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Von Christina Rothfuß
05. Februar 2024

Starke Quartalsberichte amerikanischer Technologie-Unternehmen sorgten am Freitag an den US-Börsen für Rekordstimmung. Der TraderFox Dividenden-Champions Defensive-Index zeigte sich allerdings kaum verändert bei 23.579 Punkten. Krankenversicherer Cigna glänzt mit starken Q4-Ergebnissen, höherer 2024er-Prognose und einer 14,0 %-igen Dividendenanhebung, zudem wird das “Medicare“-Geschäft verkauft. Metallverarbeitungs-Spezialist MSC Industrial hat über 20 Jahre lang die Dividende in Folge angehoben, was derzeit eine Rendite von 3,3 % bedeutet.

Am Freitag war mit über 5,0 % Kursplus auf 323,85 USD im TraderFox-Index die Aktie der Cigna Group der einzige High-Flyer. Die Anteilsscheine des US-Krankenversicherers zogen dabei vor allem aufgrund starker Quartalszahlen und dem verbesserten Ausblick an. Schließlich konnte Cigna am Freitag die Gewinn- und Umsatzschätzungen für das 4. Quartal übertreffen. Zugleich gab das Management für 2024 eine starke Prognose ab, da das Unternehmen neue Kunden für seine Apotheken- und Krankenversicherungsdienste gewinnen konnte. Im letzten Jahresviertel steigerte der Gesundheitsdienstleister jedenfalls den Umsatz der Apotheken-Sparte um 12,0 % auf 40,52 Mrd. USD und auch die Einnahmen mit Krankenversicherungen zogen stark um 17,0 % auf 13,01 Mrd. USD an. Zugleich nahm die Zahl der Versicherungskunden bei Cigna um 10,0 % auf 19,8 Millionen zu. Die medizinische Versorgungsquote, die den Prozentsatz der Prämien im Vergleich zu Versicherungsleistungen misst, verbesserte sich zudem auf 82,2 %. Am Ende meldete das Unternehmen für Q4 einen Gewinn pro Aktie von 6,79 USD und einen Erlösanstieg von 11,7 % auf 51,11 Mrd. USD. Beides lag über den Prognosen. Cigna hob daraufhin auch den 2024er-Ausblick an, und rechnet nun mit einem Jahresumsatz von mindestens 235,0 Mrd. USD. Außerdem kündigte der Krankenversicherer überraschend an, die vierteljährliche Dividende um 14,0 % auf 1,40 USD erhöhen zu wollen. Die Unternehmensführung prognostizierte für das laufende Jahr letztlich auch erneut Stabilität und Wachstum.

Und dies, nachdem vor einigen Tagen verkündet wurde, dass Cigna einen der wichtigen Wachstumsbereiche, das “Medicare“-Geschäft, für 3,7 Mrd. USD an das Unternehmen Health Care Service abgeben will. Die Entscheidung wurde offenbar deshalb getroffen, nachdem die Sparte ihre langfristigen Zielmargen nicht erreicht hatte, vor allem wegen der mit der Expansion verbundenen Verwaltungskosten. Die Veräußerung, die auch die von Cigna angebotenen Medicare Advantage-Pläne einschließt, soll es dem Versicherer leichter machen, sich nur noch auf das Kerngeschäft rund um arbeitgeberfinanzierte Versicherungen zu konzentrieren. Mit dem Schritt zieht sich Cigna auch aus einem Sektor zurück, der zuletzt von Turbulenzen betroffen war, einschließlich sich ändernder Vorschriften, sinkender Vergütungssätze und steigender medizinischer Kosten. Letztlich hatte dies zuletzt bei US-Konkurrenten wie UnitedHealth und Humana bereits die Gewinne unter Druck gesetzt. Insgesamt erwirtschaftete Cigna im Jahr 2023 aber einen Nettogewinn von 5,16 Mrd. USD, der alle Dividendenzahlungen abdecken sollte. Die Aktie notiert noch immer nur mit einem KGV von 10, und kommt aber nur auf eine Dividendenrendite von 1,6 %.

