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Von Christina Rothfuß
09. November 2022

An den US-Aktienbörsen herrschte am Dienstag vor den mit Spannung erwarteten 'Midterm'-Wahlen leichtes Kaufinteresse. Der TraderFox Dividenden-Champions Defensive-Index zeigte in diesem Umfeld ebenfalls Zugewinne von 0,5 % auf 19.639 Punkte. Positive Studiendaten zum Übergewichtsmittel „AMG133“ treiben aktuell die Amgen-Aktie auf immer neue Jahreshochs. Oracle will mit neuer milliardenschwerer Bond-Emission vor allem die zuletzt für 28 Mrd. USD gemachte Übernahme von Cerner zusätzlich finanzieren.

 

Am Dienstag zogen im TraderFox-Index die Anteilscheine von Amgen erneut um 5,5 % nach oben und schlossen auf Jahreshoch bei 292,40 USD. Letztlich wurden die Papiere des Biotech-Pioniers von neuen Studiendaten des zur Bekämpfung von Übergewicht entwickelten Mittels „AMG133“ beflügelt. Mit diesem würde das Unternehmen zu Pharma-Konkurrenten in dem Bereich wie Novo Nordisk und Eli Lilly aufsteigen. Analysten sehen hierfür sogar einen potenzialen weltweiten Absatzmarkt von jährlich bis zu 50 Mrd. USD. Amgen hatte in einer 3-Monats-Studie Patienten die Arznei gegen Übergewicht in unterschiedlicher Dosierung verabreicht. Nach 85 Tagen wurde bei der Gruppe mit Niedrigdosierung ein Gewichtsverlust von im Schnitt 7,2 % erreicht, bei der höherdosierten Gruppe wurde sogar eine Abnahme des Körpergewichts von 14,5 % erzielt. Mit diesen vielversprechenden Studien-Ergebnissen könnte Amgen nun sogar mit den Arzneimittelherstellern Eli Lilly und Novo Nordisk gleichziehen. Denn Eli Lilly testet gerade das Mittel „Mounjaro“ und Novo Nordisk bedient mit seinem Medikament „Wegovy“ bereits erfolgreich diese Nische. Die Aktie von Amgen schnellte gestern auch deshalb hoch, nachdem Experten gerade für Mittel gegen Übergewicht auf dem amerikanischen Markt reichlich Potenzial auch für mehrere Anbieter sehen. Schließlich leiden in den USA fast 42 % aller Erwachsenen unter zu hohem Gewicht. Allerdings befindet sich „AMG133“ von Amgen derzeit noch in Phase 1 der klinischen Testphase, 2023 soll dann die nächste Teststufe angegangen werden.

Aktuell hat das innovative Biotech-Unternehmen aber über 40 eigene Wirkstoffkandidaten in seiner Pipeline. Hierzu gehören unter anderem auch vielversprechende Biosimilars. Damit wollen sich die Amerikaner nicht nur gegen die zunehmende globale Generika-Konkurrenz besser aufstellen, sondern auch künftige Wachstums- und Gewinnziele verwirklichen. Im Arzneimittelportfolio hat Amgen gegenwärtig über 20 Produkte, 9 davon überschritten im Jahr 2022 sogar erstmals die 1-Mrd-USD-Umsatzschwelle, was sich letztlich auch in der starken Aktienperformance widerspiegelte. Derzeit setzt das Management aber vor allem auf die Neuentwicklung „Lumakras“, denn das zuletzt auf den Markt gebrachte Lungenkrebs-Mittel befindet sich ebenfalls auf dem Weg zum „Blockbuster“-Status. Die Aktie von Amgen bietet auf dem derzeit hohen Kursniveau aber nur noch eine Dividendenrendite von 2,7 %. Dafür ist aber bewertungs-technisch das KGV von 14 noch immer moderat.

Der TraderFox Dividenden-Champions Defensive-Index ist ein Aktien-Index, der bei der Auswahl der Indexkomponenten neben ausgeschütteten Dividenden auch Aktienrückkäufe und Kapitalerhöhungen berücksichtigt. Die 20 im Index enthaltenen Unternehmen zeichnen sich durch eine hohe adjustierte Dividendenrendite für den Aktionär und eine hohe adjustierte Dividendenrendite für das Gesamtunternehmen sowie eine Steigerung der Dividende in den vergangenen fünf und drei Jahren aus. Zudem wird auch eine niedrige Volatilität der Aktienrenditen bei der Indexauswahl einbezogen.                                                                                                                                    

Leichte Abgaben zeigte dagegen am Dienstag im Traderfox-Index die Oracle-Aktie, die am Ende bei 75,65 USD schloss. Der Datenbank- und Cloud-Anbieter hatte am Montag angekündigt, neue Anleihen für rund 7 Mrd. USD auf den Markt bringen zu wollen, um damit vor allem die zuletzt gemachte US-Übernahme von Cerner zu finanzieren, einem Anbieter von Gesundheitsinformations-Technologien. Oracle plant die Anleihe-Emission in vier unterschiedlich großen Teilen zu verkaufen, mit bis zu einer Laufzeit von 30 Jahren sowie einer Zinshöhe von 2,55 %. Zugleich wurde von dem IT-Unternehmen die bislang schon für den Cerner-Erwerb ausgelegte Finanzierungsanleihe in Höhe von 4,4 Mrd. USD um gut 1,3 Mrd. USD aufgestockt. Ursprünglich hatte Oracle für den Kauf von Cerner im vergangenen Dezember eine 15,7 Mrd. USD schwere Brückenfinanzierung mit verschiedenen Banken vorgesehen. Diese wird normalerweise später mit länger laufenden Bonds refinanziert. Insgesamt hat der Zukauf von Cerner im letzten Jahr aber rund 28 Mrd. USD gekostet. Mit diesem Schritt erhoffte sich Oracle insbesondere in der US-Gesundheitsbranche Fuß fassen zu können, in der Cloud-Technologien bislang kaum Anwendung finden.

Bei der neuen Finanzierungsrunde helfen dem US-Software-Entwickler auch zahlreiche bekannte amerikanische Bankenhäuser wie Citigroup, Bank of America oder auch Goldman Sachs. Allerdings dürfte sich für Oracle mit der höheren Verschuldung auch das allgemeine Kreditrating etwas verschlechtern. Gestern hatte die Ratingagentur Fitch schon mal das Rating von zuvor BBB+ auf BBB heruntergestuft. Die Aktie dürfte darunter aber nicht leiden, dann das aktuelle KGV liegt auch weiter nur bei 13. Zudem bietet der IT- und Software-Dienstleister auch weiterhin eine Kapitalrendite von 1,7 %. Über die letzten 5 Jahre hinweg summierte sich bei Oracle die adjustierte Dividendenrendite aber dank beständiger Aktienrückkäufe auf durchschnittlich 5,1 %.

 

 

 

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