articles-marktberichte-international
13
Von Christina Rothfuß
13. Juni 2022

Anhaltende Zins- und Rezessionsängste belasten am Montag erneut den TraderFox High-Quality-Stocks Europe-Index. Folglich liegt der Index am Nachmittag mit über 2 % im Minus bei 118,50 Punkten. Nemetschek sieht für Software-Angebote derzeit im Mediengeschäft die größten Wachstums- und Ertragspotenziale, zuletzt lag der Umsatzanteil der Sparte nur bei 10 %. Biotech-Pionier Genmab will nach jüngsten Zahlungsproblemen bei der Vertriebs-Partnerschaft mit dem Pharmaproduzenten Janssen in Zukunft autarker werden.

 

Teils deutliche Abgaben muss am Montag im Qualitäts-Index die Aktie von Nemetschek verkraften, und notiert angesichts des schwierigen Marktumfelds mit aktuell 60,20 Euro auf Jahrestief. Der gegenwärtige Grund für den Kursrückgang ist unter anderem die Sorge, dass steigende Notenbankzinsen negative Effekte für die Baukonjunktur und damit das Geschäft des CAD-Softwareanbieters haben könnten. Zwar waren weitreichende Dienstleistungen rund um Bau- und Architektensoftware bis vor einem Jahr das Hauptstandbein von Nemetschek. Inzwischen aber hat das Unternehmen durch mehrere Zukäufe, wie der Erwerb des US-Softwarespezialisten Pixologic, auch eine starke Position in der Medien-­ und Entertainment-Branche, die ebenso großes Marktpotenzial bietet. Im historischen Vergleich sind die Bauzinsen aber noch immer niedrig. Und bei dem Immobiliendienstleister kommt ein Großteil des Wachstums neben dem hohen Anteil wiederkehrender Umsätze vor allem durch strukturelle Treiber zustande, die letztlich konjunkturunabhängig sind. Dazu gehören unter anderem die anhaltend geringe Digitalisierung im gesamten Bausektor sowie der Trend zu Energieeffizienz bei anstehenden Modernisierungs- und Bauprojekten. Der Vorstand von Nemetschek sieht aber die größten Wachstums- und Ertragspotenziale derzeit mit Software für die Unterhaltungs- und Filmindustrie. Denn die Ende 2021 gekaufte Pixologic-Tochter verfügt mit der Sculpting- und Painting-Software “ZBrush“ über ein Tool, das von renommierten Film- und Werbestudios, Spieleentwicklern, Designern und von Illustratoren auf der ganzen Welt eingesetzt wird.

Die Maxon-Medientochter, in der die jüngsten Zukäufe gebündelt wurden, ist damit immerhin zu einem führenden Anbieter im Bereich 3D-Animationen aufgestiegen. Aufgrund stark steigender Nachfrage nach digitalen Inhalten in der Film- und Werbeindustrie sind wir für das Segment unverändert sehr zuversichtlich, betonte zuletzt der Manager in einem Interview. Im letzten Jahr lag bei Nemetschek der Umsatzanteil der Mediensparte ausgehend von den Gesamterlösen (681 Mio. Euro) schon bei 10 % und dürfte sich weiter erhöhen. Außerdem kommt der Bausoftware-Spezialist auch beim Umbau des Geschäftsmodells von Lizenzen auf Cloud-Abos gut voran. Bereits in den letzten beiden Jahren konnte der Cloud­- und Subskriptions-­Umsatzanteil auf 20 % mehr als verdoppelt werden. Bis Ende 2023 soll sich der Anteil am Jahresumsatz dann erneut um mehr als 100 % erhöhen. Zusammen mit den Serviceverträgen würde Nemetschek dann sogar einen Anteil wiederkehrender Umsätze von mehr als zwei Dritteln haben. Für 2022 wird aber seitens des Managements mit einem Wachstum von 12 bis 14 % und einer operativen Umsatzrendite von 32 bis 33 % gerechnet. Danach strebt das Medien- und Softwareunternehmen eine ehrgeizige jährliche Steigerung der Erlöse von bis zu 10 % an.

