articles-marktberichte-international
29
Von Christina Rothfuß
08. Juli 2024

Trotz vorsichtigem Optimismus nach der Frankreich-Wahl liegt der TraderFox High-Quality-Stocks Europe-Index am Montag leicht im Minus bei 120,88 Punkten. Enzymspezialist Novonesis hebt nach Chr. Hansen-Fusion auf einem Kapitalmarkttag die Wachstumsziele für dieses Jahr auf bis zu 7,0 % an, bei einer zugleich höheren EBITDA-Marge. Privat-Equity-Investor EQT übernimmt zusammen mit Logistik-Unternehmer Kühne 35,0 % des Münchner Flix-Unternehmens, dessen globale Expansion damit unterstützt werden soll.

Eine durchaus beachtliche Kursperformance zeigt seit November im Qualitäts-Index die Aktie von Novonesis, die am Montag aber leichte Abgaben auf 58,20 Euro verzeichnet. Geholfen hat dabei auch die jüngste Prognoseanhebung, die das Potenzial des Enzym- und Biokraftstoffproduzenten nach dem Zusammenschluss mit Chr. Hansen noch einmal verdeutlichte. So gab die Unternehmensführung Ende Juni auf einem Kapitalmarkttag in London weitere Einblicke, wie die auf “Bioscience“-Lösungen spezialisierte Gesellschaft beabsichtigt, künftig organisches und beschleunigtes Umsatzwachstum zu erzielen. Zunächst aber wurde für Novonesis kommuniziert, das das Wachstum aus eigener Kraft für 2024 aufgrund der derzeit starken Geschäfte nun am oberen Ende der bisher prognostizierten Spanne von 5,0 - 7,0 % erwartet wird. Während das EBITDA-Margenziel auf 35,0 - 36,0 % erhöht wurde. Letztlich will die fusionierte Novonesis-Gruppe in diesem Jahr eine Erlösgröße von rund 3,7 Mrd. Euro erreichen und dabei auch eine solide Liquidität ausweisen. Und die bis 2025 erwarteten organischen Wachstumspläne von 6,0 - 8,0 % wurden vom Management auf der Londoner Investorenveranstaltung zudem beibehalten, angetrieben von Volumensteigerungen, Preisanhebungen und Synergien aus der Chr. Hansen-Fusion. Für Novonesis spricht aber vor allem, dass die Bio-basierten Lösungen des Mikroenzym- und Bakterienspezialisten bereits im täglichen Leben der Menschen präsent sind und mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung damit erreicht wird. Zumal die wachsende Bevölkerung, der steigende Energiebedarf sowie sich verändernde Ernährungs- und Gesundheitstrends eine starke und zunehmende Nachfrage nach nachhaltigen Bioproduktanwendungen schafft.

Bei Novonesis konzentriert sich die Hälfte des Portfolios dabei auf Produkte rund um ein gesünderes Leben und verbesserte Lebensmittel. Die andere Hälfte wurde im Zuge des Chr. Hansen-Zusammenschlusses auf die Verringerung von Chemikalieneinsätze und klimaneutralere Praktiken ausgerichtet. Der Vorstand von Novonesis bestätigte zudem in London das Ziel, 4 Jahre nach Abschluss der Fusion jährliche Umsatzsynergien von 200,0 Mio. Euro, und 3 Jahre danach Kostensynergien von 80,0 - 90,0 Mio. Euro erzielen zu wollen. Künftige Umsätze werden auch nur noch für 2 Geschäftsbereiche ausgewiesen. Da bei Novonesis in der Food & Health Biosolutions-Sparte die “Food & Beverages“-Geschäfte von Novozymes sowie die Chr. Hansen-Bereiche “Food Cultures & Enzymes“ zusammengelegt wurden. Operativ läuft es bei den Dänen gegenwärtig sehr gut. Vor allem weil Novonesis über eine einzigartige Positionierung mit starken Kundenbeziehungen und eine breite Palette von erschwinglichen Biolösungen verfügt, die im großen Maßstab produziert werden können. Die operative Marge von über 35,0 % ist dabei jedenfalls ein beeindruckender Spitzenwert.

