articles-marktberichte-international
31
Von TraderFox
12. Juli 2021

Nach den kräftigen Gewinnen vom Freitag bewegt sich der TraderFox High-Quality-Stocks Europe-Index trotz fehlender Impulse auch am Montag weiter nach oben. Am Nachmittag liegt er folglich mit 1,3% im Plus bei 150,65 Punkten. Modegruppe Inditex hat die Lockdown-Zeit genutzt und das eigene E-Commerce-Geschäft logistisch kräftig ausgebaut. Alstom plant nach der Übernahme der Bombardier-Zugsparte bis 2024/25 schneller zu wachsen als die Branche und vor allem das Bahntechnik-Geschäft in Europa zu stärken.

Leichte Abgaben auf aktuell 29,60 Euro verzeichnet nach der Erholung vom Freitag im Qualitäts-Index am Montag die Aktie von Inditex. Der spanische Mode- und Textilhändler, der hinter Marken wie Zara und Bershka steht, wurde in der vergangenen Woche von der Nachricht gestützt, dass die Kunden in die deutschen Innenstädte und Geschäfte zuletzt zurückgekehrt seien. Nach Angaben des Branchenfachblatts "Textilwirtschaft" war der Juni, der erste Monat des Jahres 2021, in dem die stationären Modehändler weitgehend normal öffnen konnten. Nach einer Umfrage des Blattes lagen die Umsätze dadurch um 26% über dem Vorjahresniveau. Nachholeffekte waren dabei vor allem in der ersten Hälfte des Monats für den Handel spürbar. Auch für die Entwicklung im 2.Halbjahr ist der Hauptgeschäftsführer des Handelsverband Textil (BTE) tendenziell optimistisch, vorausgesetzt ein weiterer Lockdown bleibt der Branche erspart. Für die Inditex-Gruppe mit ihren rund 6.800 Filialen kommen die vielen europäischen Shop-Eröffnungen nach dem Abebben der Pandemie gerade richtig. Allerdings hat das Management die jüngste Krisenzeit genutzt und sein weltweites Filialnetz überarbeitet und das eigene Internet-Angebot logistisch kräftig ausgebaut. Letztlich konzentriert sich der “Fast Fashion“-Anbieter damit nur noch auf gut laufende Geschäftsläden und solche in Toplagen. Allein in 2020 schrumpften die stationären Modeshops des Unternehmens um mehr als 600, die Verkaufsfläche betrug aber nur 5% weniger als ein Jahr zuvor.

Inditex konnte aber vor allem mit dem Ausbau der immer stärker nachgefragten Online-Sparte den Corona-bedingten 2020/21er Umsatzrückgang von fast 30% auf nur noch 20,4 Mrd. Euro etwas abfedern. Weitere Milliardeninvestitionen wurden vom H&M-Konkurrent jüngst auch schon angekündigt. Dadurch soll insbesondere die Vernetzung der eigenen Lagerlogistik, die es Kunden unter anderem erlaubt, online-getätigte Bestellungen auch in stationären Shops abzuholen, sowie das Wachstum des E-Commerce-Geschäfts an sich vorangetrieben werden. Allein im letzten Jahr war die unter jungen Leuten beliebte Modekette Zara in gut 25 Märkten erstmals online gegangen. Dank der trendorientierten Anpassungsfähigkeit hat Inditex schon in der Vergangenheit meist mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten geglänzt. Seit 2009 haben sich die Erlöse jedenfalls bis zuletzt um über 120% erhöht. Und da die von Designern “abkupferten“ Modeartikel zu einem günstigen Preis zeitnah und ohne Vertrieb in den eigenen Läden verkauft werden, sind die dabei erzielten Gewinnspannen eigentlich auch dementsprechend hoch. Vor der Pandemie lag die Nettomarge bei Inditex bei immerhin soliden 15%.

