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Von Christina Rothfuß
18. Januar 2023

Nach dem feiertagsbedingt langen Wochenende haben die US-Aktienindizes am Dienstag teils deutlicher nachgegeben. Der TraderFox High-Quality-Stocks USA-Index lag aber nur mit 0,3 % im Minus bei 25.911 Punkten. Church & Dwight-Aktie wird von zwei Kaufempfehlungen beflügelt, die sich auf das herausfordernde, aber nun abgeschlossene Geschäftsjahr 2022 beziehen. LKW-Logistiker Old Dominion profitiert von weiter nachgefragten Fracht- und Transportdiensten, die den 9-Monats-Umsatz erneut um 14 % steigen ließen.

 

Kräftige Zugewinne von fast 4 % auf 84,70 USD verzeichnete am Dienstag im TraderFox-Index die Aktie von Church & Dwight. Unterstützung bekamen die Titel des US-Konsumgüterherstellers dabei gestern von zwei Hochstufungen durch Analysten. So änderte die US-Investmentbank Morgan Stanley ihre Einschätzung für die Papiere auf “Outperform” und hob zugleich das Kursziel von 82,00 USD auf 91,00 USD. Die Schweizer Großbank Credit Suisse erhöhte ebenfalls ihre Bewertung von ”Neutral" auf "Outperform" und sieht das Potenzial bei den Church & Dwight-Anteilsscheinen nunmehr 10,00 USD höher bei 95,00 USD. Beide Analystenteams sehen bei der Aktie einen attraktiven Einstiegspunkt, nachdem das herausfordernde Jahr 2022 unternehmensseitig abgeschlossen worden sei. Nach dem rund 20%igen Kursverlust im letzten Jahr sieht Church & Dwight inzwischen auch Licht am Ende des operativen Tunnels. Denn in den letzten 12 Monaten musste der Hersteller von margenstarkem und bekanntem Haushalts- und Hygieneartikel neben der hohen Inflation und steigenden Zinsen, nach Preiserhöhungsrunden, auch eine unerwartete Kundenabwanderung verkraften. Eigentlich gilt Church & Dwight gerade in schwierigen Zeiten aufgrund weltweit verkaufter Qualitätsprodukte, “Preisfestsetzungsmacht“ und Dividendenkontinuität als defensiver Wert. Doch das 2022er-Konsumgütergeschäft war diesmal anders als gewohnt verlaufen. Mit insgesamt 14 Portfolio-Marken, wie “Oxi Clean“ oder auch “Arm & Hammer“, verdienen die Amerikaner derzeit bis zu 80 % der globalen Verkaufserlöse. Und diese waren bei Church & Dwight erst Ende September dank der über das gesamte Sortiment durchgesetzten Preisanhebungen von bis zu 8 % auf 5,31 Mrd. USD gestiegen und erzielten damit sogar einen beachtlichen Rekordwert.

Dem Qualitätsunternehmen machten aber in 2022 die teilweise auf günstigere Produkte wechselnden und eigentlich treuen Kunden sowie die gestiegenen US-Zinsen und damit die höheren Finanzierungskosten zu schaffen. Da der Konsumgüterproduzent nicht ganz schuldenfrei arbeitet, lohnt sich ein Blick in die Bilanz. Aber noch ist das “Debt-to-Equity”-Verhältnis bei Church & Dwight mit 0,7 unter der kritischen Marke von 1. Sollten die Zinsen in den USA in diesem Jahr aber weiter auf sogar über 5 % steigen, dann dürfte die Aktie mit ihren aktuellen Premium-KGV von 27 womöglich wieder unter Druck geraten. Vor allem, weil die anziehenden Kapitalkosten auf die künftigen Gewinnmargen drücken dürften. Aktuell verdient das Unternehmen mit seinem Markengeschäft, zu dem auch trendige Gesundheitsprodukte wie Vitamine, Mundwasser und Katzenstreu gehören, noch sehr gut. Die von Church & Dwight jüngst erwirtschaftete Nettomarge von 14 % ist nach wie vor stark. Auch die Eigenkapitalrendite liegt im Branchevergleich mit 21 % ungewöhnlich hoch. Zudem gilt der Konsumgüteranbieter ungeachtet seiner eher als „langweilig“ geltenden Kernmarken auch als hochinnovativ. Und gerade mit innovativen und neuen Produkten dürften die Käufer wieder zurückkehren.

