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Von Christina Rothfuß
04. Dezember 2023

Nach dem jüngsten Rekordlauf der US-Börsen gibt der TraderFox High-Quality-Stocks Europe-Index am Montag erst mal wieder leicht auf 120,88 Punkte nach. Rio Tinto profitiert als Eisenerz- und Kupferförderer von steigendem Bedarf an Metallen für die Beschleunigung der globalen Energiewende oder auch dem Trend zur E-Mobilität. Pharmaproduzent Roche steht im F&E-Bereich mit insgesamt 98 Wirkstoffprojekten in der klinischen Entwicklungsphase im weltweiten Branchenvergleich an zweiter Stelle.

 

Eine starke Kursbewegung verbunden mit einem Monatshoch konnte im Qualitäts-Index am Freitag die Aktie von Rio Tinto hinlegen. Am Montag gibt sie allerdings erst mal wieder um 1,7 % auf aktuell 64,25 Euro ab. Dabei waren die letzten Monate enttäuschend für die Aktionäre der britisch-australischen Bergbaugesellschaft verlaufen. Die Gründe dafür sind in der weltweit wirtschaftlichen Lethargie sowie dem Konjunkturrückgang in China finden. Zudem belastete der steigende US-Dollar das Geschäft von Rio Tinto. Da die Preise für Rohstoffmetalle wie Eisen und Kupfer in erster Linie in Dollar angegeben werden, drückt die Stärke der US-Währung die Metallpreise nach unten und schmälert so die Rentabilität des Abbaus. Die Aussichten für Industriemetalle sind jedoch recht gut, sodass das jüngst tiefe Kursniveau bei den Anteilscheinen eine hervorragende Kaufgelegenheit gewesen sein dürfte. Vor allem, weil Rio Tinto hauptsächlich ein Eisenerz- und Kupferförderer ist. Und das von dem Unternehmen in Australien geförderte Eisenerzmineral wird unter anderem für die Stahlherstellung von China importiert. Generell ist der Rohstoff “Eisenerz“ damit zwar auch konjunkturabhängig, die Börsenkurse des Vorprodukts reagieren aber nicht ganz so stark wie die Kupferpreise. Aktuell notiert der Kurs von Rio Tinto zwar noch weit unter dem Höchststand vom Januar. Die Eisenerzpreise haben sich dagegen von ihrem Tiefstand zur Jahresmitte inzwischen erholt, und nähern sich in Erwartung weiterer Preissteigerungen sogar dem Jahreshöchststand. Für Rio Tinto's Rohstoffgeschäft sind dies natürlich extrem gute Nachrichten, denn die Erholung deutet darauf hin, dass sich Angebot und Nachfrage endlich stabilisiert haben.

Die Analysten der US-Investmentbank JPMorgan Chase gehen sogar davon aus, dass die Eisenerzpreise bis 2025 um die 110,0 USD pro Tonne liegen werden. In den letzten Jahren waren die Kurse von Eisenerz dank des chinesischen Immobilienbaubooms zwar meist höher. Wilde Preisschwankungen haben es Rio Tinto als Bergbauunternehmen aber in der Vergangenheit schwer gemacht, Kapital für neue Projekte zu binden oder langfristige Vereinbarungen mit Kunden abzuschließen. Diese Volatilität war auch der Hauptgrund dafür, dass der Minenbetreiber seine Gewinnschätzungen für das 1. Halbjahr verfehlt hat. Der Bedarf an dem von Rio Tinto gefördertem Eisenerz und Kupfer wird jedenfalls nicht verschwinden. Vielmehr wird die Abkehr von fossilen Brennstoffen hin zu umweltfreundlicherer Energie eine Infrastruktur erfordern, die weitgehend aus Eisen und Stahl besteht. Zudem dürfte der immer höhere Kupferbedarf durch E-Mobilität und globaler Energiewende der Bergbaugruppe auch künftig in die Karten spielen. Rio Tinto ist darüber hinaus noch immer ein Dividendengarant. Zwar ist die aktuelle Kapitalrendite von über 6,0 % beeindruckend, jedoch ändert sich die tatsächliche Ausschüttung quartalsweise in Verbindung mit den Veränderungen des Gewinns. Sollten aber Angebots- und Nachfragepreise für Eisenerz in der Zukunft etwas stabiler sein als in der Vergangenheit, dann dürfte Rio Tinto auch weiterhin generierte Barmittel ausschütten.

