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Von Christina Rothfuß
23. Oktober 2023

Die Sorge um eine Eskalation des Nahost-Konflikts lastete am Freitag an den US-Börsen erneut auf den Kursen. Auch der TraderFox Dividenden-Champions Defensive-Index lag am Ende mit 0,7 % bei 20.900 Punkten im Minus. Eisenbahnbetreiber Union Pacific muss einen Q3-Umsatzrückgang um 10,0 % auf 5,94 Mrd. USD verkraften, kann Kosteninflation aber teilweise an Kunden weitergeben. IT-Berater Cognizant will zusammen mit dem KI-Spezialisten Vianai Systems und dessen Lösungen Wachstumschancen und eigene generative KI-Angebote verbessern.

 

Leichte Zugewinne von 0,5 % auf 211,35 USD zeigte am Freitag im TraderFox-Index die Aktie von Union Pacific. Die Papiere des Eisenbahnbetreibers regierten damit auch auf das am Donnerstag vorgelegte, aber durchwachsene Q3-Zahlenwerk. Union Pacific gab dabei auch bekannt, einige Verträge mit Kunden neu verhandeln zu wollen, um dem Inflationsdruck Rechnung zu tragen. Allerdings warnte das Unternehmen, dass es die Auswirkungen des anhaltenden Streiks bei den drei Detroiter Autoherstellern zu spüren bekommt. Das Management von Union Pacific erklärte, man habe sich bei den jüngsten Gesprächen flexibel gezeigt, da die Kunden ebenfalls mit einer Kosteninflation und der schwachen Verbrauchernachfrage nach Waren zu kämpfen hätten. Union Pacific sei aber in der Lage, die Preise bei einigen von ihnen anzupassen, sagte letztlich der Vorstand gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, was am Ende auch die Aktie beflügelt hat. Auf den von Union Pacific betriebenen Eisenbahnstrecken werden von dem Logistiker neben Autos vor allem Waren wie Getreide, Dünger und Kohle befördert. Jedoch wurde der Gewinn im 3. Quartal durch den Rückgang des Frachtaufkommens um 3,0 % belastet, da die erhöhte Inflation sowie gestiegene Kreditkosten die Güternachfrage in Nordamerika gedämpft haben. Aber auch der Anstieg der Arbeitskosten bremste Union Pacific in den letzten 3 Monaten aus. Folglich musste der Streckenbetreiber in Q3 einen Umsatzrückgang um 10,0 % auf 5,94 Mrd. USD verkraften, Analysten hatten hier mit 5,99 Mrd. USD gerechnet.

Und noch sind die Auswirkungen des Streiks bei den US-Automobilherstellern derzeit für das Transportunternehmen ziemlich überschaubar. Obwohl sie laut Vorstandschef bei den Teilen als auch bei fertigen Fahrzeugen “zu spüren“ seien. Für Union Pacific dürfte aber der Schaden noch größer werden, sollte sich der Streik weiter hinziehen. Der von der US-Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) durchgesetzte Streik gegen Ford Motor, General Motors und die Chrysler-Muttergesellschaft Stellantis dauerte am Donnerstag bereits 35 Tage an. Dennoch war das nordamerikanische Eisenbahngeschäft im Quartal mit einer Gewinnmarge von 26,0 % für Union Pacific noch immer hochprofitabel. Die Kostenbelastung hatte sich aber unternehmensseitig zuletzt beschleunigt. So stieg die Kennzahl, die den Betriebsaufwand im Verhältnis zum Umsatz angibt, von 59,9 % im Vorjahr auf 63,4 %. Die Quote hat sich damit in den letzten 6 Quartalen hintereinander erhöht. Der früher eher als zyklisch geltende Eisenbahnspezialist ist aber inzwischen bei der seiner Warenbeförderung breiter aufgestellt. Und für 2023 hat Union Pacific zudem eine Ausschüttungsquote von rund 45,0 % in Aussicht gestellt. Aktuell bringt die Aktie zwar nur eine Kapitalrendite von 2,5 %, die adjustierte Dividendenrendite liegt auf 5-Jahressicht dagegen bei durchschnittlich 4,2 %.

Der TraderFox Dividenden-Champions Defensive-Index ist ein Aktien-Index, der bei der Auswahl der Indexkomponenten neben ausgeschütteten Dividenden auch Aktienrückkäufe und Kapitalerhöhungen berücksichtigt. Die 20 im Index enthaltenen Unternehmen zeichnen sich durch eine hohe adjustierte Dividendenrendite für den Aktionär und eine hohe adjustierte Dividendenrendite für das Gesamtunternehmen sowie eine Steigerung der Dividende in den vergangenen fünf und drei Jahren aus. Zudem wird auch eine niedrige Volatilität der Aktienrenditen bei der Indexauswahl einbezogen.

Einen minimalen Kursanstieg von 0,4 % auf 65,75 USD verbuchte am Freitag im TraderFox-Index auch die Aktie von Cognizant Technology. Das Outsourcing- und Beratungsunternehmen bietet seinen weltweiten Kunden bevorzugt Dienstleistungen rund um Modernisierungs- und Transformations-Technologien an. Cognizant unterstützt sie dabei unter anderem bei der Neugestaltung von IT-Strukturen und internen Prozessen. Hierzu gehört auch das wichtige Thema Künstliche Intelligenz (KI). Zuletzt gab das Unternehmen hierzu auch eine globale “Go-to-Market“-Partnerschaft mit dem amerikanischen KI-Spezialisten Vianai Systems bekannt, um generative KI-Angebote zu beschleunigen. Bei der Kooperation will Cognizant seine Neuro-AI-Technologie mit Vianai's “hila“ Unternehmens-Plattform eine einheitliche Schnittstelle schaffen, um künftig KI-gestützte Entscheidungsfindung zu ermöglichen. Beide Unternehmen versprechen sich von dieser Partnerschaft Wachstumschancen bei ihren Kunden, zumal Cognizant plant, die Vianai-Lösungen mitzuverkaufen. Mit der hila-Software hat Vianai immerhin eine Plattform für den sicheren Einsatz von großen Sprachmodellen (LLM) entwickelt, die so optimiert sind, dass sie mit ihren Datensystemen sprechen. So können Cognizant-Kunden in Zukunft ihre Daten besser analysieren und erforschen, indem sie die “Konversationskraft“ der generativen KI nutzen.

Dem IT-Berater spielt dabei auch das geografisch und nach Industriebereichen gut diversifizierte Geschäftsmodell in die Hände. Schließlich berät Cognizant mit seinem “Know-how“ wichtige Branchen wie den globalen Finanz- und Gesundheitssektor, aber auch zahlreiche Kunden aus dem Medien- und Technologiebereich. Wir glauben, dass wir unseren Kunden mit der Vianai-Plattform und unseren Neuro-KI-Anwendungen eine hochwertige Lösung anbieten können, die eine Datenanalyse mit prädiktiven Entscheidungsmöglichkeiten unterstützt, kommentierte der Vorstand von Cognizant die jüngste KI-Partnerschaft. Zuletzt kam der IT-Dienstleister sogar auf über 355.000 Mitarbeiter, bei einer Umsatzgröße von 19,4 Mrd. USD. Allerdings schwächelte in den letzten Quartalen das Beratungsgeschäft von Cognizant, da weltweit viele Firmen aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheiten IT-Budgets gekürzt haben. Die Aktie notiert aber nur mit einem KGV von 14 und bietet zudem eine Dividendenrendite von unter 2,0 %.

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