Der TraderFox Dividenden-Champions Defensive-Index ist ein Aktien-Index, der bei der Auswahl der Indexkomponenten neben ausgeschütteten Dividenden auch Aktienrückkäufe und Kapitalerhöhungen berücksichtigt. Die 20 im Index enthaltenen Unternehmen zeichnen sich durch eine hohe adjustierte Dividendenrendite für den Aktionär und eine hohe adjustierte Dividendenrendite für das Gesamtunternehmen sowie eine Steigerung der Dividende in den vergangenen fünf und drei Jahren aus. Zudem wird auch eine niedrige Volatilität der Aktienrenditen bei der Indexauswahl einbezogen.

Einer der maßgeblichen Gewinner war am Freitag im TraderFox-Index auch die Aktie von MSC Industrial Direct, die sich um 0,7 % auf 100,90 USD verteuerte. Mit dem US-Industriezulieferer, der sich auf die Produktion und zahlreiche Reparatur- und Instandhaltungsdienste rund um Metallverarbeitung spezialisiert hat, setzt man auf weiteres Wachstum der Industrieproduktion in den USA. Und gerade in einer Zeit, in der die amerikanische Wirtschaft weiterhin unter Lieferkettenengpässen leidet, und viele Industrieunternehmen über die Zurückverlagerung von Produktionsprozessen nachdenken, kommt MSC Industrial ins Spiel. Auch, weil die Rückverlagerung der Produktion aus Niedriglohnländern Investitionen in produktivitätssteigernde Technologien wie Automatisierung und intelligente Fertigung erfordert. Damit werden die Lagerverwaltungs-Lösungen des Metallspezialisten, der Versand von Produkten am selben Tag sowie die E-Commerce-Angebote für das Unternehmen immer mehr zum Standort-Vorteil. Mit den Services und der Konzentration auf hochpräzise Metallbearbeitungsarbeit hat MSC Industrial jedenfalls in den letzten 5 Jahren mit 4,7 % organische Umsatzzuwächse erzielt, die über dem Wachstum der Industrieproduktion in Amerika lagen. Mit dem Metallverarbeitungs- und Wartungsgeschäft machte die Gruppe zuletzt sogar einen Umsatz von rund 4,01 Mrd. USD, allerdings bei einer Nettomarge von nur 8,0 %. Und auch wenn MSC Industrial als Industriedienstleister sicherlich nicht der aufregendste Name unter den US-Dividendenwerten ist, die Ausschüttungsqualität kann sich dennoch sehen lassen.

Schließlich wurde über 20 Jahre lang die Dividende in Folge angehoben, was derzeit eine Kapitalrendite von 3,3 % bedeutet. Und wie die Finanzchefin auf der letzten Bilanzpressekonferenz erklärte, werden bei MSC Industrial im Laufe der Zeit weiterhin “bescheidene und beständige Erhöhungen“ der Dividende angestrebt. Da die Analysten für das Jahr 2024 mit einem Gewinn je Aktie von 6,14 USD rechnen, sollte die geschätzte Jahresdividende des Unternehmens in Höhe von 3,34 USD auch abgesichert sein. Zudem verfügt MSC Industrial auch über eine durchweg solide Bilanzstruktur. Insbesondere das Verhältnis von Schulden zu Eigenkapital (Debt-to-Equity-Ratio) liegt bei 0,43 und damit über den Werten zahlreicher US-Unternehmen innerhalb der industriellen Vertriebs- und Metallbranche. An der Börse wird MSC Industrial mit einem KGV von 15 bewertet, was nicht zu teuer erscheint. Mit dem Papier können Anleger aber nicht nur auf künftiges Gewinn- und Dividendenwachstum setzen, sondern auch darauf, dass die Investitionen in die Rückverlagerung der Produktion in den kommenden 5 bis 10 Jahren zunehmen werden.

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