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Von Christina Rothfuß
28. August 2023

Die mit Spannung erwartete Jackson Hole-Rede des Fed-Präsidenten konnte die US-Börsen am Freitag zum Ende hin beflügeln. In diesem Umfeld lag auch der TraderFox Dividenden-Champions Defensive-Index mit 0,3 % im Plus bei 21.115 Punkten. Krankenversicherer Cigna wird ungeachtet des robusten Geschäftsmodells und einiger Wachstumstreiber mit einem KGV von nur 10 noch immer viel zu niedrig bewertet. Pipelinebetreiber Magellan Midstream Partners steigt durch Zusammenschluss mit Erdgasspezialist Oneok zu einem der größten US-Energieinfrastruktur-Unternehmen auf.

Leichte Abgaben auf 279,20 USD zeigte nach der jüngsten Erholung am Freitag im TraderFox-Index die Aktie der Cigna Group. Zwar war die zuletzt gesehene Performance eher enttäuschend, die Papiere des US-Krankenversicherers haben die Aktionäre in den letzten Jahren aber deutlich reicher gemacht. Und das Unternehmen mit seinen Töchtern hat noch immer das Potenzial, auf lange Sicht hohe Kursgewinne zu erzielen. Vor allem wenn man Cigna`s Kundenbeziehungen im Bereich der US-Krankenversicherungspläne und die Sparte rund um das Management von Apothekenleistungen (Evernorth Health Services) zusammenzählt, dann kommt man bei den Amerikanern auf knapp 166 Mio. betreute Kunden. Neben der gestiegenen Nachfrage nach den Dienstleistungen haben auch höhere Versicherungsprämien und Übernahmen mit dazu beitragen, dass sich der Umsatz der Gruppe von 29,1 Mrd. in 2012 auf 180,5 Mrd. USD im letzten Jahr mehr als versechsfacht hat. Cigna ist damit auch zum weltweit viert-größten Versicherungsanbieter aufgestiegen, der zugleich eine Marktkapitalisierung von fast 84 Mrd. USD erreicht hat. Geholfen hat dabei insbesondere das Evernorth Health Services-Geschäft, das eine Reihe von Diensten rund um Apothekenleistungen und Gesundheitspläne sowie Lösungen für die Versorgung von Arbeitgebern und staatlichen Organisationen anbietet. Und da die Nachfrage nach den von Cigna offerierten “Pharmacy Benefits Management“-Angeboten weiter steigt und die Nutzung von Krankenversicherungsplänen ebenfalls zunimmt, dürfte der Versicherungsspezialist in den USA auch weiterhin gut abschneiden.

Zumal der Gesundheitsdienstleister auch unbefristete Versicherungsverträge an US-Unternehmen verkauft, um Angestellte zu versichern und die vom Arbeitgeber gezahlten Leistungsverpflichtungen zu finanzieren. Dies ist letztlich bei Cigna sogar zu einem entscheidenden Wachstumstreiber geworden. Analysten gehen derzeit auch davon aus, dass die Unternehmensgewinne in den nächsten 5 Jahren um jährlich 11,0 % steigen dürften, was auch dem Branchendurchschnitt von 11,9 % entsprechen würde. Allerdings ist die Dividendenhistorie bei Cigna trotz der Einnahmen von zuletzt 186 Mrd. und dem Nettogewinn von 6,65 Mrd. USD überschaubar. Derzeit bietet die Aktie auch nur eine Dividendenrendite von 1,7 %. Von 2009 bis 2019 wurde die Gewinnbeteiligung auch kaum verändert. Mit einer Ausschüttungsquote von weniger als 20 % für 2023 hat sie aber zukünftig noch viel Luft nach oben. Dafür wird das Geschäft von Cigna rund um Krankenversscherungsleistungen aber an der Börse weiterhin viel zu niedrig bewertet. Folglich laden die KGV/KUV-Werte von 10 bzw. 0,5 zum langfristigen Einstieg ein. Schließlich liegt das KGV deutlich unter dem Durchschnitts-KGV von 13,6 der gesamten amerikanischen Branche für Gesundheitspläne, was sogar ein Kurspotenzial von über 30 % zulässt.

Der TraderFox Dividenden-Champions Defensive-Index ist ein Aktien-Index, der bei der Auswahl der Indexkomponenten neben ausgeschütteten Dividenden auch Aktienrückkäufe und Kapitalerhöhungen berücksichtigt. Die 20 im Index enthaltenen Unternehmen zeichnen sich durch eine hohe adjustierte Dividendenrendite für den Aktionär und eine hohe adjustierte Dividendenrendite für das Gesamtunternehmen sowie eine Steigerung der Dividende in den vergangenen fünf und drei Jahren aus. Zudem wird auch eine niedrige Volatilität der Aktienrenditen bei der Indexauswahl mit einbezogen.

Unverändert bei 65,50 USD aber fast auf Jahreshoch präsentierte sich am Freitag im TraderFox-Index dagegen die Aktie von Magellan Midstream Partners. Dabei werden die Papiere des US-Unternehmens, das sein Geld im Pipelinegeschäft sowie mit der Lagerung, Raffinerie und dem Vertreib von geförderten Öl- und Gasprodukten verdient, an der Börse als sogenannte MLP (Master Limited Partnerships) notiert. Dieses Konstrukt erlaubt es dem Management, neben steuerlichen Vorteilen, einen Großteil der erzielten Gewinne an die Aktionäre in Form von Dividenden auszuschütten. Und da das Midstream-Geschäft von Magellan Midstream Partners hochprofitabel ist, und neben der Eigenkapitalrendite von 60 % zuletzt auch eine Gewinnmarge von 29 % erreichte, weckt dies natürlich Begehrlichkeiten. Folglich hat im Mai das Energieunternehmen Oneok der Gesellschaft ein Fusionsangebot vorgelegt, das einen Bar- und Aktientausch im Wert von fast 18,8 Mrd. USD vorsieht. Somit dürfte Magellan Midstream Partners im laufenden 3. Quartal eine 100-prozentige Tochterfirma von Oneok werden. Die Magellan-Aktionäre erhalten dabei 25,00 USD in bar und 0,6670 Oneok-Aktien für jeden Anteilsschein den sie besitzen. Dies entspricht einem Preis von 67,50 USD je Magellan-Papier und damit einem Aufschlag von 22 % gegenüber dem Schlusskurs vor dem öffentlichen Angebot.

Durch den Zusammenschluss entsteht jedenfalls in den USA eines der weltweit größten Energieinfrastruktur-Unternehmen. Wobei sich Magellan Midstream Partners vor allem auf Erdöl konzentriert, und Oneok in erster Linie als Erdgasspezialist gilt. Diese Diversifizierung könnte sich für die Anleger von Magellan Midstream Partners aber langfristig als vorteilhaft erweisen. Und auch die Dividendenentwicklung dürfte ertragreich bleiben. Schließlich rechnen Investoren auch nach der Fusion mit hohen Ausschüttungen. Die beiden Unternehmen gehen gegenwärtig sogar davon aus, dass sich die Fusionspläne ab 2024 positiv auf den Gewinn je Aktie auswirken werden und zudem den freien Cashflow (FCF) bis 2027 um durchschnittlich mehr als 20 % erhöhen dürfte. Aktuell bietet Magellan Midstream Partners über 6,3 % an Dividende, während Oneok bereits seit 2000 ein jährliches Dividendenwachstum von 12 % und eine derzeitige Rendite von 6,5 % aufweisen kann. Beide Dividendenniveaus dürften also folglich auch in Zukunft anvisiert werden.

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