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Von Christina Rothfuß
14. November 2022

Nach der starken Vorwochenrally fehlen dem TraderFox High-Quality-Stocks Europe-Index am Montag zunächst neue Impulse. Am Nachmittag liegt der Index folglich unverändert bei 129,20 Punkten. Enzym-Hersteller Novozymes will 2022 um 8 bis 9 % dank innovativer Bakterien-Produkte wachsen, und beliefert weit über 30 verschiedene Industrien. Antikörper-Spezialist Genmab rechnet für dieses Jahr mit einem Umsatzplus von rund 30 %, die Aktie steht folglich auf Jahreshöchststand.

 

Mit einem leichten Kursanstieg auf aktuell 56,20 Euro präsentiert sich am Montag im Qualitäts-Index die Aktie von Novozymes. Die Papiere haben sich von ihren jüngsten Oktober-Tiefs auch bereits kräftig erholen können, was kein Wunder ist. Gilt doch die dänische Firma angesichts ihres "First Mover Advantage" und innovativer Produkte international führend bei der Entwicklung von industrieweit angewandten Enzymen und Mikroorganismen. Und Novozymes` Geschäft war in den ersten 9 Monaten auch wieder sehr robust gelaufen. Schließlich kletterten die globalen Erlöse trotz schwieriger Umstände um 9 %. Einer der Wachstumstreiber war diesbezüglich das auf Nachhaltigkeit ausgelegte Produktsortiment für die Nahrungsmittel- und Getränkebranche (+26 %) sowie die „Household Care“-Sparte mit 8 % Zuwachs. Außerdem legte Novozymes` Absatz rund um Bioenergie dank boomender US-Bioethanol-Produktion und weltweit hoher Biodiesel-Nachfrage deutlich um 11 % zu. Nach den starken 9-Monats-Ergebnissen steuern wir auf ein neuerliches Rekordjahr zu, betonte zuletzt der Vorstand. Demnach dürfte der Umsatz von Novozymes in diesem Jahr um rund 8 bis 9 % steigen, nach 14,95 Mrd. DKK (2,02 Mrd. Euro) im Jahr 2021. Und bis Ende 2030 wird inzwischen von den Dänen sogar eine Verdopplung der aktuellen Jahreserlöse anvisiert. Dabei verfügt der Spezialist für Bakterien und Mikroorganismen über zahlreiche und teils dynamisch wachsende Absatzmärkte. Bei den weit über 700 Produkten reicht das Angebotsspektrum bei Novozymes diesbezüglich von der Herstellung von Biokraftstoffen über die Produktion von Transfetten, die unter anderem beim Kochen Verwendung finden, bis hin zur Herstellung von technischen Enzymen für die Leder-, Textil- und Forstwirtschaft. Allein in den vergangenen 9 Monaten wurden insgesamt 13 neue Produkte eingeführt.

Zuletzt belieferte der Enzymproduzent auch verstärkt die Hersteller von Biopharmaprodukten, sowie Unternehmen, die sich auf Bioenergie und Abwasseraufbereitung spezialisiert haben. Alles in allem zählen mittlerweile weltweit schon über 30 Industrien zum Kundenkreis. Und das von Novozymes betriebene und innovative Geschäft mit Mikroorganismen und Bakterien ist, mit über 7.000 eigenen und lizensierten Patenten, obendrein auch sehr rentabel. Die Gewinnspanne lag 2021 bei gut 20 %, und auch die erzielte Eigenkapitalrendite konnte mit 26 % mehr als überzeugen. Zudem zeigt sich die Qualität des Unternehmens auch darin, inwieweit Preissteigerungen weitergegeben werden können. So konnte das Management die bei Novozymes von Januar bis September stark gestiegenen Kosten für Rohmaterialen, Energie und Logistik je nach Branche und Produkteigenheit größtenteils weiterreichen. Die Aktie ist allerdings mit einem bewertungstechnischen KGV (2023) von 34 weiterhin alles andere als günstig. Premiumqualität hat also weiterhin ihren Preis.

