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Von Christina Rothfuß
13. September 2023

Kurz vor der Veröffentlichung der US-Verbraucherpreisdaten rutschte die Wall Street am Dienstag trotz starker Banken- und Ölaktien leicht ins Minus. Der TraderFox Dividenden-Champions Defensive-Index legte aber dennoch um 0,2 % auf 21.144 Punkte zu. Kaffeekette J.M. Smucker plant die Snack- und Cookie-Marke “Twinkies“ zu erwerben, und sichert sich damit auch neue Vertriebswege und eine innovative Snack-Pipeline. US-Stimmrechtsberater Glass Lewis und ISS empfehlen den Aktionären von Pipelinebetreiber Magellan Midstream Partners, für den geplanten 18,8-Mrd.-Verkauf an Oneok zu stimmen.



Kräftige Kurseinbußen musste in den letzten beiden Tagen im TraderFox-Index die Aktie von J.M. Smucker hinnehmen. Am Dienstag schloss sie dann bei 129,85 USD. Für den Einbruch ist aber eine milliardenschwere Übernahme verantwortlich, die der amerikanische Kaffeehausbetreiber und Marmeladenhersteller am Montag ankündigte. Immerhin will J.M. Smucker diesbezüglich die US-Snack- und Cookie-Marke “Twinkies“ und dessen Eigentümer Hostess Brands für rund 5,6 Mrd. USD erwerben. Nach dieser Meldung schoss die Hostess-Aktie am Montag folglich um fast 20 % nach oben, während die Papiere von J.M. Smucker im Laufe des Handels einbrachen. Dabei plant die Kaffeekette, die in den USA für ihre Marken “Folgers“ und “Dunkin' “ bekannt ist, insgesamt 34,25 USD pro Aktie für den Süßwarenhersteller zu zahlen. Zusätzlich sollen die Aktionäre von Hostess 30,00 USD in bar erhalten und dazu noch 0,03002 J.M. Smucker-Anteile für jede Hostess-Aktie, die sie besitzen. Bei dem geplanten Deal will J.M. Smucker auch die Schulden in Höhe von rund 900,0 Mio. USD übernehmen. Neben Twinkies gehören zum Sortiment von Hostess auch die Marken “CupCakes“, “Ding Dongs“, “Zingers“ und “Voortman Bakery Cookies“. Dank dieser “süßen“ Produktpalette waren die Erlöse des Unternehmens auf zuletzt gut 1,36 Mrd. USD gewachsen. Für J.M. Smucker geht mit dem Hostess-Kauf offenbar auch ein Wunschkandidat ins Netz. Schließlich verfügt die künftige Tochter über weitreichende Vertriebswege inklusive amerikanischer “Convenience Stores“ und innovativer Snack-Pipeline.

Mit dieser Akquisition bekommen wir eine ikonische Plattform für süße Snacks und können diese Marken, die Verbraucher lieben, künftig mit anbieten, kommentierte am Montag der J.M. Smucker-Vorstand die Pläne. Die Hostess-Gruppe wurde 2013 nach dem Konkurs von Interstate Bakeries und Hostess Brands als privates Unternehmen gegründet, und 2016 an die Börse gebracht. Damals lag die Bewertung bei rund 2,3 Mrd. USD. Jedoch dürfte für J.M. Smucker die Kaufsumme von 5,6 Mrd. USD bei den zuletzt deutlich gestiegenen Finanzierungskosten nicht so ohne Weiteres zu stemmen sein. Zwar sind die angebotenen Produkte, darunter Smucker's Marmelade und Gelees, Hundeleckerlis, und Erdnussbutter in mittlerweile rund 90 % aller US-Haushalte zu finden. Das Dept-Equity-Ratio war bei J.M. Smucker zuletzt schon bei 0,65, und auch die Gewinnmarge war sogar ins Negative abgerutscht. Dennoch bietet die Aktie derzeit wieder über 3,0 % an Dividendenrendite. Zudem gehen Analysten davon aus, dass dank starker Marken und anhaltender Aktienrückkäufe in den nächsten 5 Jahren ein jährlicher Gewinnzuwachs von über 5,0 % erzielt werden könnte.

Der TraderFox Dividenden-Champions Defensive-Index ist ein Aktien-Index, der bei der Auswahl der Indexkomponenten neben ausgeschütteten Dividenden auch Aktienrückkäufe und Kapitalerhöhungen berücksichtigt. Die 20 im Index enthaltenen Unternehmen zeichnen sich durch eine hohe adjustierte Dividendenrendite für den Aktionär und eine hohe adjustierte Dividendenrendite für das Gesamtunternehmen sowie eine Steigerung der Dividende in den vergangenen fünf und drei Jahren aus. Zudem wird auch eine niedrige Volatilität der Aktienrenditen bei der Indexauswahl einbezogen.

Mit einem Kursanstieg von über 2,0 % auf 67,90 USD war am Dienstag im TraderFox-Index die Aktie von Magellan Midstream Partners einer der größten Gewinner. Gestützt wurden die Anteilscheine des US-Raffinerie- und Vertriebsspezialisten für Öl- und Gasprodukte dabei von neuen Nachrichten, bezüglich der geplanten Übernahme durch das US-Energieunternehmen Oneok. So haben in der Vorwoche die unabhängigen Stimmrechtsberater Glass Lewis & Co und Institutional Shareholder Services (ISS) den Aktionären von Magellan Midstream Partners empfohlen, für den geplanten Verkauf des Pipelinebetreibers an Oneok im Wert von 18,8 Mrd. USD zu stimmen. Bereits im Mai hatte Oneok der Gesellschaft ein Fusionsangebot vorgelegt, das einen Bar- und Aktientausch vorsieht. Wir sind der Ansicht, dass die vorgeschlagene Zusammenlegung alle in eine bessere Position versetzen würde als Magellan Midstream Partners als eigenständiges Unternehmen, teilte Glass Lewis in einer Erklärung am vergangenen Mittwoch hierzu mit. Zuvor hatte Energy Income Partners, der viertgrößte Magellan-Anteilseigner mit einem Anteil von 3,1 %, erklärt, dass er gegen die geplante Übernahme stimmen wolle, da hierdurch der Verlust von Steuervorteilen befürchtet werde. Die endgültige Abstimmung über den Oneok-Deal ist für den 21. September geplant. Dabei wird Magellan Midstream Partners an der US-Börse als sogenannte MLP (Master Limited Partnerships) notiert. Diese Unternehmensstruktur genießt den Vorteil, auf Unternehmensebene keine Steuern zahlen zu müssen.

Anleger in MLPs sind ebenfalls vor laufenden Steuern geschützt. Allerdings werden, sollten die Anteile abgestoßen oder das gesamte Unternehmen verkauft werden, die in den USA aufgelaufenen Steuern zur Zahlung fällig. Die Prämie hebt sich auch von früheren Transaktionen in diesem Sektor ab und scheint die meisten Anleger für den unmittelbaren Steuerschaden zu entschädigen, betonte aber der ISS in einem Bericht. Demnach dürfte Magellan Midstream Partners im laufenden 3. Quartal eine 100-prozentige Tochterfirma von Oneok werden. Die Magellan-Aktionäre erhalten dabei 25,00 USD in bar und 0,6670 Oneok-Aktien für jeden Anteilsschein, den sie besitzen. Dies entspricht einem Preis von 67,50 USD je Magellan-Papier und damit einem Aufschlag von 22 % gegenüber dem Schlusskurs vor dem öffentlichen Angebot.

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