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Von TraderFox
06. Oktober 2021

Nach den kräftigen Gewinnen vom Dienstag bewegt sich der TraderFox High-Quality-Stocks Europe-Index angesichts zunehmender Inflationsängste am Mittwoch wieder nach unten. Am Nachmittag liegt er folglich mit 1,1% im Minus bei 144,90 Punkten. Zahlungsdienstleisters Adyen profitiert von beschleunigter Digitalisierung im Online- und Offline-Handel und kommt dabei auf hohe Gewinnmargen. Mehrländerbörse Euronext verzeichnet in 2021 bereits 14 Neuzugänge und will durch Innovationen künftig organisch um 2 bis 3% wachsen.

Im heutigen schwierigen Markumfeld gibt im Qualitäts-Index auch die Aktie von Adyen um aktuell 1,1% auf 2.420,00 Euro nach. Die niederländische Firma, die 2006 gegründet wurde, zählt derzeit zu den erfolgreichsten Unternehmen, die den Zahlungsverkehr im Onlinebereich und von stationären Einzelhändlern vereinfachen. Letztlich sorgt Adyen mit seinen Abwicklungs-Technologien weltweit dafür, dass Händler unter anderem über das Internet einfach mit allen möglichen Zahlungsarten wie Kreditkarten, Apple Pay oder Klarna bezahlt werden können. Und die Kundenliste ist dabei durchaus beeindruckend. So setzen beispielweise die Streaming-Anbieter Netflix und Spotify, aber auch Technologieunternehmen wie Facebook, Ebay und Uber sowie die Fashionkette H&M und der Kosmetikriese L'Oréal auf die Dienste des Zahlungsdienstleisters. Aktuell sind es über 4.500 global tätige Firmenkunden. Adyen hat sich auch während der Pandemie gut geschlagen. Insgesamt verarbeiteten die Niederländer im Jahr 2020 rund 27% mehr Einkäufe als im Vorjahr. Von diesen Transaktionen gingen schließlich gut 1,2% an das Unternehmen. Zieht man davon noch die Gebühren ab, die an Kreditkartenfirmen wie Mastercard und Visa bezahlt wurden, blieb im letzten Jahr ein enorm gestiegener Umsatz von 3,64 Mrd. Euro stehen. Das entsprach zu 2019 einem Wachstum von beachtlichen 28%. Aus seinen Erlösen generiert Adyen mit 1.700 Mitarbeitern zudem auch noch relativ viel Gewinn, und das bereits seit 2011. Im Corona-Jahr wuchs er um 12% auf 261 Mio. Euro. Das war im Verhältnis zum Umsatz eine Reingewinn-Marge von 8%.

Dieses Zahlen spiegeln vor allem die allgemein beschleunigte Digitalisierung beeindruckend wider. Viele Einzelhändler, die bereits mit Adyen zusammenarbeiteten, eröffneten oder erweiterten im Zuge der Virus-Ausbreitung ihre Online-Shops. Dazu gewinnt das effiziente Zusammenspiel von Online- und Offline-Handel immer mehr an Bedeutung. Auch der Trend zum bargeldlosen Bezahlen spielt dem Unternehmen letztlich in die Hände. Der anhaltende Erfolg aber auch die Komplexität im globalen Zahlungsverkehr zieht aber auch Konkurrenten an. Adyen besitzt zwar seit 2017 für seine Abwicklungsgeschäfte eine EU-Banklizenz, und seit Mitte Juni sogar auch für die USA. Gerade im Zahlungsverkehrsmarkt gibt es aber viele weitere Wettbewerber, die sich ein Stück vom Kuchen abschneiden wollen. Zu ihnen zählen ähnlich spezialisierte US-Technologiefirmen wie Stripe und Square, oder Checkout.com aus Großbritannien und Mollie, ebenfalls aus den Niederlanden. Zudem interessieren sich zunehmend auch die großen amerikanischen und asiatischen Technologieriesen für den Markt auf dem Adyen so erfolgreich agiert. Apple Pay, Google Pay, Samsung Pay, Alipay und so weiter sind erste Berührungspunkte der Branche mit dem digitalen Zahlungsverkehr, der künftig weiterhin hohe Wachstumsraten verspricht.

Der TraderFox High-Quality-Stocks Europe ist ein europäischer Index, der in sogenannte Burggraben-Unternehmen investiert. Diese Gesellschaften zeichnen sich durch hohe Markteintrittsbarrieren oder Wettbewerbsvorteile aus. Das kann eine starke Marke, ein hervorragendes Kostenmanagement oder Unternehmensgröße sein, die potenzielle Wettbewerber daran hindert, einen lukrativen Markt zu betreten. Europäische Unternehmen dieses Typs zeichnen sich durch gute operative Kennzahlen aus, wozu etwa hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie eine hohe Umsatz- und Gewinnstabilität gehören. Damit sind die zukünftigen Gewinn- und Zahlungsreihen relativ sicher und gut prognostizierbar.

Relativ robust zeigt sich am Mittwoch im Qualitäts-Index dagegen die Aktie von Euronext, die nur leichte Abgaben auf 97,90 Euro hinnehmen muss. Dabei sind für den niederländischen Börsenplattform-Betreiber die ersten 9 Monate sehr gut verlaufen. Das gesamte Jahr über hat das Unternehmen, das vor allem auch vom Brexit mit dem ins Hintertreffen geratenen Finanzplatz London profitiert, bereits 14 Neuzugänge beim IPO-Geschäft verzeichnet. Der größte Börsengang des laufenden Jahres war für Euronext diesbezüglich die jüngste Notierung der Universal Music Group. Hinter der Plattenfirma, die dabei mit fast 47 Mrd. Euro bewertet wurde, stehen immerhin Künstler wie Lady Gaga, Taylor Swift und Metallica, aber auch die Rolling Stones und Helene Fischer werden von dem Unternehmen betreut. Der Pariser Medienkonzern Vivendi hatte das gut laufende Musiklabel ausgegliedert, um Kasse zu machen. Euronext konnte im September zudem auch die Bertelsmann-Tochter Majorel in Amsterdam an der Börse begrüßen. Majorel ist als Call-Center-Betreiber mit mehr als 60.000 Beschäftigten in rund 30 Ländern aktiv. Der Umsatz lag laut Bilanz 2020 bei rund 1,38 Mrd. Euro. Schon im Frühjahr hatte das Management der Mehrländerbörse einen 3-Jahresplan “Let’s Grow Together 2022“ herausgegeben, mit dem die Infrastruktur im europäischen Aktienhandels- und IPO-Geschäft vor allem durch Innovationen und Übernahmen deutlich ausgebaut werden sollte.

Demnach soll bei Euronext das organische Wachstum in dieser Zeit bei 2 bis 3% liegen, und eine 60%ige operative Marge erreichen. Zwar stand der Finanzdienstleister zuletzt auch wegen der komplexen Übernahme der italienischen Börse im Fokus, deren Integration inzwischen abgeschlossen wurde. Das eigentliche Wertpapiergeschäft des Unternehmens wurde davon aber nicht beeinflusst. Die gruppenweiten Erlöse kletterten noch im letzten Jahr dank der hohen Volatilität an den Börsen um gut 30% auf 884 Mio. Euro. Der größte Umsatzanteil (365 Mio. Euro) wurde bei Euronext dabei vor allem mit dem Handel von gelisteten Aktien und Derivaten, also der Absicherung von Risiken, beziehungsweise der Abwicklung und Verwahrung von Wertpapieren verdient.

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