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Von Christina Rothfuß
06. Oktober 2022

Die jüngste Erholungsrallye gerät am Donnerstag beim TraderFox High-Quality-Stocks Europe-Index kurz vor den morgigen US-Arbeitsmarktdaten wieder ins Stocken. Folglich liegt er am Nachmittag unverändert bei 119,30 Punkten. Wolters Kluwer übernimmt Wissenschaftsverlag IJS Publishing und stärkt damit die eigene “Health Learning, Research & Practice“-Sparte. Gastransport-Dienstleister Gaztransport & Technigaz verdient derzeit an der hohen Nachfrage nach LNG-Verschiffung, und dürfte bis 2030 jährlich um über 3 % wachsen.

 

In dem wieder schwächeren Marktumfeld präsentiert sich am Donnerstag im Qualitäts-Index die Wolters Kluwer-Aktie kaum verändert bei 104,40 Euro, und notiert damit fast auf Jahreshoch. Die derzeit starke Performance ist nicht ungewöhnlich, schließlich hatte der niederländische Informations- und Datendienstleister bereits im Sommer für das Gesamtjahr erneut Rekorderlöse in Aussicht gestellt. Und die Geschäfte von Wolters Kluwer sind keinen zyklischen Konjunkturschwankungen ausgesetzt, vor allem auch weil staatliche Behörden, Steuerbüros und Rechtanwälte potenzielle Lizenznehmer und Softwareabonnenten sind. Zudem setzt das Management auch weiterhin auf gezielte Zukäufe. Erst in der letzten Woche wurde der britische Wissenschaftsverlag IJS Publishing gekauft, der mit seinen Veröffentlichungen vor allem im medizinischen Verlagsbereich aktiv ist. Mit dem Erwerb stärkt Wolters Kluwer seine eigene Health Learning, Research & Practice-Sparte, die weltweit rund 300 Fachzeitschriften und über 100 Bücher für Mediziner und Krankenschwestern jährlich veröffentlicht. Im Jahr 2021 kam die IJS Publishing Gruppe auf eine Umsatzgröße von 2 Mio. USD, und soll in den kommenden 3 bis 5 Jahren eine Eigenkapitalrendite im Bereich von 8 % erzielen. Zuletzt hatten die Holländer bereits in Spanien den Marktführer unter den Software-Anbietern für Anwaltskanzleien, Level Program, übernommen, was die Expansion des Unternehmens gerade in Europa vorantreiben soll.

Wolters Kluwer bietet aber neben professionellen Softwareprodukten und Informations-Diensten auch Lehrbücher, Nachschlagewerke und Online-Analysedaten. Damit unterstützt die Unternehmensgruppe letztlich unter anderem Finanzabteilungen und -unternehmen, ihren Verpflichtungen gegenüber externen Regulierungsbehörden zu erfüllen. Im Bereich Steuern und Buchhaltung werden die Software-Dienste zudem für zahlreiche Produktivitätsprozesse eingesetzt. Und die robusten Geschäftsfelder sorgten bei Wolters Kluwer schon in 2021 für beachtliche Wachstumszahlen, die mit einem Erlösanstieg um 6 % auf 4,77 Mrd. Euro solide ausfielen. In diesem Jahr soll es sogar weitere Zuwächse von 4 bis 5 % auf ein neues Rekordniveau geben. Zudem dürfte es trotz zahlreicher Herausforderungen auch mit der operativen Marge leicht auf 26 % nach oben gehen. Die Aktie von Wolters Kluwer ist aber mit einem KGV von 25 aktuell nicht mehr günstig zu haben.

Der TraderFox High-Quality-Stocks Europe ist ein europäischer Index, der in sogenannte Burggraben-Unternehmen investiert. Diese Gesellschaften zeichnen sich durch hohe Markteintrittsbarrieren oder Wettbewerbsvorteile aus. Das kann eine starke Marke, ein hervorragendes Kostenmanagement oder Unternehmensgröße sein, die potenzielle Wettbewerber daran hindert, einen lukrativen Markt zu betreten. Europäische Unternehmen dieses Typs zeichnen sich durch gute operative Kennzahlen aus, wozu etwa hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie eine hohe Umsatz- und Gewinnstabilität gehören. Damit sind die zukünftigen Gewinn- und Zahlungsreihen relativ sicher und gut prognostizierbar.

Nach dem zuletzt schwächeren Kursverlauf verbucht im Qualitäts-Index am Donnerstag die Aktie von Gaztransport & Technigaz leichte Zugewinne auf 115,40 Euro. Dabei spiegeln die Papiere des französischen Energie- und Gastransportdienstleisters die zuletzt weltweit enorm gestiegene Nachfrage nach verflüssigtem Erdgas (LNG) sehr gut wider. Schließlich gilt das Unternehmen als global führend bei der Entwicklung von kryogenen Membransystem-Technologien für den Schiffstransport sowie die Lagerung von verflüssigtem Erdgas. Eine Flüssigkeit wird insbesondere dann als "kryogen" bezeichnet, wenn sie unter ihren üblichen Siedepunkt bis auf -90 °C gekühlt wird. Mit diesen LNG-Technologien- und den entsprechenden Dienstleistungen hat sich Gaztransport & Technigaz dabei in den letzten Jahren einen Weltmarktanteil von 70 % aufgebaut. Die wichtigsten Kunden des Unternehmens sitzen diesbezüglich in China und Südkorea. Und allein 2021 kamen 87 % des Gesamtumsatzes über den Bau von LNG-Tankern herein, gefolgt von schwimmenden Einheiten für die Produktion, Lagerung und Entladung von verflüssigtem Erdgas mit 5 %. Mit Engineering- und Beratungsdiensten wurden 5,5 % der zuletzt erzielten 314 Mio. Euro an Jahreserlösen verdient. Zwar besetzt Gaztransport & Technigaz mit seinem LNG-Technologiegeschäft eine markante Nische, allerdings ist es auch nicht ohne Risiken. 

Von 2006 bis 2020 ist jedenfalls der Umsatz um im Schnitt 7 % gewachsen, und das Energieunternehmen kam zuletzt auf eine außergewöhnlich hohe Gewinnmarge von über 40 %. Doch die Transport-Dienstleistungen rund um verflüssigtes Erdgas sind dennoch hochzyklisch, und dürften von einem schweren Wirtschaftsabschwung stärker betroffen sein. Die Franzosen sind aber inzwischen auch ins derzeit boomende Wasserstoff-Geschäft eingestiegen, was natürlich künftig noch höhere Einnahmen verspricht. 2021 kam Gaztransport & Technigaz mit dieser kleinen Sparte nur auf einen Umsatzanteil von etwas über 1,5 %, was genügend Raum nach oben lässt. Der gruppenweite Umsatz soll bei dem Unternehmen aber laut Analysten von 2020 bis 2030 jährlich um gut 3,3 % steigen, mit der Aktie ist man jedenfalls langfristig aktiv dabei.

 

 

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