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Von Christina Rothfuß
05. Dezember 2022

Der TraderFox High-Quality-Stocks Europe-Index zeigt sich am Montag angesichts neuerlicher Zinssorgen zurückhaltend. Folglich notiert er am Nachmittag mit 0,6 % im Minus bei 128,70 Punkten. Private-Equity-Spezialist Partners Group übernimmt die Mehrheit an EdgeCore und will massiv in weitere Datenzentren innerhalb der USA investieren. Software-Entwickler Evolution treibt seine Expansion in Amerika voran, und erzielt in den ersten 9 Monaten einen Umsatzanstieg von 36 %.

 

Im heute durchwachsenen Marktumfeld notiert im Qualitäts-Index die Aktie von Partners Group mit leichten Abgaben bei gegenwärtig 915,00 Euro. Die Anteilsscheine des Vermögensverwalters konnten sich wie viele andere Titel in den letzten Wochen zwar etwas erholen. Dass sie seit Jahresbeginn aber rund 35 % eingebüßt haben, erklären Analysten aber nicht zuletzt mit den stark gestiegenen Zinsen. Letztere dämpfen einerseits den Renditedruck institutioneller Anleger, was die Nachfrage nach Risikokapitalanlagen wie Private Equity schmälert. Andererseits führen höhere Zinsen in dieser Anlagekategorie auch zu einer tieferen Bewertung. Beides wirkt sich bei Partners Group tendenziell bremsend auf das Anlagegeschäft aus. Dennoch investiert der Risikokapitalspezialist auch weiterhin Kundengelder im klassischen Private Equity-Stil. So vermeldeten die Schweizer vor kurzen den Anteilskauf in Höhe von 1,2 Mrd. USD an dem amerikanischen Datencenter-Betreiber EdgeCore Digital Infrastructure. Partners Group wird damit nicht nur größter Anteilseigner, sondern plant auch zusammen mit den Amerikanern massiv in weitere Datenzentren innerhalb der USA zu investieren. Wir glauben an das enorme globale Wachstum im Bereich Datencenter und sehen EdgeCore hierfür auch bestens am Markt positioniert, erklärte das Management des Private-Equity-Investors. Zu den wichtigsten Treibern dahinter sehen wir Cloud-Computing, Maschine-Learning, Künstliche Intelligenz sowie der laufende 5G-Mobilfunknetzausbau.

Dabei folgt Partners Group mit dem jüngsten Technologie-Investment zahlreichen anderen Investoren und Infrastruktur-bezogenen Beteiligungsfirmen, die den Wachstumstrend „Datencenter“ für ihr Asset-Portfolio längst erkannt haben. EdgeCore betreibt derzeit 6 größere Datenzentren in US-Bundesstaaten wie Phoenix und Arizona sowie am High-Tech-Standort „Silicon Valley“, das sich in Kalifornien befindet. Neben Partners Group haben sich an dem Datencenter-Betreiber aber in den letzten Jahren auch Singapore's Staatsfunds GIC mit 800 Mio. USD und der kanadische Pensionsfunds OPTrust beteiligt. Seit der Gründung in Jahr 2018 arbeitet EdgeCore letztlich mit den größten US-Technologienfirmen zusammen. Die Investmentsparte der Schweizer, über die in das amerikanische Unternehmen investiert wird, verfügt derzeit über rund 21 Mrd. USD an Anlagekapital. Aktuell verwaltet Partners Group aber rund 131 Mrd. USD, verteilt über Private Equity-, Immobilien-, und Infrastruktur-Beteiligungen sowie Kredit-Anlagen. Der Investmentpartner zahlreicher Pensionskassen bleibt zudem auch optimistisch, was die Zukunft der globalen Private-Equity-Märkte betrifft. Im ersten Halbjahr konnte mit dem Anlagegeschäft vom Management sogar erneut eine überragende Nettomarge von über 50 % ausgewiesen werden. Und prognosegemäß sollen Partners Group bis Ende 2022 von 22 bis 26 Mrd. CHF an neuen Kundengeldern zufließen. Langfristig aber will der Kapitalanlagespezialist im Schnitt um jährlich 10 % wachsen. Der künftigen Aktienkursentwicklung dürfte dies jedenfalls guttun.

Der TraderFox High-Quality-Stocks Europe ist ein europäischer Index, der in sogenannte Burggraben-Unternehmen investiert. Diese Gesellschaften zeichnen sich durch hohe Markteintrittsbarrieren oder Wettbewerbsvorteile aus. Das kann eine starke Marke, ein hervorragendes Kostenmanagement oder Unternehmensgröße sein, die potenzielle Wettbewerber daran hindert, einen lukrativen Markt zu betreten. Europäische Unternehmen dieses Typs zeichnen sich durch gute operative Kennzahlen aus, wozu etwa hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie eine hohe Umsatz- und Gewinnstabilität gehören. Damit sind die zukünftigen Gewinn- und Zahlungsreihen relativ sicher und gut prognostizierbar.

Ein Top-Performer war im Zuge der Markterholung in den vergangenen Monaten im Qualitäts-Index die Aktie von Evolution Gaming. Am Montag liegt sie auch wieder leicht im Plus bei aktuell 100,10 Euro. Dies ist auch nicht überraschend, laufen doch die Casino-Geschäfte und die weltweite Expansion des schwedischen Softwarespezialisten bestens. Die Nachfrage nach den digitalen Lösungen und entsprechenden Dienstleistungen rund um Live- und Online-Casinospiele ist jedenfalls auch nach den Pandemie-getriebenen Boomjahren 2020 und 2021 ungebrochen hoch. Evolution konnte seine Erlöse in den ersten 9 Monaten, bis Ende September, folglich auch um stattliche 36 % auf 1,04 Mrd. Euro steigern. Und das Management baut die Sparte rund um Live-Casinospiel-Studios in den USA auch dementsprechend weiter aus. Erst Mitte November wurde in den USA von dem Unternehmen das mittlerweile 5. Live-Streaming-Studio im US-Bundestaat New Jersey eröffnet. Bislang haben die Schweden für 4 amerikanische Bundesstaaten (New Jersey, Michigan, West Virginia und Connecticut) eine Genehmigung bezüglich ihrer Live-Casinospiel-Studios erhalten. Evolution adressiert mit der Neugründung jedenfalls vor allem US-Spieler sowie den nach wie vor stark wachsenden iGaming-Markt in Amerika. Angeboten werden dabei künftig neben einem Online-Fußball-Studio auch sämtliche bekannten Casino-Kartenspiele.

Das erste Live-Studio wurde von dem Unternehmen, das mit seinen Software-Anwendungen anteilige Gebühren durch die Nutzung der lizenzierten Live- und RNG-Software in den Casinos verdient, bereits 2018 in New Jersey gestartet. Dank des boomenden Online-Casino-Marktumfelds wurde es schließlich für Evolution ein großer Erfolg. Und das Jahr 2020 war angesichts explodierender Internet-Casino-Nutzerzahlen durch den Beginn der Pandemie mit einem Umsatzplus von 53 % auf 561 Mio. Euro ein Rekordjahr. Das Jahr danach war mit einem Erlösanstieg von 90 % für den Software-Entwickler noch einmal dynamisch verlaufen. Inzwischen werden von Evolution auch über 500 Gaming-orientierte Firmenkunden betreut, zu den unter anderem auch die US-Casinobetreiber MGM, Caesars Entertainment und Wynn gehören.

 

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