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Von Liridona Preniqi
09. November 2023

Ungeachtet der heutigen erneuten Flut an Geschäftsberichten tendiert der TraderFox High-Quality-Stocks Europe-Index am Donnerstag wieder leicht nach unten. Am Nachmittag liegt er folglich mit 0,8 % im Minus bei 120,90 Punkten. Payment-Spezialist Adyen begeistert Investoren mit neuen Wachstumsprojektionen, die einen jährlichen Umsatzanstieg bis 2026 im niedrigen bis hohen Zwanziger-Prozentbereich vorsehen. Daten- und Informationsanbieter Wolters Kluwer will mit neuem MFAS-Deal die eigene “Legal & Regulatory“-Sparte mit Bezug zu den Benelux-Ländern stärken.

Im heutigen Markumfeld schießt im Qualitäts-Index die Aktie von Adyen im Zuge neuer Wachstumsprojektionen um über 30,0 % nach oben auf aktuell 933,00 Euro. Dabei mussten die Papiere des Payment-Anbieters noch im August einen deutlichen Dämpfer hinnehmen. Die niederländische Firma, die 2006 gegründet wurde, zählt aber noch immer zu den erfolgreichsten Unternehmen, die den Zahlungsverkehr im Onlinebereich und von stationären Einzelhändlern vereinfachen. Zumal Adyen mit seinen Abwicklungs-Technologien weltweit auch dafür sorgt, dass Händler unter anderem über das Internet einfach mit allen möglichen Zahlungsarten wie Kreditkarten, Apple Pay oder Klarna bezahlt werden können. Heute haben jedenfalls neue Aussagen des Managements mehr Klarheit über die Wachstumsziele von Adyen für die kommenden Jahre gebracht. Die Ambitionen des Fintech-Unternehmens sind dabei zwar nicht mehr ganz so hoch, dennoch mindern sie die im Sommer nach Halbjahreszahlen hochgekochten Zukunftssorgen. Auch der von Adyen heute vorgelegte Bericht vom 3. Quartal überzeugte, denn das Wachstumsniveau des 1. Halbjahres konnte damit gehalten werden. Letztlich will der Zahlungsdienstleister, der Firmen wie Facebook, Netflix und Spotify zu seinen Kunden zählt, den Nettoumsatz nun bis 2026 jährlich im niedrigen bis hohen Zwanziger-Prozentbereich steigern. Analysten und Investoren zeigten sich von Adyens neuen Projektionen jedenfalls begeistert. Vor allem nachdem der Software-Entwickler in der Vergangenheit noch einen Wert im mittleren Zwanziger- bis niedrigen 30er-Prozentbereicht avisiert hatte.

Jedes Jahr soll dann von den Einnahmen auch mehr als 50,0 % als operative Marge hängen bleiben, was noch immer ein Spitzenwert wäre. Und auch mit den heutigen Q3-Zahlen konnten die Niederländer punkten. Adyen überzeugte dabei vor allem mit Robustheit bei den Erlösen. In den 3 Monaten bis Ende September stieg zudem das weltweite Transaktionsvolumen gegenüber dem Vorjahr um rund 20,0 % auf 243 Mrd. Euro. Gut kamen zudem auch Äußerungen zum Personalaufbau an, der 2023 wohl doch nicht ganz so hoch ausfallen soll. Aber Adyen profitiert damit weiterhin vom globalen Trend hin zum bargeldlosen Bezahlen sowie dem immer effizienteren Zusammenspiel von Online- und Offline-Handel. 2022 war jedenfalls ein beineindruckendes Wachstumsjahr, wenn auch nicht mehr ganz so dynamisch wie während der Corona-Pandemie. Insgesamt verarbeitete Adyen als Payment-Spezialist aber über seine Hard- und Softwarelösungen weltweite Zahlungen von 767,5 Mrd. Euro, und damit rund 50,0 % mehr als 2021. Von den Transaktionen gingen gut 1,2 % an das ehemalige Start-up-Unternehmen, was zu einem Umsatzanstieg von 33,0 % führte. Und da Adyen mit zuletzt über 4.500 globalen Kunden eine scheinbar unantastbare Nische im Zahlungsabwicklungsmarkt gefunden hat, dürfte der Aktienkurs die heutige Erholung womöglich fortsetzen.

