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Von Christina Rothfuß
01. Dezember 2023

Die erwartungsgemäß ausgefallenen Inflationsdaten konnte die Wall Street am Donnerstag zum Ende hin beflügeln. In diesem Umfeld lag auch der TraderFox Dividenden-Champions Defensive-Index mit 1,4 % im Plus bei 21.913 Punkten. Cigna und Gesundheitsdienstleister Humana prüfen derzeit wohl einen Zusammenschluss, um einen US-Versicherungsriesen entstehen zu lassen. Kraft Heinz will bis Ende Dezember eigene Aktien für 3,0 Mrd. USD zurückkaufen, die Aktie bietet zudem eine Dividendenrendite von 4,5 %.

 

Kaum verändert bei 262,85 USD zeigte sich nach dem jüngsten Einbruch am Donnerstag im TraderFox-Index die Aktie der Cigna Group. Zur Wochenmitte waren die Anteilscheine des US-Krankenversicherers unter Druck geraten, nachdem ein Medienbericht über eine mögliche Mega-Fusion von Cigna mit dem Krankenversicherer und Gesundheitsdienstleister Humana berichtet hatte. Die Aktien beider Unternehmen fielen daraufhin kräftig, weil sich zwei der größten Krankenversicherer der USA in einer bereits stark konsolidierten Branche zusammenschließen wollen. Cigna schloss am Mittwoch mit einem Minus von 8,1 % und verzeichnete damit den größten Tagesverlust seit mehr als 2 Jahren, während Humana um 5,5 % nachgab. Für einen Zusammenschluss gibt es aber durchaus strategische Gründe. Während Cigna Eigentümer der Servicefirma Express Scripts ist, einem der größten Verwalter von Apothekenleistungen, spielt Humana in diesem Geschäftszweig eine weniger bedeutende Rolle. Dagegen gehört Humana in Amerika zu den wichtigsten Anbietern von privaten “Medicare Advantage“-Plänen, in dem Cigna im Vergleich dazu relativ klein ist. Dazu kommt noch, dass Humana jüngst erklärt hat, künftig den Verkauf von Arbeitgeberversicherungen einstellen zu wollen, wo Cigna in den USA am stärksten vertreten ist. In der Sparte verkauft der Gesundheitsdienstleister in erster Linie unbefristete Versicherungsverträge an US-Unternehmen, um Angestellte zu versichern und die vom Arbeitgeber gezahlten Leistungsverpflichtungen zu finanzieren. Dies war bei Cigna sogar zuletzt zu einem entscheidenden Wachstumstreiber geworden.

Allerdings ist die gesamte US-Krankenversicherungsbranche bereits stark konzentriert. Die Marktkapitalisierung von Cigna liegt derzeit bei knapp 77,0 Mrd. USD, die von Humana bei über 59,0 Mrd. USD. Auch wenn eine Fusion weitaus kleiner wäre, wie die des US-Marktführers UnitedHealth mit einem Marktwert von über 500,0 Mrd. USD. Ein Zusammengehen der beiden Versicherer würde sicherlich wettbewerbsrechtliche Fragen durch die US-Regierung auslösen. Eine kartellrechtliche Prüfung des Cigna/Humana-Deals könnte wiederum bis zu 24 Monate dauern. Die Chancen, dass er aber dennoch zustande kommt, ist angesichts des Umfangs des Zusammenschlusses und der verstärkten staatlichen Kontrolle von “Pharmacy Benefits Management“-Anbietern und Krankenversicherern fraglich. Schon die geplanten Fusionen von Cigna und Anthem, jetzt Elevance Health, und der separate Deal von Humana, sich mit Aetna zusammenzuschließen, wurden beide in den letzten Jahren von den US-Aufsichtsbehörden blockiert. Cigna hatte jüngst seinen Anlegern mitgeteilt, dass jeder groß angelegte Fusionsdeal mit der langfristigen Strategie des Unternehmens, vor allem finanziell, übereinstimmen muss. Die beiden Krankenversicherer verhandeln wohl über einen Cash-und-Aktientauschgeschäft, aber der Zeitpunkt und die Struktur sind noch unklar.

Der TraderFox Dividenden-Champions Defensive-Index ist ein Aktien-Index, der bei der Auswahl der Indexkomponenten neben ausgeschütteten Dividenden auch Aktienrückkäufe und Kapitalerhöhungen berücksichtigt. Die 20 im Index enthaltenen Unternehmen zeichnen sich durch eine hohe adjustierte Dividendenrendite für den Aktionär und eine hohe adjustierte Dividendenrendite für das Gesamtunternehmen sowie eine Steigerung der Dividende in den vergangenen fünf und drei Jahren aus. Zudem wird auch eine niedrige Volatilität der Aktienrenditen bei der Indexauswahl einbezogen.

Eine starke Performance zeigte in den letzten Wochen im TraderFox-Index dagegen die Aktie der Kraft Heinz Company. Am Donnerstag lag sie auch erneut leicht im Plus bei 35,11 USD. Beflügelt werden die Papiere des US-Lebensmittelherstellers dabei von neuen Aktienrückkaufsplänen. So hatte Kraft Heinz Anfang der Woche bekannt gegeben, dass ein neues Rückkaufprogramm im Wert von bis zu 3,0 Mrd. USD bis zum 26. Dezember vom Vorstand genehmigt wurde. In einer Erklärung betonte die Unternehmensführung, dass der Rückkauf der Wertpapiere mit überschüssigen Barmitteln geplant ist, nachdem Investitionen in Schlüsselbereiche und strategische Gelegenheiten getätigt wurden. Nach Schätzungen der Nachrichtenagentur Bloomberg würde dieser Schritt sogar bis zu 7,0 % des aktuellen Marktwerts von Kraft Heinz ausmachen. Die Entscheidung ermöglicht es uns, unseren Aktionären weiteren Wert zu bieten und gleichzeitig unser Engagement für profitables Wachstum und hohe Renditen zu unterstreichen, kommentierte der Finanzchef die Pläne. Zugleich wies Kraft Heinz auch darauf hin, dass Zeitpunkt, Kurs und der Betrag jeglicher Rückkäufe vom Unternehmen festgelegt, und jederzeit auch geändert oder ausgesetzt werden kann.

Anfang dieses Monats hob der Nahrungsmittelspezialist, der hinter Marken wie “Heinz Tomato Ketchup“ und „Philadelphia“ steht, zudem bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr die Gewinnprognose für 2023 an. Als Gründe wurden von Kraft Heinz unter anderem neuerliche Preiserhöhungen und nachlassende Lieferketten-Beschränkungen genannt, was sich positiv auf die Margen auswirkt. Die Verkaufsvolumen gingen jedoch in den letzten 3 Monaten zurück, was Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen der hohen Produktpreise bei den unter Inflationsdruck stehenden Verbrauchern weckte. Und ungeachtet der jüngsten Kurserholung befindet sich die Aktie von Kraft Heinz noch immer tief im “Value“-Bereich. Denn aktuell wird sie nur mit dem 11-fachen des voraussichtlichen Gewinns bewertet und bietet zudem eine attraktive Dividendenrendite von 4,5 %.

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