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Von TraderFox
10. September 2019

Vor der am Donnerstag mit Spannung erwarteten EZB-Sitzung zeigt sich der TraderFox High-Quality-Stocks Europe-Index am Dienstag nach mehreren positiven Handelstagen in Folge eher zurückhaltend. Dabei liegt der Index am Nachmittag leicht im Minus bei 103,80 Punkten. Vorstand des finnischen Aufzugsbauers Kone wirbt weiterhin um die Aufzugssparte von ThyssenKrupp und rechnet mit hohem Einsparpotenzial. Duftstoffhersteller Givaudan will Parfumhersteller drom fragrances übernehmen und damit seinen regionalen Kundenstamm stärken.



Von ihrem jüngst erreichten Mehrjahreshoch kommt am Dienstag im Qualitäts-Index die Kone-Aktie wieder etwas zurück und steht damit im Minus bei 53,20 Euro. Der finnische Aufzugs- und Rolltreppenbauer hat am Freitag offiziell sein Interesse am Kauf der Aufzugssparte des Essener Stahlkonzerns ThyssenKrupp angekündigt. Dabei sagte der Vorstandschef der Finnen gegenüber der "Rheinischen Post", die Situation bei ThyssenKrupp sei sehr interessant für uns. Auch würde die Aufzugssparte perfekt zu Kone passen. Zugleich erklärte der Manager dem "Handelsblatt", das beide Firmen sehr komplementär aufgestellt seien, und die Kombination der Unternehmen industriell am meisten Sinn ergebe. Kone selbst hatte sich schon in der Vergangenheit an dem Aufzugsgeschäft der Essener interessiert gezeigt. Ursprünglich wollte ThyssenKrupp die hochprofitable Sparte teilweise an die Börse bringen. Allerdings fährt das Unternehmen nach dem Eingang einer ganzen Reihe von Interessensbekundungen mittlerweile zweigleisig und prüft auch einen möglichen Verkauf. Derweil argumentierte der Kone-Chef in der "Rheinischen Post", ThyssenKrupp sei in Südamerika und Nordamerika, aber auch in Südkorea stark vertreten. In Nordamerika läge Kone zwar hinter ThyssenKrupp, in Asien sind wir aber stärker. In der Kombination wären wir schneller und könnten die digitalen Herausforderungen besser angehen. Und natürlich könnten wir auch Einsparungen erzielen, ergänzte der Manager.

Derzeit werde der Wert der Aufzugsparte im Kreise der Bieter auf rund 17 Mrd. Euro taxiert, wie das "Handelsblatt" am Freitag schrieb. Eine reine Barofferte dürfte damit für Kone wohl kaum realisierbar sein. Die Finnen zählen aber neben der Sparte Elevator von ThyssenKrupp sowie dem Schweizer Unternehmen Schindler und dem US-Konzern Otis zu den vier Unternehmen, die die Branche global anführen. An der Börse wiederum wird die Aktie von Kone derzeit mit einem KGV von rund 26 bewertet, für Qualitätswerte ist ein derartiger Premium-Aufschlag aber meist gerechtfertigt. Dafür erzielt das Unternehmen eine beachtliche Eigenkapitalrendite von fast 40% und kommt mit seinem Aufzugs- und Rolltreppengeschäft auf eine Gewinnmarge von gut 9%. Innerhalb der letzten 5 Jahre ist Kone jedenfalls im Schnitt um solide 6% gewachsen. Und auch die Eigenkapitalquote von 60% weist auf eine durchaus gesunde Bilanz hin.

Der TraderFox High-Quality-Stocks Europe ist ein europäischer Index, der in sogenannte Burggraben-Unternehmen investiert. Diese Gesellschaften zeichnen sich durch hohe Markteintrittsbarrieren oder Wettbewerbsvorteile aus. Das kann eine starke Marke, ein hervorragendes Kostenmanagement oder Unternehmensgröße sein, die potenzielle Wettbewerber daran hindert, einen lukrativen Markt zu betreten. Europäische Unternehmen dieses Typs zeichnen sich durch gute operative Kennzahlen aus, wozu etwa hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie eine hohe Umsatz- und Gewinnstabilität gehören. Damit sind die zukünftigen Gewinn- und Zahlungsreihen relativ sicher und gut prognostizierbar.

Leicht im Plus bei 2.503,00 Euro befindet sich heute dagegen im Qualitäts-Index die Aktie von Givaudan. Der Geschmacks- und Duftstoffhersteller hatte jüngst angekündigt den Parfümhersteller drom fragrances übernehmen zu wollen. Das deutsche Familienunternehmen kreiert an vier Fertigungsstandorten individuelle Düfte für die Abnehmer von Konsumprodukten und Luxusparfüms auf der ganzen Welt. Mit der Übernahme wollen die Schweizer aber hauptsächlich ihre eigene Kundenbasis stärken. Das Management von Givaudan zielt hierbei vor allem auf seinen lokalen und regionalen Kundenstamm. Auch steht der Erwerb im Einklang mit der vom Vorstand ausgegebenen M&A 2020-Strategie, die eine Fokussierung auf Produktbereiche wie Naturals, Gesundheit & Wellness und Active Beauty vorsieht. Ein Kaufpreis wurde allerdings nicht genannt, Analysten schätzen ihn jedoch auf rund 300 Mio. CHF (276 Mio. Euro). Für Givaudan wäre drom seit der Akquisition des französischen Unternehmens Soliance im Jahr 2014, der insgesamt 12te Zukauf.

Mit seiner weltweit starken Positionierung kann sich der Duftstoffanbieter auch zunehmend Geschäfte in weiteren Marktsegmenten sichern. In den letzten 5 Jahren hat das Management hierfür jedenfalls gut 3 Mrd. CHF (2,76 Mrd. Euro) aufgewendet, und so Mehreinnahmen von gut 1 Mrd. erzielt. Erst im April hatte die Gruppe die Übernahme des deutschen Kosmetik-Herstellers AMSilk bekannt gegeben. Folglich dürften sich bei Givaudan auch zukünftig weiterhin ausgesprochen einträgliche Geschäfte ergeben. Der Vorstand selbst peilt für 2019 ein Umsatzplus von 4 bis 5% sowie einen Anstieg des freien Cashflows von 12 bis 17% an.

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