Der TraderFox High-Quality-Stocks Europe ist ein europäischer Index, der in sogenannte Burggraben-Unternehmen investiert. Diese Gesellschaften zeichnen sich durch hohe Markteintrittsbarrieren oder Wettbewerbsvorteile aus. Das kann eine starke Marke, ein hervorragendes Kostenmanagement oder Unternehmensgröße sein, die potenzielle Wettbewerber daran hindert, einen lukrativen Markt zu betreten. Europäische Unternehmen dieses Typs zeichnen sich durch gute operative Kennzahlen aus, wozu etwa hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie eine hohe Umsatz- und Gewinnstabilität gehören. Damit sind die zukünftigen Gewinn- und Zahlungsreihen relativ sicher und gut prognostizierbar.

Ein ziemlicher High-Flyer war in den vergangenen Monaten im Qualitäts-Index auch die Aktie von EQT Partners. Am Montag liegt der Kurs allerdings leicht im Minus bei 28,65 Euro. Dabei profitierten die Papiere des Finanzinvestors neben Zinssenkungshoffnungen vor allem auch von vielsprechenden Investmentplänen. So kündigte EQT in der Vorwoche an, zusammen mit der Holding des deutschen Logistikunternehmers Klaus-Michael Kühne gut 35,0 % der Anteile an dem Reise- und Transportunternehmen Flix gekauft zu haben. Rund 900,0 Mio. Euro sollen beide Investoren dafür gezahlt haben, wie das Handelsblatt unter Berufung auf Informationen aus Finanzkreisen schrieb. Allerdings soll der Einstieg von EQT und der Kühne Holding in mehreren Schritten erfolgen. Zusätzlich zu einer Primärinvestition in Flix werden EQT Future und Kühne Holding Aktien von bestehenden Aktionären erwerben, um eine langfristige Ankerbeteiligung an Flix aufzubauen, heißt es hierzu in einer Pressemitteilung von Flix. Das Handelsblatt hatte hierzu berichtet, das wohl die Altaktionäre ihre Anteile offensichtlich zu niedrigeren Kursen als zur aktuellen Bewertung an die neuen Gesellschafter EQT und Kühne abgegeben hätten. Zu den Bestandsinvestoren von Flix gehören unter anderem General Atlantic, Permira oder auch Blackrock. EQT hat das Flix-Investment demnach aus seinem “EQT Future“-Fonds getätigt, der zwar erst Anfang 2024 aufgelegt worden war, aber schon jetzt über Anlagegelder in Höhe von rund 3,0 Mrd. Euro verfügt.

Die Beteiligung soll aber nicht nur die Bilanz von Flix stärken, sondern das ehemalige Startup-Unternehmen bei seiner ambitionierten globalen Expansion unterstützen. So umfassen die gemeinsamen Ziele etwa die Bereitstellung nachhaltiger und erschwinglicher Reisemöglichkeiten. Im vergangenen Jahr konnte die EQT-Portfoliotochter erstmals über 2,0 Mrd. Euro an Einnahmen verbuchen und zugleich seine Transport- und Reisedienste auf 43 Länder ausweiten. Ein IPO von Flix ist aber laut EQT weiterhin eine Option, schließlich wollten die Münchner ursprünglich Anfang 2024 entweder in Deutschland oder in den USA an die Börse gehen. Das ist für alle Beteiligten die beste Lösung, sagte EQT-Partner Andreas Aschenbrenner in der letzten Woche gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Er betonte zugleich aber auch, dass es ja nicht heiße, der IPO könne jetzt nie mehr kommen. EQT kann bei seiner Flix-Beteiligung demnach mit dem Börsengang noch ein paar Jahre warten.

Teilen