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Von TraderFox
29. September 2020

Auch nach dem teils deutlichen Kursanstieg zum Wochenbeginn kommt es beim TraderFox High-Quality-Stocks Europe-Index am Dienstag zu erneuten Zugewinnen. Der Index steigt dabei am Nachmittag um 0,5% auf 120,40 Punkte. Spirituosenproduzent Diageo verkündet überraschend die Erholung des US-Geschäfts und erhöht den Ausblick bis Ende 2020. Deutsche Börse verkauft seine “Regulatory Reporting Hub“ und rechnet bis Mitte Oktober mit einer Entscheidung über das Kaufgebot für den Börsenbetreiber Borsa Italia.

Mit weit über 6% war am Montag im Qualitäts-Index die Aktie von Diageo der unangefochtene Highflyer. Heute dagegen gibt sie wieder etwas nach und notiert gegenwärtig bei 29,13 Euro. Das Management des britischen Premium-Spirituosenherstellers konnte gestern eine unerwartet deutliche Verbesserung der Geschäftsentwicklung nach den zeitweise schwierigen Corona-Monaten vermelden. Unternehmensangaben zufolge ist Diageo dabei überraschend gut in das neue Geschäftsjahr 2020/21, das am 1.Juli gestartet war, gekommen. Beigetragen hat dazu offenbar vor allem der positive Verlauf des US-Geschäfts, was dank einer robusten Nachfrage sogar zu Marktanteilsgewinnen bei Spirituosen geführt hat. Für das erste Halbjahr erwarten die Briten, die mit ihren exklusiven Marken wie Johnnie Walker, Smirnoff, Bailey's und dem traditionellen Guinness-Bier weltweit in über 180 Ländern präsent sind, eine Verbesserung beim Nettoumsatz und operativen Gewinn gegenüber den jüngsten Pandemiequartalen (Januar bis Juni), in denen Diageo`s Erlöse noch um 24% auf 4,55 Mrd. GBP eingebrochen waren. Für das Unternehmen, dessen Absatz sich zuletzt insbesondere aus Scotch (23%), Bier (15%) und Vodka (11%) sowie kanadischem Whiskey und verschiedenen Rum-, Tequila- und Ginsorten größtenteils zusammensetzt, dürfte damit die operative Talsohle durchschritten worden sein.

Allerdings stehen dem verbesserten Ausblick das anhaltend schwierige Marktumfeld im globalen Reiseeinzelhandelsgeschäft (Airports/Bahnhöfe) sowie die zu erwartenden Belastungen durch die sich verschärfenden Covid-19-Maßnahmen der Regierungen in Ländern wie Frankreich, Spanien, Großbritannien gegenüber. Fundamental ist die Diageo-Aktie aber durchweg kaufenswert, da sich Investoren in ein normalerweise rezessionssicheres Geschäftsmodell mit einem äußerst robusten Unternehmensportfolio einkaufen. Der Getränkeproduzent ist in vielen internationalen Märkten bereits die Nr.1 oder auf dem Weg dorthin. Der gruppenweite Umsatz konnte in normalen wirtschaftlichen Zeiten jedenfalls von 2014/15 bis zuletzt 2018/19 um rund 20% gesteigert werden. Und als Qualitätswert wird Diageo mit dem aktuellen 20er KGV auch weiterhin mit einem Premiumaufschlag an der Börse gehandelt.

Der TraderFox High-Quality-Stocks Europe ist ein europäischer Index, der in sogenannte Burggraben-Unternehmen investiert. Diese Gesellschaften zeichnen sich durch hohe Markteintrittsbarrieren oder Wettbewerbsvorteile aus. Das kann eine starke Marke, ein hervorragendes Kostenmanagement oder Unternehmensgröße sein, die potenzielle Wettbewerber daran hindert, einen lukrativen Markt zu betreten. Europäische Unternehmen dieses Typs zeichnen sich durch gute operative Kennzahlen aus, wozu etwa hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie eine hohe Umsatz- und Gewinnstabilität gehören. Damit sind die zukünftigen Gewinn- und Zahlungsreihen relativ sicher und gut prognostizierbar.



Im heute wieder leicht nachgebenden Marktumfeld verzeichnet auch die Aktie der Deutschen Börse im Qualitäts-Index überschaubare Abgaben auf derzeit 150,90 Euro. Dabei hatte der Frankfurter Börsendienstleister jüngst bekanntgegeben, sich von seiner “Regulatory Reporting Hub“ trennen zu wollen. Mit der europaweiten Plattform der Gruppe wurden bislang umfassende Reporting-Lösungen gebündelt und Kunden als Teil der Wertschöpfungskette zugänglich gemacht. Über den Hub konnten sowohl Sellside- und Buyside-Institutionen als auch Unternehmen sowie Handelsplätze, ihre aktuellen und künftigen regulatorischen Anforderungen effizient und zuverlässig erfüllen. Darunter fiel neben der europaweiten Berichterstattung an alle relevanten Aufsichtsbehörden (NCAs) auch die Einhaltung von Transparenzanforderungen wie MiFID II und EMIR. Als möglichen Käufer hat die Deutsche Börse hierfür den amerikanischen Anleiheplattformhändler MarketAxess gefunden, ein Preis für den Verkauf wurde allerdings nicht genannt. Die Transaktion soll aber dem Vernehmen nach bis Ende 2020 abgeschlossen werden.

Der Börsenplattbetreiber selbst befindet sich aber ungeachtet der geplatzten Fusion mit der Londoner Börse LSE vor mehr als 3 Jahren weiterhin auf der Suche nach einem strategisch geeigneten Übernahmekandidaten. Aus diesem Grund hatten die Frankfurter jüngst auch ein Kaufgebot für Italiens größte Börsengesellschaft Borsa Italiana abgegeben, obwohl die Chancen seitens Analysten für die Deutsche Börse als eher gering eingeschätzt werden. Zumal die LSE als wichtigster Anteileigner des italienischen Börsenbetreibers nun sogar exklusive Gespräche mit dem europäischen Börsenplatz Euronext führen soll. Bis 16.Oktober könnte es hierzu aber eine endgültige Entscheidung geben. Für den Vorstand der Deutschen Börse dürften also größere Übernahmen weiterhin auf der Tagesordnung stehen, die Kassen sind jedenfalls nach den starken Umsatzzuwächsen der letzten Monate prall gefüllt.

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