiles Umsatz- und Gewinnwachstum.

Einer der Favoriten im TraderFox-Index war am Freitag mit einem Plus von 2,7 % auf 51,60 USD auch die Aktie von AAON. Allerdings hat das Papier seit dem Dezember-Hoch im Bereich von 85,00 USD fast 35 % nachgegeben. Dies ist umso erstaunlicher, profitiert doch das amerikanische Unternehmen, das hauptsächlich Dienstleistungen rund um Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagenbau anbietet, nicht nur von dem durch die Pandemie ausgelösten “Work-from-home“-Trend. Auch die bis zuletzt steigende Immobilien- und Hypothekennachfrage aufgrund niedriger US-Zinsen und zahlreiche Wirtschaftshilfen der Regierung kommen AAON zugute. Denn als Heizungs- und Klimaanlageninstallateur verdient das Unternehmen vor allem von der zunehmenden Service-Nachfrage seitens privater Haus- und Wohnungsbesitzer weiterhin gutes Geld. Nicht ohne Grund zogen die Umsätze diesbezüglich allein in den ersten 3 Monaten des Jahres (Q1) um fast 58 % auf einen Rekordwert von 182 Mio. USD an. Unterstützt wurde das Geschäft dabei neben Preiserhöhungen auch von der im Dezember getätigten Übernahme des US-Lüftungsanlagenbauers BasX Solutions, der sich vor allem auf stromintensive Datencenter spezialisiert hat. Gut 18 % konnte die neue Tochter im jüngsten Quartal zum Umsatzplus von AAON beisteuern. Da das Unternehmen mit seinen Produkten in den USA auch Industrie- und Bürogebäude ausstattet und alte Systeme zum Teil auch erneuert werden, winken dem Heizungs- und Lüftungsbauer hier auf mehrere Jahre hinaus hohe und beständige Ertragszuwächse.

Der Vorstand verwies jüngst auch auf den rekordhohen Ordereingang, der sich per Ende März gegenüber dem Vorquartal um 77 % auf rund 461 Mio. USD dynamisch erhöht hatte. Dank dieser Ausgangslage dürften die derzeit heftigen inflationären Belastungen gut abgefedert werden, immerhin erwartet das Management für 2022 zudem bei AAON auch eine verbesserte Gewinn- und Margenentwicklung. Nach den Rekorderlösen von 2020 und 2021 preisen Investoren dies bei der Aktie des schuldenfreien Unternehmens derzeit aber noch nicht ein. Immerhin erwarten Analysten für die kommenden 5 Jahre sogar Gewinnzuwächse von durchschnittlich über 12 %. Die Nettomarge lag zuletzt schon mal bei robusten 10 %. Und das aktuelle KGV von 22 hat sich durch die Abwertung im Zuge steigender US-Zinsen gegenüber dem Vorjahr bei AAON inzwischen fast halbiert.

 

Teilen