Der TraderFox High-Quality-Stocks Europe ist ein europäischer Index, der in sogenannte Burggraben-Unternehmen investiert. Diese Gesellschaften zeichnen sich durch hohe Markteintrittsbarrieren oder Wettbewerbsvorteile aus. Das kann eine starke Marke, ein hervorragendes Kostenmanagement oder Unternehmensgröße sein, die potenzielle Wettbewerber daran hindert, einen lukrativen Markt zu betreten. Europäische Unternehmen dieses Typs zeichnen sich durch gute operative Kennzahlen aus, wozu etwa hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie eine hohe Umsatz- und Gewinnstabilität gehören. Damit sind die zukünftigen Gewinn- und Zahlungsreihen relativ sicher und gut prognostizierbar.

Einen kräftigen Anstieg inklusive neuem Jahreshoch konnte in den letzten Wochen im Qualitäts-Index die Aktie von Genmab hinlegen. Am heutigen Montag liegt sie erneut mit 1,7 % im Plus bei 409,80 Euro. Die Papiere des dänischen Biotech-Unternehmens, die auch an der US-Börse gehandelt werden, liegen damit auf Jahressicht sogar gut 6 % vorn. Investoren kaufen sich hier jedenfalls in ein spannendes Geschäftsmodell mit Zukunft ein, was zudem auch weniger „Biotech-bedingte“ Risiken mit sich bringt. Genmab selbst hat sich vor allem auf die Forschung und Entwicklung von humanen Antikörpern für die Behandlung von lebensbedrohlichen Krankheiten spezialisiert. Bis heute wurden bereits zahlreiche Therapieprodukte, unter anderem gegen Krebs, rheumatoider Arthritis oder auch Schuppenflechte entweder allein oder mit Partnern auf den Markt gebracht. Und gerade die Kooperationsverträge mit großen Pharmaplayern wie AbbVie, Novartis oder auch Johnson & Johnson und Amgen verhalfen den Umsatz in den letzten 7 Jahren von 850 Mio. auf zuletzt 8,48 Mrd. DKK (1,14 Mrd. Euro) fast zu verzehnfachen. Genmab will im Jahr 2022 jedenfalls seine Erlöse nach einem Rücksetzer im Vorjahr wieder um rund 30 % steigern. Mit seinem auf Antikörpern-basierendem Produktportfolio und der vielversprechenden Pipeline könnte sich das Wachstum künftig sogar noch beschleunigen. Zumal die Dänen bei der sogenannten transgenen Maustechnologie, mit der die vollständig humanen Antikörper erzeugt werden, als weltweit führend gelten. Genmab jedenfalls hat inzwischen für 6 Basis-Therapieformen die Zulassungen erhalten, und gut 20 Kandidaten befinden sich derzeit in der klinischen Testphase.

Der wichtigste Katalysator für das Biotech-Geschäft war zuletzt vor allem das Antikörper-basierte Krebsmittel Darzalex, das im letzten Jahr immerhin einen Erlösanstieg von gut 43 % verzeichnete. Allein der US-Pharmapartner Johnson & Johnson konnte damit im 3. Quartal einen Umsatz von 2,0 Mrd. USD erzielen. Und da Genmab hierfür weiterhin die Eigentumsrechte besitzt, wird von dem Unternehmen mit jedem Verkauf gutes Geld verdient. Die internationalen Lizenzeinnahmen lagen im 1. Halbjahr auch schon wieder rund 82 % über denen des Vorjahreszeitraums. Mit dem Kerngeschäft rund um transgene Maus-Technologien ist der Biotech-Pionier aber nicht nur äußerst erfolgreich, die Nettomarge von über 30 % spiegelt zudem auch noch die derzeitige Gewinnträchtigkeit gut wider.

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