Der TraderFox High-Quality-Stocks Europe ist ein europäischer Index, der in sogenannte Burggraben-Unternehmen investiert. Diese Gesellschaften zeichnen sich durch hohe Markteintrittsbarrieren oder Wettbewerbsvorteile aus. Das kann eine starke Marke, ein hervorragendes Kostenmanagement oder Unternehmensgröße sein, die potenzielle Wettbewerber daran hindert, einen lukrativen Markt zu betreten. Europäische Unternehmen dieses Typs zeichnen sich durch gute operative Kennzahlen aus, wozu etwa hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie eine hohe Umsatz- und Gewinnstabilität gehören. Damit sind die zukünftigen Gewinn- und Zahlungsreihen relativ sicher und gut prognostizierbar.

Neue Wachstumspläne hatten im Qualitäts-Index zuletzt dagegen die Aktie von Alstom unter Druck gesetzt, am Montag liegt sie abermals leicht im Minus bei 37,60 Euro. Ausschlagend für den beachtlichen Kurseinbruch des französischen Bahntechnik-Herstellers waren dabei die nach Übernahme der Bombardier-Zugsparte neu formulierten Unternehmensziele. Bis zum Geschäftsjahr 2024/25 (per Ende März) soll der Umsatz im Schnitt um 5% jährlich steigen, teilte das Management hierzu im Vorfeld des anstehenden Kapitalmarkttages mit. Damit werde Alstom schneller wachsen als die Branche, hieß es. Auch die operative Marge soll danach zwischen 8 und 10% betragen. Als wichtigste Wachstumstreiber sehen die Franzosen dabei insbesondere die Signaltechnik und das Dienstleistungsgeschäft. Die neu formierte Alstom-Gruppe, die sich im Bereich Bahninfrastruktur vor allem auf die Entwicklung und Produktion von Straßen- und U-Bahnen sowie Regionalzüge, aber auch auf Güterzüge und Signalsysteme konzentriert, hatte den milliardenschweren Zukauf von Bombardier erst Ende Januar abgeschlossen. Mit diesem Schachzug will das Unternehmen in erster Linie dem chinesischen Weltmarktführer CRRC die Stirn bieten. Künftig dürfte der Hersteller der TGV-Hochgeschwindigkeitszüge mit dem Zusammenschluss bis zu 70% seiner Erlöse vor allem in Nordamerika und Europa erzielen, also in Regionen, die von hohen staatlichen Investitionen in bestehende Infrastruktur stark profitieren dürften. Alstom selbst stärkt durch die Übernahme aber insbesondere sein Geschäft in Deutschland.

Insgesamt dürfte das fusionierte Unternehmen auf einen Pro-forma-Jahresumsatz von nunmehr rund 14 Mrd. Euro kommen. Der wichtigste europäische Wettbewerber, Siemens Mobility, liegt mit einer geschätzten Umsatzgröße von 9,1 Mrd. Euro sogar vergleichsweise deutlich dahinter. Die Bombardier-Integration verlaufe dem Management zufolge auch nach Plan. Allerding dürfte das kommende Geschäftsjahr 2021/22 ein Übergangsjahr werden, in dem die Stabilisierung problematischer Bombardier-Projekte im Fokus steht. Alstom rechnet in der 1.Jahreshälfte jedoch noch mit einem Mittelabfluss (Cashflow) von bis zu 1,9 Mrd. Euro, im 2.Halbjahr soll dann operativ wieder ein Mittelzufluss erreicht werden. Für den Bahntechnik-Spezialisten dürften damit zudem auch die Auswirkungen der jüngsten Corona-Krise überwunden werden. Immerhin waren im vergangenen Geschäftsjahr dadurch einige Bestellungen, und folglich auch Umsatz und Gewinn zurückgegangen. Dies hatte aber der Rentabilität des Kerngeschäfts nicht geschadet, immerhin war die Eigenkapitalrendite von Alstom mit zuletzt 15% mehr als solide.

Teilen

TraderFox
TraderFox
Realtime Stock Screening

Die TraderFox GmbH ist eine Tochterfirma von finanzen.net und Axel Springer. Wir erforschen Börsenerfolg und erstellen regelbasierte Portfoliokonzepte zu den besten Anlagestrategien der Börsengeschichte mit dem Ziel den Markt langfristig deutlich zu schlagen.

Unsere Redakteure berichten in den Kategorien Marktberichte Deutschland und Marktberichte International über das aktuelle Börsengeschehen