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Von Christina Rothfuß
31. Januar 2024

Die gestrigen US-Tech-Zahlen und die Zurückhaltung vor der heutigen Fed-Sitzung drücken am Mittwoch den TraderFox High-Quality-Stocks Europe-Index leicht ins Minus auf aktuell 120,88 Punkte. Enzymspezialisten Novozymes und Chr. Hansen schließen Zusammenschluss erfolgreich ab, und wollen künftig als Novonesis-Gruppe zunächst bis 2025 pro Jahr um gut 6,0 % wachsen. Tabakproduzenten BAT treibt Schuldenabbau und Geschäftsausbau mit E-Zigaretten voran, und sichert noch immer über hohe Cashflows seine Dividende.

Kräftige Kursgewinne zeigte seit November im Qualitäts-Index die Aktie von Novozymes, die am Mittwoch aber kaum verändert bei 47,60 Euro steht. In dieser Woche teilte die Unternehmensführung auch mit, dass der Zusammenschluss von Novozymes und Chr. Hansen erfolgreich abgeschlossen wurde. Dadurch sei “Novonesis“, ein weltweit führender Partner für “Bioscience“-Lösungen entstanden. Beide hatten sich Anfang 2023 zusammengetan, um einen Biobasierten-Anbieter mit breitem und innovativem Produktspektrum rund um das bestehende Enzym- und Biokraftstoffgeschäft zu schaffen. Mit nun 10.000 Mitarbeitern verfügt Novonesis letztlich über ein Fachwissen, das mehr als 30 verschiedene Branchen umfasst. Zuvor war die Angebotspalette von Novozymes schon auf weit über 700 Produkte gestiegen, die sich von der Herstellung von Biokraftstoffen über die Produktion von Transfetten, bis hin zu Mikroenzymen für die Leder-, Textil- und Lebensmittelbranche erstrecken. Die fusionierte Novonesis-Gruppe will demnach in diesem Jahr eine Umsatzgröße von rund 3,7 Mrd. Euro erreichen und eine solide Rentabilität und Liquidität ausweisen. Letztlich will Novonesis zahlreiche Unternehmen auf der ganzen Welt dabei unterstützen, sowohl den geschäftlichen Anforderungen als auch den Bedürfnissen des Planeten gerecht zu werden. Durch den Zusammenschluss wird nun ein gemeinsames globales Netz von F&E-Zentren sowie Produktionsstätten betrieben. Wobei sich die Hälfte des Portfolios dabei in Zukunft auf Produkte rund um ein gesünderes Leben und verbesserte Lebensmittel konzentrieren wird.

Die andere Hälfte wurde von Novonesis auf die Verringerung von Chemikalieneinsätze und klimaneutralere Praktiken ausgerichtet. Wir werden weiterhin leistungsstarke Bioproduktlösungen für unsere Kunden und Partner entwickeln, die auf unserer mehr als 100-jährigen Innovations- und Anwendungserfahrung basieren, betonte der neue Novonesis-Vorstand in dieser Woche. Gemeinsam wollen wir Wachstumspartner für unsere Kunden, Wertschöpfer für unsere Aktionäre und ein Unternehmen sein, das auch einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft hat. Bis 2025 erwartet Novonesis demnach ein jährliches organisches Erlöswachstum von 6,0 bis 8,0 %, bei einer EBIT-Marge von 29,0 %. Die jährlichen Ertragssynergien werden vom Management derzeit auf 200 Mio. Euro geschätzt. Künftige Umsätze werden von dem Unternehmen dann nur noch für zwei Geschäftsbereiche ausgewiesen. Da bei Novonesis in der Food & Health Biosolutions-Sparte die “Food & Beverages“-Geschäfte von Novozymes sowie die Chr. Hansen-Bereiche “Food Cultures & Enzymes“ zusammengelegt wurden. Das zweite Segment ”Planetary Health Biosolutions” beinhaltet zudem die bisherigen Geschäfte rund um “Landwirtschaft, Energie & Technologie“ sowie “Household Care“.

Der TraderFox High-Quality-Stocks Europe ist ein europäischer Index, der in sogenannte Burggraben-Unternehmen investiert. Diese Gesellschaften zeichnen sich durch hohe Markteintrittsbarrieren oder Wettbewerbsvorteile aus. Das kann eine starke Marke, ein hervorragendes Kostenmanagement oder Unternehmensgröße sein, die potenzielle Wettbewerber daran hindert, einen lukrativen Markt zu betreten. Europäische Unternehmen dieses Typs zeichnen sich durch gute operative Kennzahlen aus, wozu etwa hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie eine hohe Umsatz- und Gewinnstabilität gehören. Damit sind die zukünftigen Gewinn- und Zahlungsreihen relativ sicher und gut prognostizierbar.



Zu den Gewinnern gehört am Mittwoch im Qualitäts-Index auch die Aktie von British American Tobacco, die leicht auf aktuell 27,70 Euro anzieht. Allerdings notierten die Papiere des britischen Tabakproduzenten und E-Zigaretten-Vermarkters noch Ende Dezember auf einem Mehrjahrestief. Zwar laufen die globalen Geschäfte vergleichsweise robust, und die Zigarettensparte ist auch weiterhin äußerst profitabel. Die rückläufigen Absatzmengen und die hohe Verschuldung von British American Tobacco stellen für Investoren jedoch eine Herausforderung dar. Ein Lichtblick war aber zuletzt das Wachstumsgeschäft mit rauchfreien Alternativen rund um die Eigenmarken “Glo“ und “Vuse“. 2023 könnte die Sparte der Briten die Gewinnschwelle erreicht haben, also 2 Jahre früher als es der Vorstand ursprünglich in Aussicht gestellt hatte. Das laufende Jahr könnte demnach das erste Jahr sein, in dem das als “Non-Combustible Products“ bezeichnete E-Zigaretten-Sortiment für British American Tobacco Gewinnbeiträge liefert. Aber selbst Großinvestoren forderten zuletzt vom Management, den Schuldenabbau und den weiteren Geschäftsausbau mit E-Zigaretten sowie Tabak zum Erhitzen voranzutreiben. Die hohe bilanzielle Schuldenlast des Unternehmens ist durch die vollständige Übernahme des damaligen US-Konkurrenten Reynolds im Jahr 2017 entstanden. British American Tobacco müsste zuletzt sogar unerwartet Abschreibungen von rund 25,0 Mrd. GBP auf amerikanische Zigarettenmarken vornehmen, und verunsicherte damit durchaus einige Anteilseigner.



Obwohl dies wohl keine großen Auswirkungen auf künftige Liquiditäts- und Cashflow-Entwicklungen haben dürfte. Die Aktie des Tabakproduzenten gilt unter Dividendenanlegern angesichts der hohen Kapitalrendite von weiterhin über 6,0 % auch noch immer als erste Wahl. Finanziell wichtiger und “dividendensichernd“ ist für British American Tobacco auch noch immer der globale Zigarettenverkauf. Dies soll sich aber mit dem Ausbau der rauchfreien Alternativen zeitnah ändern. Bis 2035 sollen die Erlöse sogar bis zu 50,0 % der Gesamteinnahmen ausmachen. Letztlich aber erfordern die anhaltenden Veränderungen im traditionellen Absatzmarkt sowie die bilanzielle Verschuldung von der Unternehmensführung eine klare Strategie. Dies sollte langfristig die finanzielle Stabilität bei British American Tobacco sicherstellen, bei gleichzeitig hohen Investitionen in innovative E-Alternativen. Solange aber die Dividende nicht gekürzt wird, bleibt die Aktie ein interessanter Kauf.

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