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Von TraderFox
11. August 2020

Die Aussicht auf neue US-Konjunkturhilfen hatte beim TraderFox High-Quality-Stocks Europe-Index am Montag zunächst für Gewinne gesorgt. Der Index gab diese aber wieder ab und steht am Nachmittag mit 0,3% im Minus bei 115,65 Punkten. Sanitärspezialist Geberit spürt COVID-19 dank robuster Baugeschäfte in Deutschland nur bei Hotel- und Geschäftsimmobilien. KONE will seine Instandhaltungsparte künftig durch intelligente KI-Lösungen von IBM für IT-Anbieter und technische Gebäudeausrüster optimieren.

Nach den deutlichen Kursgewinnen der Vorwochen konsolidiert im Qualitäts-Index am Montag die Aktie von Geberit um 0,7% und steht damit aktuell bei 478,50 Euro. Der Schweizer Sanitärtechnik-Hersteller verlor zwar wegen der Pandemie ebenfalls Umsatz, dennoch scheint das Unternehmen dank anhaltend guter Kennzahlen diese schwierige Zeit besser zu überstehen als andere. Das Management hat diesbezüglich das Glück, in den richtigen Märkten präsent zu sein. So erzielt Geberit beispielsweise ein Drittel der Erlöse in Deutschland, wo nicht nur die Virus-Ausbreitung verhältnismäßig gut bewältigt wurde. In den deutschen Großstädten herrscht zudem auch eine enorme Wohnungsnot, und die Sanitär-Installateure schoben vor der Krise einen hohen Auftragsbestand vor sich her. Somit kommt dem Unternehmen durchaus zugute, dass es stärker im Wohnbereich tätig ist und weniger bei Geschäftsbauten. Wie sehr das sogenannte Non-Residential-Segment von Geberit derzeit unter Druck ist, zeigt das Beispiel der Hotels. Denn in den vergangenen Jahren sind weltweit viele neue Beherbergungsstätten eröffnet worden, und dieses Angebot trifft nun auf eine stark geschrumpfte Nachfrage von Touristen und Geschäftsreisenden. Hier spricht der Vorstand denn auch davon, dass ganze Hotel- und Geschäftsimmobilienprojekte verschoben oder sogar gar aufgegeben worden seien.

Geberits Kerngeschäft rund um Installations- und Spülsysteme sowie Rohrleitungssysteme leidet folglich unter der aktuellen Krisenentwicklung und musste im ersten Halbjahr einen Umsatzrückgang von 9,8% hinnehmen. Vor der Coronazeit waren die Schweizer aber äußerst rentabel und erzielten hohe Cashflows. Und das wirkt nun wie ein Stoßdämpfer. Die Margen des Unternehmens blieben letztlich zunächst auch stabil. Dabei lag die Gewinnspanne des Sanitärgeschäfts Ende 2019 bei beachtlichen 21%. Und aufgrund des jüngsten Kursanstiegs notiert die Aktie von Geberit inzwischen auch schon wieder mit einem KGV von 22. Obendrauf gibt es allerdings noch eine verlässliche Dividendenrendite von 3,0%. Insgesamt erfüllt sie damit aber letztlich wichtige Kriterien für eine Notierung im Qualitätsaktien-Index.

Der TraderFox High-Quality-Stocks Europe ist ein europäischer Index, der in sogenannte Burggraben-Unternehmen investiert. Diese Gesellschaften zeichnen sich durch hohe Markteintrittsbarrieren oder Wettbewerbsvorteile aus. Das kann eine starke Marke, ein hervorragendes Kostenmanagement oder Unternehmensgröße sein, die potenzielle Wettbewerber daran hindert, einen lukrativen Markt zu betreten. Europäische Unternehmen dieses Typs zeichnen sich durch gute operative Kennzahlen aus, wozu etwa hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie eine hohe Umsatz- und Gewinnstabilität gehören. Damit sind die zukünftigen Gewinn- und Zahlungsreihen relativ sicher und gut prognostizierbar.



Leichte Abgaben verbucht nach dem guten Kursverlauf der vergangenen Monate heute im Qualitäts-Index auch die KONE-Aktie. Derzeit notiert sie damit weiter in der Nähe ihres Jahreshochs bei 70,40 Euro. Der finnischen Aufzugs- und Rolltreppenbauer geht neben seinem regulären Anlagen- und Servicegeschäft gegenwärtig neue Wege. Denn Gebäude werden zunehmend vernetzt und flexibel gesteuert, um Sicherheit und Komfort für Nutzer zu erhöhen und den Wert der Immobilien letztlich auch zu steigern. Damit sind digitale Lösungen auch für Lifte und Fahrtreppen gefragt, um einen durchgehend optimalen Personenfluss auch in der Zukunft zu gewährleisten. Die Antwort hierfür liefert KONE durch die jüngst bekannt gegebene Zusammenarbeit mit dem US-Technologieriesen IBM. Dank des Partners können die Finnen künftig intelligente Anwendungen mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI) seitens der IBM-Computertechnologie Namens Watson nutzen, die moderne und vernetzte Gebäudeaufzüge und -Rolltreppen ermöglicht.

Mit den neuen digitalen Lösungen schafft KONE für Architekten, Planer, IT-Anbieter und technische Gebäudeausrüster schrittweise eine Vielzahl von Möglichkeiten, Gebäude wirtschaftlicher, umweltfreundlicher und komfortabler zu planen und zu nutzen, teilte das Unternehmen hierzu mit. Die Geschäfte des Aufzugsspezialisten wurden zuletzt aber insbesondere in China, Indien und Südeuropa von der Corona-Ausbreitung belastet. In den anderen Regionen wie Nordeuropa und den USA brummten die Sparten des Unternehmens dagegen kräftig. Und auch der Auftragseingang lag bei KONE Ende März mit 2,8 Mrd. Euro um 0,7% höher. Dabei hatte das Management im April noch den Ausblick für 2020 leicht gesenkt und aufgrund von COVID-19 nur noch unveränderte Erlöse und Margen Investoren gegenüber in Aussicht gestellt.

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