Der TraderFox High-Quality-Stocks Europe ist ein europäischer Index, der in sogenannte Burggraben-Unternehmen investiert. Diese Gesellschaften zeichnen sich durch hohe Markteintrittsbarrieren oder Wettbewerbsvorteile aus. Das kann eine starke Marke, ein hervorragendes Kostenmanagement oder Unternehmensgröße sein, die potenzielle Wettbewerber daran hindert, einen lukrativen Markt zu betreten. Europäische Unternehmen dieses Typs zeichnen sich durch gute operative Kennzahlen aus, wozu etwa hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie eine hohe Umsatz- und Gewinnstabilität gehören. Damit sind die zukünftigen Gewinn- und Zahlungsreihen relativ sicher und gut prognostizierbar.

Auch die Aktie von Genmab verzeichnet am Montag im Qualitäts-Index Verluste von fast 3 % auf aktuell 268,00 Euro. Zwar brummt das Therapiegeschäft des dänischen Biotech-Unternehmens, das sich hauptsächlich auf Forschung und Entwicklung humaner Antikörper für die Behandlung von lebensbedrohlichen Krankheiten spezialisiert hat. Dem Aktienkurs hat dies in diesem Jahr bislang aber nicht geholfen. Investoren waren aber zuletzt besonders erfreut, da mit 8,48 Mrd. DKK (1,14 Mrd. Euro) eine unveränderte Umsatzgröße für 2021 vermeldet wurde. Diese lag nur leicht unter der des Vorjahres, als die Zuwächse durch Kooperationen mit wichtigen Pharmaherstellern wie Abbvie, Amgen und Novartis noch beachtliche 100 % erreichten. Genmab setzt bei seinen wichtigsten Wirkstoffen aber nicht nur auf den Vertrieb, sondern bei der Weiterentwicklung generell auf zahlungskräftige Branchenverbündete. Und diese funktionieren aber nicht immer wie gewünscht. So musste das Unternehmen in der Vorwoche vor einem Schiedsgericht in New York eine Meilenstein-Zahlung im Zuge der Partnerschaft mit dem Pharmaproduzenten Janssen von 405 Mio. USD plus Zinsen einklagen. Bei dieser Klage ging es um das Antikörper-basierte Krebsmittel Darzalex, das beide Unternehmen unter dem Namen DARZALEX FASPRO weltweit vertrieben haben. Noch muss Genmab die derzeit erzielten Erlöse aus dem Therapiegeschäft mit seinen größeren Partnern teilen, was sich in den nächsten Jahren aber durchaus ändern dürfte. Insbesondere dann, wenn die innovative Biotech-Firma durch weiter steigende Verkäufe immer autarker wird.

Zunächst sind aber Kooperationen, wie die kürzlich mit dem amerikanischen Forschungsunternehmen Synaffix, die für die Dänen den Zugriff auf weitere Antikörper-Technologien möglich machen, für die Wachstumsziele des Geschäfts weiterhin sinnvoll. Die Zuwächse bei Genmab waren aber bis zuletzt beeindruckend. Allein das Krebsmittel Darzalex brachte im letzten Jahr einen Erlösanstieg von 43 %. Weitere Umsatzbringer waren zudem die zur Augenheilung eingesetzte Arznei Tepezza (2021: 1,5 Mrd. USD) sowie die Krebsmedikamente Rybrevant und Tivdak. Vor allem das Mittel Tivdak, das Genmab mit dem US-Biotech-Partner Seagen zusammen vermarktet, brachte seit dem Verkaufsstart im Jahr 2020 rund 1,0 Mrd. USD an internationalen Erlösen. Und die Umsatzziele für Rybrevant liegen laut Analysten sogar bei rund 8,00 Mrd. USD, die bis zum Jahr 2028 eingefahren werden könnten. Die hohe Eigenkapitalquote des Unternehmens von 90 % stellt jedenfalls auch weiter genügend Geld für die eigene Entwicklungspipeline sicher.

 

 

Teilen