Der TraderFox High-Quality-Stocks Europe ist ein europäischer Index, der in sogenannte Burggraben-Unternehmen investiert. Diese Gesellschaften zeichnen sich durch hohe Markteintrittsbarrieren oder Wettbewerbsvorteile aus. Das kann eine starke Marke, ein hervorragendes Kostenmanagement oder Unternehmensgröße sein, die potenzielle Wettbewerber daran hindert, einen lukrativen Markt zu betreten. Europäische Unternehmen dieses Typs zeichnen sich durch gute operative Kennzahlen aus, wozu etwa hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie eine hohe Umsatz- und Gewinnstabilität gehören. Damit sind die zukünftigen Gewinn- und Zahlungsreihen relativ sicher und gut prognostizierbar.

Nur knapp über ihrem Jahrestief befindet sich im Qualitäts-Index dagegen gegenwärtig die Aktie von Roche. Heute notiert sie aber mit 2,5 % im Plus bei 273,70 Euro. Dabei müssten die Anteilscheine des Pharmaproduzenten eigentlich höher stehen, zumal das Management das Unternehmen nach Ende des Covid-Booms auf Kurs sieht. Was Roche aber derzeit zu schaffen macht, sind die zunehmenden Umsatzeinbußen durch weltweite Generika-Konkurrenz. Die bis 2026 erwarteten Einbußen sollen diesbezüglich aber durch neue Arzneien mehr als ausgeglichen werden. Derzeit hat der Medikamentenhersteller und Diagnostikspezialist insgesamt 11 Wirkstoffe in der spätklinischen Entwicklung. Vor Investoren in London erklärte Roche zuletzt zudem, dass sich aktuell auch noch 36 Projekte in der Phase 2 und 51 in der Phase 1 befinden würden. Mit insgesamt 98 Projekten in der klinischen Entwicklungsphase sieht sich die Unternehmensführung in der Branche in diesem Bereich damit sogar weltweit an zweiter Stelle. Der im Zeitraum 2022 bis 2026 durch Konkurrenz für wichtige Medikamente zu erwartende Umsatzausfall dürfte laut Roche damit letztlich übertroffen werden. Schließlich erwartet der Schweizer Pharmaanbieter für diese Zeit nur ein Umsatzminus von 7,7 Mrd. CHF (8,08 Mrd. Euro), während aber durch neue Arzneien zusätzliche Einnahmen von 16,1 Mrd. CHF generiert werden würden.



Allerdings hatte Roche in der jüngeren Vergangenheit eine Reihe von Fehlschlägen bei der Entwicklung neuer Therapien erlitten. Erst Ende 2022 musste das Unternehmen beispielsweise einräumen, dass das Alzheimer-Mittel Gantenerumab bei einer Phase-3-Studie nicht die erhoffte Wirksamkeit zeigte. Die Entwicklung hatte viele Jahre gedauert und Milliarden verschlungen. Zudem trauten Experten dem Wirkstoffkandidaten einen Umsatzwert von bis zu 10,0 Mrd. USD zu. Roche steht dabei wie viele Pharmahersteller unter Druck, zügig Ersatz für Blockbuster-Medikamente zu finden, deren Patentschutz abgelaufen ist oder demnächst ablaufen wird. So gingen die Einnahmen mit den einstigen Kassenschlagern Mabthera und Herceptin allein in den ersten 6 Monaten um je rund 300 Mio. CHF zurück. Dazu kommt, dass das Pharmageschäft die Umsatzeinbußen der durch Corona angetriebenen Diagnostiksparte bei Roche nur schwer kompensieren kann. In den ersten 9 Monaten gingen hier die Erlöse um 6,0 % auf 44,1 Mrd. CHF (47,0 Mrd. Euro) zurück, was Anleger gar nicht gut aufnahmen.

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