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Von Christina Rothfuß
09. Februar 2024

Trotz Rekordständen bei den US-Börsen fehlen dem TraderFox High-Quality-Stocks Europe-Index am Freitag wichtige Impulse von der Konjunkturseite. Am Nachmittag tendiert er folglich leicht im Minus bei 120,90 Punkten. Payment-Spezialist Adyen begeistert Investoren nach Jahreszahlen neben gestiegenen Marktanteilen auch mit 2026er-Projektionen, die über 50,0 % an operativer Marge anvisieren. Private-Equity-Investor EQT plant offenbar eine Wiederbelebung des 2022 verschobenen Schweizer Börsengangs von Hautpflegekonzern Galderma.

Im gestrigen Marktumfeld schoss im Qualitäts-Index die Aktie von Adyen im Rahmen starker Halbjahreszahlen um über 20,0 % nach oben. Und auch am Freitag legt sie über 5,0 % auf aktuell 1.499,50 Euro zu. Dabei konnte der niederländische Payment-Anbieter gestern unerwartete Marktanteilsgewinne für das 2. Halbjahr vermelden, was zu einem deutlichen Sprung bei Umsatz und operativem Gewinn geführt hat. Angesichts der überraschend positiven Entwicklung von Adyen im vergangenen Jahr zeigte sich die Geschäftsführung zudem zuversichtlich, auch mittelfristig abliefern zu können. Investoren waren jedenfalls begeistert, und griffen bei den Papieren ordentlich zu. Adyen als Plattform-Entwickler zählt also noch immer zu den erfolgreichsten IT-Unternehmen, die den Zahlungsverkehr im Onlinebereich und von stationären Einzelhändlern vereinfachen. Durch den Ausbau bestehender Kundenbeziehungen sei der Umsatz in der 2. Jahreshälfte um fast ein Viertel auf 887,0 Mio. Euro gestiegen, teilte das Unternehmen gestern mit. Noch im 1. Halbjahr hatte Adyen Probleme mit den Folgen hoher Inflation und starken Preiskämpfen, besonders in Nordamerika. Daraufhin hatten viele Anleger angezweifelt, ob der Konkurrent von Zahlungsabwicklern wie Paypal, Visa und Stripe seinen Umsatz generell noch steigern kann. Die neuen Ambitionen des Fintech-Unternehmens sind allerdings nicht mehr ganz so hoch, dennoch mindern sie die im Sommer nach den Halbjahreszahlen hochgekochten Zukunftssorgen.

Adyen kümmert sich letztlich um die Zahlungsabwicklung für Unternehmen wie Online-Händler Zalando, Netflix und Spotify oder auch beim Billigflieger Easyjet. Bis 2026 will der Payment-Spezialist jährlich den Nettoerlös im niedrigen bis hohen Zwanziger-Prozentbereich steigern, wie gestern bekannt wurde. Über 50,0 % des Umsatzes soll dann als operative Marge übrig bleiben, was ein Spitzenwert wäre. Gut kamen zudem auch Management-Äußerungen zum Personalaufbau bei Adyen an, der 2023 nicht ganz so hoch ausfiel. Zumal noch im 1. Hj. der operative Gewinn eingebrochen war, weil viele neue Positionen im Unternehmen besetzt wurden. Der Aufbau unseres Teams innerhalb der vergangenen 2 Jahre war eine antizyklische Entscheidung im Vergleich zum Großteil der Branche, verteidigte der Vorstand von Adyen aber seine Strategie in einem Brief an die Aktionäre. 2024 will der Software-Entwickler aber gerade in Schlüsselmärkten seine Vertriebsmannschaft ausbauen und neue Büros errichten. Adyen dürfte damit weiterhin ein Profiteur vom globalen Trend hin zum bargeldlosen Bezahlen trotz starken Wettbewerbern wie Apple und Google bleiben. Auch, weil die entwickelten Hard- und Softwarelösungen des Unternehmens noch immer hochinnovativ und zukunftsweisend sind. Und Adyen damit auch weiter beeindruckend hohe Margen einfährt.

Der TraderFox High-Quality-Stocks Europe ist ein europäischer Index, der in sogenannte Burggraben-Unternehmen investiert. Diese Gesellschaften zeichnen sich durch hohe Markteintrittsbarrieren oder Wettbewerbsvorteile aus. Das kann eine starke Marke, ein hervorragendes Kostenmanagement oder Unternehmensgröße sein, die potenzielle Wettbewerber daran hindert, einen lukrativen Markt zu betreten. Europäische Unternehmen dieses Typs zeichnen sich durch gute operative Kennzahlen aus, wozu etwa hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie eine hohe Umsatz- und Gewinnstabilität gehören. Damit sind die zukünftigen Gewinn- und Zahlungsreihen relativ sicher und gut prognostizierbar.

Deutliche Kursgewinne konnte in den letzten Monaten im Qualitäts-Index auch die Aktie von EQT Partners hinlegen. Am Freitag liegt sie auch erneut mit 1,0 % im Plus bei 24,80 Euro. Die Erholung bei den Papieren der Private-Equity- und Investmentgruppe wird neben den Zinssenkungshoffnungen dabei auch von der Nachricht gestützt, dass das Unternehmen offenbar den 20-Mrd.-USD-Börsengang von Galderma wiederbeleben will. Der schwedische Private-Equity-Gigant EQT hat seine Börsenpläne für den Schweizer Hautpflegekonzerns Galderma wieder aufgenommen, berichtete die Zeitung Financial Times am Wochenende unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Galderma bereitet sich derzeit auf einen Börsengang in der Schweiz noch in der 1. Hälfte dieses Jahres vor, so der Bericht. Die Bewertung des Unternehmens, an dem EQT nur eine Beteiligung hält, könnte aber demnach bei etwa 20 Mrd. USD liegen. Sowohl EQT als auch Galderma haben allerdings nicht auf Anfragen der Nachrichtenagentur Reuters zu einer Stellungnahme reagiert. Reuters berichtete bereits im Frühling 2022 als erster Medienvertreter, dass die Eigentümer von Galderma ihre Pläne für einen Börsengang aufgrund einer Vertrauenskrise im Bankensektor verschoben hätten. Kurz nach der Verschiebung nahm der Hautpflegespezialist im Juni aber im Zuge einer Privatplatzierung von Aktien rund 1,0 Mrd. USD ein.

EQT hatte aber gleich nach der Absage erklärt, dass die Vorbereitungen für eine Börsennotierung von Galderma fortgesetzt werden, ohne jedoch einen genauen Zeitplan zu nennen. Der ursprüngliche Plan für ein Going-Public an der Schweizer Börse SIX war dann im April 2022 auch wegen des Ukraine-Kriegs verschoben worden. EQT hatte Galderma, die damalige Hautpflegesparte von Nestle im Jahr 2019 als Teil eines Investorenkonsortiums übernommen, dem auch die Abu Dhabi Investment Authority (ADIA) und der kanadische Pensionsfonds PSP Investments angehörten. Sollte das nun für 2024 erneut geplante Börsendebüt von Galderma aber erfolgreich sein, dann wäre dies immerhin der größte Börsengang in der Schweiz seit 2004.

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