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Von TraderFox
15. Dezember 2020

Positive Konjunkturdaten aus China stützen am Dienstag den TraderFox High-Quality-Stocks Europe-Index, der aber am Nachmittag kaum verändert bei 121,95 Punkten steht. Modegruppe Inditex muss bis Ende Oktober Umsatzeinbußen von 30% hinnehmen, investiert aber weiterhin in technologische Innovationen. Fachverlag RELX wächst trotz Coviv-19-Umstände derzeit mit seinen 3 größten Sparten im niedrigen einstelligen Prozentbereich und will künftig wieder zu alter Profitabilität zurückkehren.

Deutlich mit fast 4,0% im Plus war am Montag im Qualitäts-Index die Aktie von Inditex der unangefochtene Gewinner. Heute gibt sie allerdings wieder kräftiger nach und steht damit aktuell bei 27,00 Euro. Dem spanischen Mode- und Textilhändler gelang es zwar im Sommer mit seinen Marken wie Zara und Bershka die Corona-Auswirkungen zu überwunden und in die Gewinnzone zurückzukehren. Im hart umkämpften Fashionmarkt hinterließ die Pandemie aber angesichts wieder europaweiter Lockdowns bei dem eigentlich krisenresistenten Unternehmen dennoch deutliche Spuren. Wie das Management dazu heute mitteilte, erzielte Inditex in den 9 Monaten einen Umsatz von 14,1 Mrd. Euro. Das sind immerhin knapp 30% weniger als noch vor einem Jahr. Zwischen Februar und Oktober war zudem auch der Gewinn um drei Viertel auf 671 Mio. Euro eingebrochen. Die Kernmarke Zara steuerte dabei auch wieder den Löwenanteil zum Geschäftsabsatz bei. Erst im Oktober hatte die Fast-Fashion-Tochter ihre erste Dessous-Kollektion in ihrem Online-Shop eingeführt. Die neue Dessous-Linie umfasst diesbezüglich eine breite Palette von Artikeln, die von Unterwäsche und Loungewear über Pyjamas bis hin zu Accessoires reicht. Mit der jüngsten Einführung tritt Zara letztlich aber nur in die Fußstapfen anderer Marken der Inditex-Gruppe, darunter Bershka und Pull&Bear, die beide bereits Dessous-Linien in ihren Katalogen führen.

In 2020 wurde von dem Pionier der Modebranche trotz aller Corona-Umstände außerdem viel Geld in technologische Innovationen investiert, die sich mittelfristig auch auszahlen sollten. Hierzu gehört neben dem Ausbau des boomenden Online-Geschäfts vor allem auch eine komplexe Logistikkette, die es Kunden unter anderem erlaubt, Online-Bestellungen auch in stationären Shops abzuholen. Dabei hat Inditex dank der trendorientierten Anpassungsfähigkeit schon in der Vergangenheit meist mit soliden Wachstumsraten geglänzt. Seit 2009 haben sich die Erlöse jedenfalls bis zuletzt um über 150% erhöht. Und da die von Designern “abkupferten“ Modeartikel zu einem günstigen Preis zeitnah und ohne Vertrieb in den Tochterläden verkauft werden, sind die Gewinnspannen auch dementsprechend hoch. Zuletzt lag die Nettomarge jedenfalls bei soliden 15%.

Der TraderFox High-Quality-Stocks Europe ist ein europäischer Index, der in sogenannte Burggraben-Unternehmen investiert. Diese Gesellschaften zeichnen sich durch hohe Markteintrittsbarrieren oder Wettbewerbsvorteile aus. Das kann eine starke Marke, ein hervorragendes Kostenmanagement oder Unternehmensgröße sein, die potenzielle Wettbewerber daran hindert, einen lukrativen Markt zu betreten. Europäische Unternehmen dieses Typs zeichnen sich durch gute operative Kennzahlen aus, wozu etwa hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie eine hohe Umsatz- und Gewinnstabilität gehören. Damit sind die zukünftigen Gewinn- und Zahlungsreihen relativ sicher und gut prognostizierbar.

Zunehmende Impfstoffhoffnungen hatten zuletzt auch die Aktie der RELX Group im Qualitäts-Index angetrieben, am Dienstag liegt sie aber erstmal wieder leicht im Minus bei 19,70 Euro. Als großes europäisches Medienhaus gilt die britische Verlagsgruppe mit ihren Angeboten rund um Fachzeitschriften, wissenschaftlichen Magazinen und Fachbüchern an sich als ziemlich pandemieresistent. RELX ist vor 2 Jahren aus dem weltweit bekannten Unternehmen Reed Elsevier hervorgegangenen, und hat sich zudem auf Online-Datenanalysen, Internet-Fachportale und die Organisation von Ausstellungen und Fachkonferenzen spezialisiert. Die gesamte Medienbranche wird zwar von Investoren als recht defensiv eingeschätzt, ist aber auch zyklisch. Und so verwundert es nicht, dass die Aktie des Fachverlags und Datenbankanbieters von der gegenwärtigen Sektorrotation durch die andauernden Corona-Impfstoffhoffnungen profitieren konnte. Immerhin sieht der Vorstand von RELX schon jetzt eine allmähliche Erholung des operativen Geschäfts. Allerdings läuft vor allem das seit März aufgrund der Virusausbreitung stark angeschlagene Messe- und Veranstaltungsgeschäft, was rund 16% zum Gesamtumsatz beisteuert, weiterhin bescheiden. Immerhin waren hier die Erlöse von Januar bis Ende September um bis zu 70% eingebrochen. Und das, während die 3 größten Sparten des Unternehmens alle im niedrigen einstelligen Prozentbereich gewachsen sind. Dazu gehören die Geschäfte rund um wissenschaftlich-technische und medizinische Datenbanken, Fachzeitschriften und Informationsdienste in Rechtsfragen. RELX als Qualitätsunternehmen will diese robuste Entwicklung auch in 2021 fortführen, und dabei auch wieder alte Kennzahlen erwirtschaften. Denn sobald sich auch das Ausstellungs- und Konferenzgeschäft etwas erholt, dürften Gewinnmargen von zuletzt 20% wieder drin sein.

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