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Von Christina Rothfuß
23. November 2023

Überwiegend stark ausgefallene Konjunkturdaten haben die US-Börsen am Mittwoch

vor dem Erntedankfest wieder ins Plus gehievt. Auch der TraderFox Dividenden-Champions Defensive-Index legte am Ende um 0,6 % auf 21.757 Punkte zu. Krankenhaus-Dienstleister Cardinal Health profitiert von boomenden gewichtsreduzierenden Mitteln “Ozempic“ und “Wegovy“, und steigert seine jüngsten Quartalserlöse um 15,0 %. Versicherer- und Finanzierungsspezialist American Financial erfüllt mit 9er-KGV, Eigenkapitalrendite von 21,0 % und hoher Dividendenrendite alle Value-Kriterien.



Leichte Zugewinne auf einen neuen Jahreshöchststand bei 105,90 USD verbuchte im TraderFox-Index am Mittwoch die Aktie von Cardinal Health. Die Papiere des US- Krankenhaus-Dienstleisters haben damit seit Beginn des Jahres um über 35,0 % zulegen können. Schließlich beliefert Cardinal Health als einer der größten Arzneimittel- und Medizinproduktlieferant des Landes fast 90,0 % aller Krankenhäuser in den USA. Dazu kommen noch mehr als 60.000 Apotheken und über 10.000 Spezialpraxen und Kliniken. Und eigentlich sorgen Pharmavertrieb und das medizinische Produktsortiment für eine beständig steigende Nachfrage und dementsprechend solide Cashflows. Was die Aktie von Cardinal Health aber derzeit so beflügelt, sind die überragenden Umsätze, die mit Medikamenten rund um Gewichtsreduktion erzielt werden, und die als Glykogen-ähnliches “Peptid-1“ oder “GLP-1“ bekannt sind. Vor allem die vom dänischen Pharmaunternehmen Novo Nordisk unter dem Namen Ozempic und Wegovy verkauften und von Cardinal Health vertriebenen GLP-1-Therapien erleben jedenfalls in Amerika gegenwärtig einen regelrechten Boom. Aber auch noch andere Produzenten wollen daran teilhaben. So hat der US-Pharmaanbieter Eli Lilly gerade erst die FDA-Zulassung für sein gewichtsreduzierendes Mittel Zepbound erhalten. Und auch der Arzneimittelhersteller AstraZeneca hatte jüngst bekannt gegeben, ein Medikament zur Gewichtsreduktion aus China lizenziert zu haben, um damit ebenfalls in den Markt einzusteigen.

Für Cardinal Health spielt es allerdings keine Rolle, welches medizinische Mittel am Ende gewinnt, wenn es an Ärzte und Krankenhäuser liefert wird. Aber im letzten Quartal stiegen die Erlöse auch dank der boomenden Ozempic- und Wegovy-Verkäufe um 15,0 % auf fast 50 Mrd. USD. Bei den Arzneimittel-Geschäften sind meist auch langlaufende Verträge abgeschlossen worden, was für den Gesundheitsdienstleister einen sicheren Einkommensfluss bedeutet. Allein in 2022 hatte Cardinal Health aufgrund der starken Pharmavertriebssparte einen Barmittelzufluss von 2,8 Mrd. USD erzielt, der über Aktienrückkäufe und mit rund 541,0 Mio. USD für Dividenden an die Aktionäre zurückfloss. Insgesamt hat das Unternehmen bereits seit 38 Jahren ununterbrochene Dividendenerhöhungen durchführt. Zwar biete die Aktie derzeit nur noch eine Kapitalrendite von 2,0 %. Dafür ergibt sich bei Cardinal Health für die letzten 5 Jahre aber eine hohe adjustierte Dividendenrendite von im Schnitt 5,8 %. Und trotz der jüngsten Kursgewinne wird der Krankenhaus-Zulieferer immer noch nur mit dem 13-fachen KGV und neunfachen des FCF gehandelt.

Der TraderFox Dividenden-Champions Defensive-Index ist ein Aktien-Index, der bei der Auswahl der Indexkomponenten neben ausgeschütteten Dividenden auch Aktienrückkäufe und Kapitalerhöhungen berücksichtigt. Die 20 im Index enthaltenen Unternehmen zeichnen sich durch eine hohe adjustierte Dividendenrendite für den Aktionär und eine hohe adjustierte Dividendenrendite für das Gesamtunternehmen sowie eine Steigerung der Dividende in den vergangenen fünf und drei Jahren aus. Zudem wird auch eine niedrige Volatilität der Aktienrenditen bei der Indexauswahl einbezogen.

Einer der maßgeblichen Tagesfavoriten war am Mittwoch im TraderFox-Index die Aktie von American Financial Group, die um 1,2 % auf 111,60 USD anstieg. Allerdings mussten die Anteilscheine des US-Versicherers- und Finanzierungsspezialisten in diesem Jahr bereits rund 15,0 % an Kurseinbußen hinnehmen. Die aktuelle Schwäche verwundert jedoch nicht, schließlich wird für Amerika mit einer konjunkturellen Abkühlung gerechnet, die dem Unternehmen dann möglicherweise weniger Einnahmen bringen könnte. American Financial ist dabei hauptsächlich im Bereich der Sach- und Unfallversicherung tätig und konzentriert sich zudem auf spezielle gewerbliche Finanz- und Immobiliendienstleistungen für Unternehmen. Mit gut 7,55 Mrd. USD an Umsatz ist die Gruppe zwar relativ klein, der Versicherer ist aber dennoch gut positioniert, um von verbesserten Maklerprämien, höheren Direktprämien sowie vom erwarteten Anstieg bei Kauf- und Geschäftstransaktionen für Wohngebäude zu profitieren. Zudem hat American Financial traditionell nur einen moderaten Verschuldungsgrad von rund 20,0 %, und verfügt über einen guten Cashflow sowie eine gute Zinsdeckungsquote. Mit der Eigenkapitalrendite von 21,0 % lag die Profitabilität zuletzt sogar weit über Branchendurchschnitt. Letztlich unterstützt die bei American Financial noch immer robuste operative Rentabilität der Sach- und Unfallsparte und das effektive Kapitalmanagement die Rendite der Aktionäre.

Bis Ende 2023 dürften folglich von Unternehmensseite auch mehr als 500 Mio. USD an überschüssigem Kapital für Aktienrückkäufe einsetzen worden sein. Im August erhöhte American Financial zudem auch die vierteljährliche Dividende um 12,7 % und damit zum 18. Mal in Folge, für das Gesamtjahr wurde vom Management außerdem eine Sonderdividende in Aussicht gestellt. Dabei bietet die Aktie des Versicherers bereits schon jetzt über 7,0 % an Dividendenrendite, was sie für renditesuchende Anleger sehr attraktiv macht. Die fünfjährige Zuwachsrate der Gewinnbeteiligung beträgt auch gut 12,0 %. Investoren können bei American Financial aber nicht nur auf ein operativ wieder robust laufendes 2024er-Geschäft setzen, sondern auch auf deutlich höhere Kapitalanlageerträge aufgrund hoher US-Zinsen. Das Papier notiert jedenfalls nur mit einem niedrigen KGV von 9.

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