Der TraderFox High-Quality-Stocks USA-Index ist ein Aktien-Index, der mithilfe von Qualitätskriterien aus den 20 operativ erfolgreichsten US-Unternehmen gebildet wird.  Neben dem langfristigen Firmenerfolg und einer stabilen Geschäftsentwicklung müssen die Unternehmen sogenannte „Burggraben“- Eigenschaften aufweisen. Burggraben-Unternehmen zeichnen sich durch nur schwer angreifbare Geschäftsmodelle aus. Der Erfolg dieser Unternehmen zeigt sich in der Qualität verschiedener Kennzahlen, wie eine hohe und stabile Nettogewinnmarge, hohe Eigen- und Gesamtkapitalrenditen sowie stabiles Umsatz- und Gewinnwachstum.

Am Dienstag notierte im TraderFox-Index die Aktie von Old Dominion Freight Line trotz kleinem Minus bei 314,60 USD auf Jahreshoch. Der vor allem in den USA und Kanada agierende Logistiker, hat sich mit seinen Dienstleistungen über die letzten Jahrzehnte auf kleinere Transportgrößen, sogenannte “Less-Than-Truckload“-Mengen, spezialisiert. Mit diesen regionalen und überregionalen Services, zu dem auch Lagerverwaltung sowie Lieferketten-Consulting gehören, profitiert das Unternehmen letztlich auch vom anhaltenden E-Commerce-Boom. Old Dominion bietet hierfür auch Express-basierte Transport- und Warenlieferungen, die am nächsten Tag oder innerhalb von 2 Tagen gewünscht sind. Und dank der weiterhin starken US-Wirtschaft und den damit nachgefragten Frachtdiensten wurden innerhalb der letzten 5 Jahre sogar durchschnittliche Wachstumsraten von 12 % erzielt. Die Logistikangebote von Old Dominion werden dabei in erster Linie von kleineren und mittelgroßen Firmenkunden, aber auch von amerikanischen Einzelhandelsketten wie Walmat und Target in Anspruch genommen. Hierbei generieren die Gewerbekunden meist nicht genügend mit ihren Waren- oder Produktumsätzen, um einen ganzen LKW zu befüllen. Zuletzt lag der Umsatzanteil mit US-Einzelhändlern bei 25 bis 30 %, während das Unternehmen mit Industriekunden rund 60 % der Gesamterlöse erwirtschaftete.

Im US-Transportbereich steht Old Dominion aber mit zahlreichen Wettbewerbern in Konkurrenz, hierzu zählen unter anderem Betreiber von großen LKWs, Luftfracht-Anbieter wie Amazon oder auch Eisenbahngesellschaften. Dennoch brummt das Logistikgeschäft des Unternehmens. In den letzten 3 Monaten wurde ein Umsatzplus von 14 % verbucht, während die beförderten Lkw-Ladungen pro Tag erneut etwas zurückgingen. Folglich konnte Old Dominion im Dezember seine Fracht- und Logistikraten abermals anheben. Allerdings dürften die Zuwachsraten aus dem Boomjahr 2021 von über 30 % sich nicht so leicht wiederholen lassen. Zumal die Transortgeschäfte von gestiegenen Benzinpreisen und Löhnen, sowie der weiterhin hohen Inflation ausgebremst werden. In den letzten 9 Monaten kletterten die operativen Kosten des Unternehmens jedenfalls um gut 18 %. Dennoch kaufte das Management von Old Dominion in dieser Zeit eigene Aktie für rund 1,1 Mrd. USD zurück und schüttete 110 Mio. USD an Dividenden aus. Aber trotz guter Aussichten werden die Papiere inzwischen mit einem KGV von 27 bewertet, und sind damit aktuell nicht mehr so günstig, wie noch im Oktober.

 

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