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Von Christina Rothfuß
26. April 2022

Die Hoffnung auf gute Quartalsberichte hat am Montag an den US-Börsen trotz Sorgen rund um die rigorose chinesische Corona-Politik wieder mehrheitlich zu Käufen geführt. Auch der TraderFox Dividenden-Champions Defensive-Index zog dabei um 0,5 % auf 20.546 Punkte an. Preiserhöhungen verhelfen Konsumgüterproduzenten Kimberly-Clark in den ersten 3 Monaten zu einem Umsatzsprung von 7 %. Technologiefirma Gentex wird von Lieferketten-Problematik derzeit ausgebremst und kommt gegenwärtig auf eine KGV-Bewertung von 14. 

Deutliche Gewinne von über 10 % konnte bereits am Freitag im TraderFox-Index die Kimberly-Clark-Aktie hinlegen. Die Papiere zogen dann auch am Montag um fast 4 % an, und notierten mit 143,40 USD so hoch wie schon lange nicht mehr. An der Börse kamen jedenfalls die am Freitag veröffentlichten Q1-Zahlen des Konsumgüterherstellers sowie die zugleich angehobenen Umsatzziele des Managements gut an. Ferner will das Unternehmen, das in erster Linie papierbasierte Produkte wie Taschentücher, Toilettenpapier oder auch Reinigungstücher unter Markennamen wie “Kleenex“ oder auch “Camelia“ in über 145 Ländern weltweit verkauft, weiterhin seine Preis- und Kostenstrukturen in diesem Jahr anpassen. Für 2022 kalkuliert Kimberly-Clark aber erstmals mit einem höheren Erlöszuwachs im Bereich von 4 bis 6 %, nach zuvor 3 bis 4 %. Entscheidend hierfür war sein starker Jahresstart, der den Quartalsumsatz unerwartet um 7 % auf 7,1 Mrd. USD gegenüber dem Vorjahr ansteigen ließ. Und das, obwohl negative Währungseinflüsse die Einnahmen um 2 % drückten. Allerdings machten sich in den ersten 3 Monaten auch die im letzten Jahr um im Schnitt 6 % angehobenen Preise deutlich bemerkbar. Vor allem in Nordamerika verzeichnete der Konsumgüterproduzent ein organisches Umsatzwachstum von 13 %. Was Kimberly-Clark aber gegenwärtig weiterhin zu schaffen macht, sind exorbitant steigende Rohstoffpreise unter anderem bei Holz sowie die unterbrochenen Lieferketten. Folglich konnte sich der Hersteller von Windeln und zahlreichen Papierprodukten trotz breitflächiger Preiserhöhungen den inflationären Tendenzen im 1. Quartal nicht ganz entziehen.

Der operative Gewinn lag Ende März mit 629 Mio. auch unter dem Vorjahreswert von 804 Mio. USD. Dies war letztlich die Folge höherer Kosten für Zellstoff und Polymer-basierten Materialien sowie für Vertriebslogistik und Energie. Dies summierte sich bei Kimberly-Clark zusätzlich auf 470 Mio. USD. Auch auf das Gesamtjahr gesehen wird nunmehr mit Mehrkosten in Höhe von 1,2 Mrd. USD gerechnet, statt zuvor nur rund 825 Mio. USD. Was Investoren aber dennoch gefiel, war vor allem die anhaltend stabile Profitabilität des Unternehmens. Da die Kosten teilweise an die Kunden über die Anhebung der Verkaufspreise weitergereicht werden konnten. Immerhin lag die Gewinnmarge bei Kimberly-Clark zuletzt wieder bei beachtlichen 10 %. Und 2022 soll zudem auch das Jahr der 50sten Dividendenerhöhung werden. Allein in den letzten 3 Jahren wurde die Gewinnbeteiligung angesichts robuster Cashflows um gut 14 % angehoben. Und da die Ausschüttungsquote zuletzt bei 75 % lag, bietet das Kimberly-Clark-Papier derzeit auch eine nach wie vor attraktive Kapitalrendite von 3,2 %. 

Der TraderFox Dividenden-Champions Defensive-Index ist ein Aktien-Index, der bei der Auswahl der Indexkomponenten neben ausgeschütteten Dividenden auch Aktienrückkäufe und Kapitalerhöhungen berücksichtigt. Die 20 im Index enthaltenen Unternehmen zeichnen sich durch eine hohe adjustierte Dividendenrendite für den Aktionär und eine hohe adjustierte Dividendenrendite für das Gesamtunternehmen sowie eine Steigerung der Dividende in den vergangenen fünf und drei Jahren aus. Zudem wird auch eine niedrige Volatilität der Aktienrenditen bei der Indexauswahl mit einbezogen.                                                                                                                               

Zu den Gewinnern im TraderFox-Index gehörte am Montag auch die Aktie von Gentex, die dabei ebenfalls um gut 3 % auf 30,55 USD kletterte. Dabei ist der US-Automobilzulieferer und Brandschutzspezialist ungeachtet zahlreicher konjunktureller Hochs und Tiefs der letzten Jahre bei den verlässlichen Dividendenzahlern einzuordnen. Immerhin hat sich seit 2011 die Gewinnbeteiligung des Unternehmens auf zuletzt 0,48 USD nahezu verdoppelt. Gentex beliefert bei seinen Zuliefergeschäften aber neben der weltweiten Autobranche auch Kunden aus der Luftfahrtbranche wie Boeing und Airbus unter anderem mit Flugzeugfenstern. Den Großteil der Gesamterlöse von jüngst 1,73 Mrd. USD erwirtschaftet das Unternehmen aber mit der globalen Automobilindustrie. Mit ihren innovativen und dimmbaren Autorückspiegeln kamen die Amerikaner zuletzt sogar auf einen Weltmarktanteil von über 90 %. Dies bedeutet für Gentex aber auch eine hohe Abhängigkeit von den Autoproduzenten und deren Produktionszahlen. Und da im 1. Quartal die internationalen Fahrzeughersteller aufgrund von anhaltenden Lieferengpässen rund 5 % weniger Autos fertigten, war auch der Umsatz des Zulieferers um 4 % auf 468 Mio. USD rückläufig gewesen. Da aber gerade zu Jahresbeginn unternehmensseitig das schwächste Quartal zu erwarten ist, hat sich die Gentex-Aktie auch schon wieder von ihren Tiefs erholt.

Zumal das Unternehmen inzwischen auch auf sinnvolle Übernahmen und Partnerschaften, gerade im Bereich von zukunftsträchtigen Vernetzungs- und Sensor-Technologien setzt. Das eigentliche Kerngeschäft wird vom Management damit derzeit fit für Zukunftstrends wie E-Mobilität und autonom fahrende Autos gemacht. Gentex ist aber trotz der jüngsten Durststrecke weiter profitabel geblieben, und kam zuletzt auf eine starke Nettomarge von über 20 %, was im Automobilzulieferbereich überdurchschnittlich hoch ist. Zudem arbeitet das Unternehmen ohne Schulden, was vor allem bei wirtschaftlichen Abschwüngen für Sicherheit sorgt. Das Gentex-Papier wird als zyklischer Wert derzeit nur mit einem KGV von 14 bewertet, und bietet Investoren auch nur 1,4 % an Dividendenrendite. Viel interessanter ist aber dagegen die adjustierte Rendite, die im letzten Jahr dank aktiver Aktienrückkäufe bei immerhin 4,8 % lag.

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