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Von Christina Rothfuß
30. November 2022

Angesichts der für Mittwoch vorgesehenen Rede vom US-Notenbank-Chef hielten sich am Dienstag die Käufer an der Wall Street zurück. Auch der TraderFox Dividenden-Champions Defensive-Index zeigte sich am Ende unverändert bei 20.452 Punkten. Dialysespezialist DaVita betreibt ein sicheres Dialysegeschäft in den USA und kommt auf 4,2 % adjustierte Rendite. Snack- und Suppenhersteller Campbell Soup gilt mit seinen Marken als defensiver Wert und bietet 2,8 % an Dividende.

 

Leichte Abgaben von 0,6 % auf 71,65 USD zeigte am Dienstag im TraderFox-Index die Aktie von DaVita. Die Papiere des Gesundheits- und Dialysedienstleisters haben in diesem Jahr eine mehr als enttäuschende Performance hingelegt. Das Minus summiert sich seit Januar auf inzwischen 37 %. Dabei gilt das Unternehmen mit 11,64 Mrd. USD an Erlösen und rund 69.000 Mitarbeitern nicht nur als einer der wichtigsten Branchenplayer in den USA. Mit dem verlässlichen Geschäft gehört die Aktie der Dialysegesellschaft eigentlich auch zu den defensiven und damit inflationsresistenten Werten. DaVita betreibt allein in Amerika knapp 2.000 ambulante Dialyse-Zentren und akute Versorgungseinrichtungen in Krankenhäusern sowie einen medizinischen Service rund um Heimdialyse. Was dem Gesundheitsspezialisten dabei besonders in die Hände spielt, ist die in den USA weit verbreitete Krankheit „Übergewicht“, die von vielen Ärzten inzwischen schon als Epidemie eingestuft wird. Derzeit leiden 42 % aller Amerikaner an Übergewichtigkeit. Und zu viel Körpergewicht können häufig neben Bluthochdruck tendenziell auch Herzkrankheiten oder Diabetes auslösen. Und damit kommen die von DaVita angebotenen Dialysedienste ins Spiel, die vor allem von nierenkranken Patienten mehrfach die Woche über genutzt werden. In den USA gilt dies als besonders rezessionssicheres Geschäft, was letztlich auch langfristig agierende Investoren anzieht. Dementsprechend hat sich Warren Buffett seit 2011 über seine US-Investmentholding Berkshire Hathaway eine auf inzwischen 38 % gestiegene Beteiligung an DaVita gesichert. Denn die Übergewichts-Entwicklung in Amerika und deren krankheitsbedingte Folgen dürfte sich laut Experten in den nächsten Jahrzehnten sogar noch verschlimmern.

DaVita selbst bekommt die Behandlungskosten der versorgten Dialysepatienten von den amerikanischen Krankenkassen, wie Medicare erstattet. Allerdings machen dem Gesundheitsversorger noch immer die durch die Pandemie kräftig gestiegenen Hygienekosten und damit auch die geringeren Behandlungszahlen in den Dialyse-Zentren operativ zu schaffen. Dazu kommt auch noch ein akuter Fachkräftemangel. Beides zusammen hat seit April gleich mehrfach zu Gewinnwarnungen geführt. Der von DaVita jüngst gesenkte Ausblick für 2022/23 hat aber zu einer drastischen Unterbewertung der Aktie geführt. Auf dem aktuellen Kursniveau ergeben sich jedenfalls ein niedriges KGV von 10 und ein KUV von 0,6. Und dies, obwohl der Dialysespezialist in diesem Jahr mit einem Cashflow zwischen 850 Mio. und 1,1 Mrd. USD rechnet, was weitere Aktienrückkäufe möglich werden lässt. Schon in den ersten 6 Monaten kaufte DaVita rund 6 Mio. eigene Anteilsscheine für über 600 Mio. USD zurück. Für die letzten Jahre ergibt sich folglich auch eine adjustierte Dividendenrendite von 4,2 %, was für die bislang fehlenden Dividenden des Unternehmens ein wenig entschädigt.

Der TraderFox Dividenden-Champions Defensive-Index ist ein Aktien-Index, der bei der Auswahl der Indexkomponenten neben ausgeschütteten Dividenden auch Aktienrückkäufe und Kapitalerhöhungen berücksichtigt. Die 20 im Index enthaltenen Unternehmen zeichnen sich durch eine hohe adjustierte Dividendenrendite für den Aktionär und eine hohe adjustierte Dividendenrendite für das Gesamtunternehmen sowie eine Steigerung der Dividende in den vergangenen fünf und drei Jahren aus. Zudem wird auch eine niedrige Volatilität der Aktienrenditen bei der Indexauswahl einbezogen.

Am Dienstag präsentierte sich im TraderFox-Index nach dem jüngsten Jahreshoch auch die Aktie von Campbell Soup mit leichten Abschlägen bei 52,65 USD. Das Plus seit Jahresbeginn summiert sich aber auf beachtliche 20 %, auch weil der amerikanische Lebensmittelhersteller als besonders krisenresistent gilt. Dabei bietet das Unternehmen nicht nur günstige Dosenprodukte wie Fleischgerichte oder auch Suppen an, sondern hat sich auch auf Snackangebote spezialisiert. Der Firmengründer entwickelte vor über 100 Jahren ein neues Verfahren zur Herstellung von Suppenkonzentraten. Bis dahin war Suppe in den USA längst nicht so beliebt wie in Europa oder Asien. Aber Campbell Soup besitzt nicht nur amerikanische Marken wie Campbell's und Pace, sondern auch Pepperidge Farm sowie V8 und Goldfish. Auch geschickte Zukäufe sind Teil der Unternehmensstrategie. So kaufte das Management 2018 die Firma Snyder’s-Lance für 6,1 Mrd. USD und fusionierte sie mit seiner Marke Pepperidge Farm zur eigenen Campbell Snack-Sparte. Diese war zuletzt für immerhin 46 % der Gesamteinnahmen verantwortlich. Schon 2013 wurde von Campbell Soup dafür das Europa-Geschäft an den Finanzinvestor CVC Capital Partners verkauft. Ebenso übernahmen die Amerikaner im Jahr 1996 den deutschen Lebensmittelspezialisten Erasco, der heute noch als Campbell's Germany fortgeführt wird.

Zwar wurden von Campbell Soup zuletzt Erlöse von über 8,56 Mrd. USD eingefahren, in den letzten 3 Jahren war der Jahresumsatz insgesamt aber mit -1,0 % leicht rückläufig. Der Suppenproduzent verfügt aber nicht nur über ein inflations- und rezessionssicheres Markenangebot, auch die Bilanz ist durchweg krisenfest. Dennoch machen Preisinflation und weltweite Lieferengpässe dem Lebensmittelgeschäft zu schaffen. Dem Unternehmen gelingt es aber derzeit ungeachtet steigender Rohstoff- und Materialpreise, die Verkaufspreise seiner Fertiggerichte für Kunden weiterhin bezahlbar zu halten. Campbell Soup hatte aber seit Ende 2021 zahlreiche Kostensenkungsprogramme umgesetzt, und zudem weiter in das eigene Markenportfolio investiert. Der Snack- und Suppenhersteller gilt also nicht umsonst als defensiv und dividendensicher, was langfristige Investoren eigentlich nur zu gern hören. Die Aktie von Campbell Soup verfügt mit einem KGV von 17 auch über keinen großen Premiumausschlag und bietet aktuell 2,8 % an Kapitalrendite.

 

 

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