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Von Christina Rothfuß
27. Juli 2022

Vor der heutigen US-Zinsentscheidung zeigt sich der TraderFox High-Quality-Stocks Europe-Index kaum verändert. Am Nachmittag liegt der Index aber leicht im Plus bei 125,85 Punkten. Deutsche Börse verbucht in Q2 dank hoher Unsicherheiten an den Märkten einen Umsatzanstieg von 15 % und erhöht die bisherigen Jahresziele leicht. Software-Anbieter Wolters Kluwer erwartet in diesem Jahr angesichts des robusten Kundenkreises mit 4 bis 6 % Plus erneut Rekordeinnahmen und eine operative Marge von 26 %.  

 

Zu einem der heutigen Tagesfavoriten hat sich am Mittwoch im Qualitäts-Index die Aktie der Deutschen Börse entwickelt. Dabei steigt sie aktuell um 1,4 % auf 165,40 Euro. Der Frankfurter Börsendienstleister hatte gestern Abend seine Zahlen zum 2. Quartal vorgelegt. Und nach einem zuletzt starken operativen Verlauf ist das Management jetzt sogar noch optimistischer für das Gesamtjahr. So wird beim Nettoerlös inzwischen mit einem Rekordwert deutlich über dem ursprünglichen Planwert von 3,8 Mrd. Euro für 2022 von der Unternehmensführung angestrebt. Die Deutsche Börse profitierte in den 3 Monaten bis Ende Juni von einer anhaltend hohen Unsicherheit an den Finanzmärkten, die vor allem das Risikoabsicherungs-Geschäft der Derivatetochter Eurex antrieb. Aber auch steigende Zinsen und ein reger Handel am Gasmarkt sorgten für zweistellige Zuwächse. Am Ende legte der Nettoerlös um 15 % auf 1,02 Mrd. Euro und auch das operative Ergebnis war mit einem Plus von 13 % auf 585 Mio. Euro überragend. Neben einem starken strukturellen Wachstum wirkt sich insbesondere das steigende Zinsumfeld zunehmend positiv auf unsere Erlöse aus, sagte der Deutsche Börse-Finanzchef zu den Zahlen. Wir gehen davon aus, dass die Volatilität in den meisten Anlageklassen weiterhin hoch bleibt und der zyklische Rückenwind somit ein zusätzlicher Wachstumsmotor sein wird. Bei dem Finanz- und Analysedatenanbieter war im 2. Quartal aber der Großteil des Wachstums vor allem durch neue Kunden im Bereich mit sogenannten ESG-Produkten sowie einer höheren Nachfrage nach Angeboten rund um Daten.

Darüber hinaus kamen bei der Deutsche Börse insgesamt 6 % der Quartalserlöse durch zyklische Effekte wie ein höheres Volumen bei Absicherungsgeschäften, Gasprodukten und Zinserträgen im Bankgeschäft zustande. Die weiterhin hohe Inflation, die zu steigenden Zinssätzen und damit auch zu einer größeren Volatilität an den Finanzmärkten führt, spielt dem Börsenplattformbetreiber damit in diesem Jahr einmal mehr in die Hände. Bislang steht das operative Ziel bei der Deutschen Börse im Raum, in den Jahren bis 2023, auch mithilfe von strategischen Zukäufen, im Durchschnitt 10 % Wachstum erzielen zu wollen. Zuletzt belief sich jedenfalls die Gewinnmarge aus den Börsenabwicklungs-Geschäften auf überragende 28 %. Und die Aktie wird derzeit auch nur mit einem moderaten 2023er KGV von 14 bewertet. Die gegenwärtig beachtliche Robustheit gegenüber dem Gesamtmarkt dürfte sich bei dem Papier also noch eine Weile fortsetzen.

Der TraderFox High-Quality-Stocks Europe ist ein europäischer Index, der in sogenannte Burggraben-Unternehmen investiert. Diese Gesellschaften zeichnen sich durch hohe Markteintrittsbarrieren oder Wettbewerbsvorteile aus. Das kann eine starke Marke, ein hervorragendes Kostenmanagement oder Unternehmensgröße sein, die potenzielle Wettbewerber daran hindert, einen lukrativen Markt zu betreten. Europäische Unternehmen dieses Typs zeichnen sich durch gute operative Kennzahlen aus, wozu etwa hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie eine hohe Umsatz- und Gewinnstabilität gehören. Damit sind die zukünftigen Gewinn- und Zahlungsreihen relativ sicher und gut prognostizierbar.

Nach dem zuletzt schon starken Kursverlauf erklimmt im Qualitäts-Index am Mittwoch die Aktie von Wolters Kluwer mit einem leichten Anstieg auf 103,90 Euro fast ein neues Jahreshoch. Der Grund hierfür ist vor allem die anhaltend robuste operative Entwicklung bei der niederländischen und weltweit aktiven Unternehmensgruppe, die neben professionellen Softwareprodukten und Informations-Dienstleistungen auch Lehrbücher, Nachschlagewerke und Online-Analysedaten offeriert. Zum Kundenkreis gehören dabei neben zahlreichen mittelständischen Firmen auch Rechtsanwaltskanzleien, Steuerberater oder auch der öffentliche Sektor. Wolters Kluwer unterstützt mit seinen Informations- und Datenlösungen letztlich unter anderem Finanzabteilungen und -unternehmen, ihren Verpflichtungen gegenüber externen Regulierungsbehörden zu erfüllen. Im Bereich Steuern und Buchhaltung helfen die Niederländer mit ihren Software-Diensten zahlreiche Produktivitätsprozesse zu steigern. Aber auch Experten in Kanzleien, Notariaten, Rechtsabteilungen können mit den Anwendungen effizienter arbeiten und Risiken minimieren. Und die Geschäfte von Wolters Kluwer sind keinen zyklischen Konjunkturschwankungen ausgesetzt, vor allem auch weil staatliche Behörden oder auch Steuerbüros potenzielle Lizenznehmer und Softwareabonnenten sind. Die Wachstumszahlen für 2021 waren jedenfalls mit einem organischen Erlösanstieg um 6 % auf 4,77 Mrd. Euro erneut sehr robust ausgefallen.

Auch die Covid-19-Pandemie hatte dabei nur noch einen überschaubaren Effekt auf den Geschäftsverlauf des Qualitätsunternehmens. Und über 80 % davon kamen sogar über wiederkehrende Umsätze herein. Insgesamt verbuchte Wolters Kluwer mit den Informations- und Datendiensten gut 92 % der Gesamterlöse, während der Rest über die Digital & Services-Sparte eingenommen wurde. Zudem lag auch der freie Cashflow mit 1,01 Mrd. Euro gut 15 % über dem Vorjahreswert. Zuletzt wurde in Spanien sogar der Marktführer unter den Software-Anbietern für Anwaltskanzleien, Level Program, übernommen, was die Expansion  des Unternehmens gerade in Europa vorantreibt. Im Jahr 2022 will Wolters Kluwer folglich auch erneut robuste Rekorderlöse erzielen, rechnet aber angesichts zahlreicher Herausforderungen mit einem etwas geringeren organischen Wachstum als im Vorjahr. Dennoch soll die operative Marge leicht auf 26 % zulegen.

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