Der TraderFox High-Quality-Stocks Europe ist ein europäischer Index, der in sogenannte Burggraben-Unternehmen investiert. Diese Gesellschaften zeichnen sich durch hohe Markteintrittsbarrieren oder Wettbewerbsvorteile aus. Das kann eine starke Marke, ein hervorragendes Kostenmanagement oder Unternehmensgröße sein, die potenzielle Wettbewerber daran hindert, einen lukrativen Markt zu betreten. Europäische Unternehmen dieses Typs zeichnen sich durch gute operative Kennzahlen aus, wozu etwa hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie eine hohe Umsatz- und Gewinnstabilität gehören. Damit sind die zukünftigen Gewinn- und Zahlungsreihen relativ sicher und gut prognostizierbar.

Im Qualitäts-Index präsentiert sich heute auch die Wolters Kluwer-Aktie mit 1,8 % im Plus bei 123,20 Euro. Die noch immer starke Performance der Papiere ist nicht ungewöhnlich, immerhin hatte der Informations- und Datendienstleister bereits im Sommer für 2023 neuerliche Rekordeinnahmen in Aussicht gestellt. Außerdem setzt das Unternehmen auch weiterhin auf gezielte Akquisitionen. Erst im Oktober teile Wolters Kluwer mit, dass die Übernahme von MFAS, einem niederländischen Anbieter von Steuer-Lösungen und Produktivitäts-Tools, unterzeichnet und abgeschlossen wurde. MFAS wird damit Teil der “Legal & Regulatory“ (LR)-Sparte der Gruppe, mit Bezug zu den Benelux-Ländern. Die künftige Tochter, deren Lösungen von Steuerfachleuten, Wirtschaftsprüfern und Finanzplanern in den Niederlanden genutzt werden, wird damit in das Produktportfolio von Wolters Kluwer integriert. MFAS ist ein wichtiger Akteur auf dem niederländischen Markt für Steuerinhalte, der unsere bestehenden Software- und Nachschlageanwendungen für Rechts- und Steuerfachleute perfekt ergänzt, kommentierte der Geschäftsführer von Wolters Kluwer LR Benelux den jüngsten Zukauf. Der MFAS-Deal dürfte sich aber laut Wolters Kluwer nur unwesentlich auf die künftige Ergebnisentwicklung bei dem führenden Anbieter von Informations- und Softwarelösungen auswirken.

Dennoch soll die neue Tochter innerhalb von 3 bis 5 Jahren eine Kapitalrendite (ROIC) erzielen, die über den Kapitalkosten der Unternehmensgruppe von zuletzt gut 8,0 % liegen soll. Schon Anfang des Jahres hatte Wolters Kluwer das britische Technologieunternehmen Della AI gekauft, das sich auf Künstliche Intelligenz (KI) im Bereich erweiterter Sprachanalyse spezialisiert hat. Mit dem Erwerb wurde bereits die eigene Legal & Regulatory-Sparte gestärkt, die mit ihren angebotenen Softwarediensten vor allem Anwaltskanzleien unterstützt. Rechtsanwälte können dabei mit der von Della AI entwickelten KI-Software ausgearbeitete oder vorliegende Verträge rechtlich mehrsprachig auswerten. Wolters Kluwer wird mit seinem Software- und Datengeschäft allerdings an der Börse trotz der weiterhin robusten Aussichten mit einem KGV von 25 bereits hoch bewertet. Aber Qualität hat ja bekanntlich seinen Preis.

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