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Von Christina Rothfuß
14. Juli 2022

Der TraderFox High-Quality-Stocks Europe-Index ist nach den gestrigen US-Inflationsdaten am Donnerstag erneut ins Minus gerutscht. Dementsprechend gibt der Index bis zum Nachmittag gut 1,0 % auf 120,25 Punkte nach. Pharmahersteller Roche setzt nach jüngsten Rückschlägen auf Alzheimermittel “Gantenerumab“ und bleibt dennoch hochprofitabel und mit 2,4 % ein Dividendengarant. Private-Equity-Verwalter Partners Group beteiligt sich am US-Energiedienstleister Budderfly und stellt 500 Mio. USD als Wachstumskapital bereit.

 

Im heute wieder schwächeren Marktumfeld notiert im Qualitäts-Index die Aktie von Roche mit minimalen Abgaben bei aktuell 387,80 Euro. Normalerweise steht der Schweizer Pharmahersteller im Ruf, über ausgesprochen defensive Qualitäten zu verfügen. Das Portefeuille des Unternehmens, das sich vor allem auf Krebs-, Herz-Kreislauf- und Stoffwechsel- sowie Viruserkrankungen fokussiert, ist allerdings auch nicht mehr das jüngste. Zuletzt hatte auch noch ein potenzieller neuer Wirkstoff bei der Behandlung von Lungenkrebs abermals enttäuscht. Roche musste Ende März dabei mitteilen, dass die Arznei Tiragolumab in der Bekämpfung des besonders aggressiven kleinzelligen Lungenkrebses zusammen mit dem bestehenden Krebsmittel Tecentriq und einer Chemotherapie nicht besser abschnitt als Tecentriq im Verbund mit einer Chemotherapie. Damit war dem Pharma- und Diagnostik-Spezialisten dasselbe beim deutlich häufigeren nicht-kleinzelligen Lungenkrebs widerfahren, bei dem der Cocktail aus Tiragolumab, Tecentriq und Chemotherapie bei der Behandlung fortgeschrittener Krankheitsverläufe in einer Phase-3-Studie keine Überlegenheit zeigte. Viele Marktbeobachter hatten von Roche angesichts vielversprechender Daten aus der vorangegangenen Phase-2-Studie beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs jedoch mehr erwartet. Der abermalige Misserfolg trifft die Schweizer zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Denn der Pharmaproduzent ist trotz des Rekordjahres 2021, mit 65,85 Mrd. CHF an Gesamtumsätzen, darauf angewiesen, sein Angebot an Medikamenten zügig zu erneuern.

Weltweit bekommt Roche dabei immer stärker den Druck der Generika- und Biosimilar-Konkurrenz zu spüren. Und die Wettbewerber holen offenbar schneller auf als erwartet. Dadurch gehen dem Unternehmen nach Patentabläufen die Erlöse von umsatzstarken Produkten und damit einstigen Wachstumstreibern teils deutlich zurück. Umso mehr Druck lastet nun auf dem neuen Wirkstoff-Kandidaten Gantenerumab, der die Behandlung von Alzheimer revolutionieren soll. Doch ob die Forschungsdaten, die im 4. Quartal dazu erwartet werden, überzeugen werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch völlig offen. Anleger können sich bei Roche aber weiterhin auf die anhaltend starke Profitabilität und Dividendenstärke verlassen, vor allem auch weil die Produkte des Unternehmens in rund 100 Ländern vermarktet werden. Im Geschäftsjahr 2021 flossen auch erneut über 10,0 Mrd. CHF in die Forschungs- und Entwicklungsabteilung.  Zuletzt lag jedenfalls die Gewinnmarge des Gesundheits-Dienstleisters bei robusten 21 %, und Investoren freuen sich zudem über 2,4 % Dividende.

Der TraderFox High-Quality-Stocks Europe ist ein europäischer Index, der in sogenannte Burggraben-Unternehmen investiert. Diese Gesellschaften zeichnen sich durch hohe Markteintrittsbarrieren oder Wettbewerbsvorteile aus. Das kann eine starke Marke, ein hervorragendes Kostenmanagement oder Unternehmensgröße sein, die potenzielle Wettbewerber daran hindert, einen lukrativen Markt zu betreten. Europäische Unternehmen dieses Typs zeichnen sich durch gute operative Kennzahlen aus, wozu etwa hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie eine hohe Umsatz- und Gewinnstabilität gehören. Damit sind die zukünftigen Gewinn- und Zahlungsreihen relativ sicher und gut prognostizierbar.

Leichte Kursverluste muss am Donnerstag im Qualitäts-Index auch die Aktie von Partners Group auf aktuell 874,00 Euro hinnehmen. Seit Jahresbeginn haben die Papiere der Private-Equity-Beteiligungsgesellschaft allerdings über 30 % nachgegeben. Vor allem die weltweit steigenden Kapitalmarktzinsen machen dem Unternehmen zu schaffen, da institutionelle Großanleger vermehrt sichere Alternativen im weniger risikobelasteten Anleihebereich finden. Da Partners Group aber seit Jahrzehnten schon strategisch ausgezeichnet positioniert ist, dürften dem Vermögensverwalter künftig auch bei höheren Zinsen milliardenschwere Anlagegelder zufließen. Zudem findet das Management derzeit auch weiterhin zahlreiche Beteiligungsmöglichkeiten. So wurde in dieser Woche der Einstieg bei dem US-Energiedienstleister Budderfly bekannt gegeben. Es handle sich um den am schnellsten wachsenden Energy-as-a-Service-Anbieter in den USA, teilte die Investmentgesellschaft hierzu am Montag mit. Darüber hinaus werde Partners Group mehr als 500 Mio. USD als Wachstumskapital bereitstellen. Diese Investitionen sollen in erster Linie in den Ausbau des Kundenstamms und das Lösungsangebot von Budderfly zu einer milliardenschweren Infrastruktur-Plattform fließen. Im Gegenzug dazu will das Management-Team von Budderfly auch in Partners Group investieren.

Dabei gilt Energy-as-a-Service (EaaS) als ein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell, bei dem Kunden für eine Energiedienstleistung zahlen, ohne im Vorfeld eine Kapitalinvestition tätigen zu müssen. Budderfly schließt diesbezüglich langfristige Verträge mit seinen Kunden ab und erhält einen Anteil an den Einsparungen, die dank der Service-Dienste des Unternehmens erzielt wurden. Partners Group indes konnte schon im letzten Jahr weltweit die Rekordsumme von 32 Mrd. USD in Firmen und Kapitalanlagen investieren. Was verglichen mit dem Betrag von 10 Mrd. in 2020 und 17 Mrd. im Vor-Corona-Jahr 2019 eine enorme Steigerung war. Und auch die vor allem für Pensionskassen verwalteten Vermögen lagen bei dem Private-Equity-Investor mit 127 Mrd. USD Ende Dezember ebenfalls gut 17 % höher. Eigentlich plant das Partners Group-Management hier im Durchschnitt nur mit einem jährlichen Wachstum von 10 %.

 

 

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