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Von Liridona Preniqi
03. November 2023

Trotz weiterer Zinshoffnungen nach dem schwächeren US-Arbeitsmarktbericht liegt am Freitag der TraderFox High-Quality-Stocks Europe-Index leicht im Minus bei 120,90 Punkten. Sanitärspezialist Geberit muss aufgrund des Umfeldes für die ersten 9 Monate  einen Erlösrückgang um 12,0 % vermelden, war mit 31,3 % EBITDA-Marge aber hochprofitabel. Siemens Healthineers strebt für seine Diagnostik-Sparte laut Medienberichten den Verkauf oder eine Abspaltung an, und rechnet dabei mit einer Bewertung von bis zu 8,0 Mrd. USD.

Eine kräftige Kurserholung von zeitweise fast 10,0 % legte am Donnerstag im Qualitäts-Index in die Aktie von Geberit hin. Am Freitag liegt der Kurs auch erneut mit 3,5 % im Plus bei 495,50 Euro. Unterstützung bekamen die Papiere des Sanitärtechnik-Hersteller gestern von unerwartet soliden 9-Monatszahlen und dem Margen-Ausblick. Dabei überzeugte Investoren, dass das Unternehmen in einem schwierigen Umfeld inklusiver rückläufiger Bauindustrie in Europa akzeptable Resultate vorlegen konnte. Geberit gelang dies vor allem durch operative Flexibilität sowie niedrigere Energiepreise und konsequentes Preismanagement. Und obwohl die Verkaufsmengen von Januar bis September im Vergleich zu den Rekordwerten des Vorjahres rückläufig waren und der Umsatz von Währungseffekten beeinflusst wurde, konnten die Schweizer die Profitabilität steigern. Zwar gilt Geberit als marktführender Anbieter von Sanitärkomponenten für Wohngebäude und Gewerbeeinrichtungen, in dieser Position lassen sich Preiserhöhungen auch leichter durchzusetzen. Dennoch musste die Gruppe für die ersten 3 Quartale des Jahren einen Erlösrückgang um 12,0 % auf 2,39 Mrd. CHF (2,48 Mrd. Euro) verkraften. Im Vorjahr konnte Geberit noch ein Wachstum von 8,2 % erzielen, was aber den mehrmals erhöhten Preisen zu verdanken war. Und der Sanitärspezialist leidet noch immer unter der schwachen europäischen Immobilienbranche, die hohe Teuerung bei vielen Materialien wie Kupfer hat sich aber inzwischen normalisiert.

Zusätzlich wurde laut Geberit in den ersten 9 Monaten die Sanitärindustrie in einigen Ländern von der Verschiebung der Nachfrage von Sanitär- zu Heizungslösungen belastet. Zweistellige Abnahmen verzeichneten folglich die Märkte in Österreich (-12,5 %), Deutschland (-13,4 %) sowie Osteuropa (-18,0%). Dennoch lag die operative Marge mit 31,3 % rund 3,2 % höher als im Vorjahr. Das Management erwartet bei Geberit aber für das Gesamtjahr 2023 nur einen Rückgang des Umsatzes im mittleren einstelligen Bereich, bei einer stabilen EBITDA-Marge von 29,0 bis 30,0 %. Der Sanitär- und Rohrleitungsanbieter ist aber überzeugt, aus diesem herausfordernden Marktumfeld gestärkt hervorzugehen und weitere Marktanteilsgewinne verbuchen zu können. Zumal Geberit vom weiterhin bestehenden Bedarf an Renovierungen und Neubauten im Wohnbau in verschiedenen europäischen Märkten profitiert. Und der strukturelle Trend zu höherwertigen Sanitärstandards ebenfalls bestehen bleibt. Darüber hinaus will sich das Unternehmen in mehreren außereuropäischen Ländern wie beispielsweise Indien oder der Golfregion noch besser positionieren. Mit der anhaltend hohen Marge von gut 30,0 % zeigt Geberit auch einmal mehr seine Qualität als Sanitäranbieter.

Der TraderFox High-Quality-Stocks Europe ist ein europäischer Index, der in sogenannte Burggraben-Unternehmen investiert. Diese Gesellschaften zeichnen sich durch hohe Markteintrittsbarrieren oder Wettbewerbsvorteile aus. Das kann eine starke Marke, ein hervorragendes Kostenmanagement oder Unternehmensgröße sein, die potenzielle Wettbewerber daran hindert, einen lukrativen Markt zu betreten. Europäische Unternehmen dieses Typs zeichnen sich durch gute operative Kennzahlen aus, wozu etwa hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie eine hohe Umsatz- und Gewinnstabilität gehören. Damit sind die zukünftigen Gewinn- und Zahlungsreihen relativ sicher und gut prognostizierbar.

Angesichts neuer Abspaltungsspekulationen ist heute im Qualitäts-Index die Aktie von Siemens Healthineers, mit einem Zuwachs von 2,1 % auf aktuell 48,40 Euro einer der Tagesgewinner. Käufer treiben dabei heute die Anteilscheine nach oben, da der Medizintechnik-Geräteanbieter offenbar Optionen beim Diagnostik-Geschäft prüft. Dies könne zu einem Verkauf oder einer Abspaltung des In-Vitro-Bereichs führen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Das Geschäft von Siemens Healthineer könnte dabei mit bis zu 8,0 Mrd. USD bewertet werden. Die Überlegungen befänden sich aber in einem frühen Stadium, hieß es weiter. Am Ende könnte sich der Medizintechnikhersteller aber immer noch entscheiden, den im Umbau befindlichen Bereich zu behalten. Eine mögliche Abspaltung bringt aber auch neue Fantasie in die Aktie, nach dem es in den letzten Monaten bergab ging. Der bei Siemens Healthineer am 8. November anstehende Quartalsbericht dürfte möglicherweise zudem weitere Impulse liefern. Bis zuletzt waren aber die Risiken in der Diagnostiksparte ein Belastungsfaktor für die Anteilsscheine.

Kurzfristig setzen dem Gesundheitsdienstleister dabei vor allen die Kosten für den Diagnostik-Umbau sowie die Neuaufstellung der Robotik-Sparte das Geschäft unter Druck. Siemens Healthineers ist mit seinen Kernbereichen aber global bestens aufgestellt, um im lukrativen Medizintechnikmarkt langfristig beständig zu wachsen. Hierzu zählen neben der Bildgebungs- und Labordiagnostiksparte auch die angebotenen Gesundheits- und Krankenhaus-Managementservices. Für die Jahre 2023 bis 2027 rechnen Analysten trotz aktueller Schwierigkeiten bei dem Unternehmen auch noch immer mit einer jährlichen Wachstumsrate von im Schnitt 7,0 %. Zuletzt kam Siemens Healthineers zudem auch weiterhin auf eine beachtliche Nettomarge von 10,0 %.

 

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