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Von Christina Rothfuß
16. November 2022

An der Wall Street kam es am Dienstag ungeachtet erneut schwächerer Inflationszahlen zu Gewinnmitnahmen. In diesem Marktumfeld zeigte sich aber der TraderFox Dividenden-Champions Defensive-Index kaum verändert bei 19.990 Punkten. Versicherer Allstate kann kräftige Prämienerhöhungen von im Schnitt +10 % durchsetzen und profitiert von steigenden US-Zinsen. Cybersoftware-Anbieter NortonLifeLock will nach Avast-Zukauf vor allem das Wachstumstempo beschleunigen, die Aktie notiert nur mit einem 11er-KGV.

 

Einer der maßgeblichen Tagesfavoriten im TraderFox-Index war am Dienstag die Aktie von Allstate, die um 2,3 % auf 132,10 USD zulegen konnte. Die aktuelle Kursstärke des US-Versicherers, der sich neben klassischen Lebensversicherungen- und Autopolicen auch auf Sach- und Haftpflichtversicherungen konzentriert, verwundert nicht. Denn Investoren setzen bei dem Unternehmen nicht nur auf operativ weiterhin robuste Geschäfte, sondern auch auf deutlich höhere Kapitalanlageerträge aufgrund steigender US-Zinsen. Allerdings hat Allstate mit seinen Töchtern „Allstate Protection“, „Allstate Life“ und „Allstate Benefits“, die vor allem in den USA und Kanada präsent sind, mit der derzeit hohen Inflation zu kämpfen. Deshalb waren Anleger auch hocherfreut, als die Versicherungsgruppe im August satte Prämienerhöhungen von rund 14 % verteilt über viele US-Bundesstaaten vermeldete. Vor allem, weil die gestiegenen Schadenskosten angesichts zahlreicher Autounfälle und inflationsgetriebener Erstattungsforderungen seitens der Kunden, dies notwendig machte. Seit Beginn des Jahres hat Allstate damit in den USA und Kanada insgesamt 72 höhere Prämienzahlungen durchgesetzt, die bis Ende September im Schnitt bei +10 % lagen und für die Autoversicherungssparte rund 2,3 Mrd. USD an Mehreinnahmen brachte. Dem Management zufolge sorgten die Anhebungen operativ für Entspannung, schließlich war die sogenannte „Combined Ratio“ des Unternehmens im 2. Quartal auf 108 % gestiegen, was einen Verlust im Versicherungsgeschäft anzeigte.

Zuletzt hatte Allstate jedenfalls mit der Übernahme des US-Versicherers National General den Marktanteil im nordamerikanischen Sach- und Haftpflichtversicherungsgeschäft um 1 % auf gut 10 % erhöhen können. Mit diesem Schritt hatte sich der Erstversicherer letztlich eines der größten Netzwerke von bis zu 42.000 eigenständigen Maklern in Amerika einverleibt. Aber eigentlich steht Allstate wie auch die gesamte Versicherung- und Bankenbranche vor einem anhaltenden Ertragsboom, denn die inzwischen auf 4 % gestiegenen US-Zinsen führen zu höheren Kreditzinsen und Kapitalanlagerenditen beispielsweise bei Anleihen. Und für das Investmentportfolio des Unternehmens von zuletzt fast 100 Mrd. USD dürften dadurch zusätzlich erzielte Kapital- und Zinserträge zu starken Gewinnanstiegen führen. Aktuell wird Allstate zwar durch die hohe Inflation ausgebremst, die Aktie bietet aber dennoch eine verlässliche Dividendenrendite von 2,5 %. Die durchschnittliche adjustierte Rendite der vergangenen 3 Jahre liegt aber dank beständiger und großzügiger Aktienrückkäufe bei stattlichen 7 %. 

Der TraderFox Dividenden-Champions Defensive-Index ist ein Aktien-Index, der bei der Auswahl der Indexkomponenten neben ausgeschütteten Dividenden auch Aktienrückkäufe und Kapitalerhöhungen berücksichtigt. Die 20 im Index enthaltenen Unternehmen zeichnen sich durch eine hohe adjustierte Dividendenrendite für den Aktionär und eine hohe adjustierte Dividendenrendite für das Gesamtunternehmen sowie eine Steigerung der Dividende in den vergangenen fünf und drei Jahren aus. Zudem wird auch eine niedrige Volatilität der Aktienrenditen bei der Indexauswahl einbezogen.                                                                                                                          

Im TraderFox-Index präsentierte sich am Dienstag dagegen die Aktie von NortonLifeLock mit 2,2 % im Minus bei 21,70 USD. Dabei agiert der amerikanische Softwaresicherheits-Spezialist, der für seine IT-Produkte rund um AntiVirus- und Cybersicherheit bekannt ist, nach wie vor in einem Wachstumsbereich. Nicht umsonst war der Umsatz im letzten Quartal um 3,1 % auf rund 700 Mio. USD gestiegen. Was den Titel aber zusätzlich interessant macht, ist die im August genehmigte Übernahme des britischen Konkurrenten Avast, für die NortonLifeLock schon Ende 2021 rund 6 Mrd. GBP auf den Tisch gelegt hatte. Nach Abschluss der Integration dürfte sich der Cybersoftware-Anbieter vor allem wieder auf sein Kerngeschäft, nämlich Innovationen innerhalb der Cybersicherheit-Branche, kümmern. Eine halbe Milliarde Nutzer vertrauen uns, wenn es um Internetsicherheit und dem Schutz des digitalen Lebens geht, betonte im Oktober der NortonLifeLock-Vorstand. Mit Avast zusammen werden wir Cybersicherheit für unsere Privat- und Unternehmenskunden auf der ganzen Welt neu definieren. Beide können auf dem Markt nun zusammen unter verschiedenen Markennamen Cybersoftware-Produkte und Plattform-Lösungen anbieten. Dazu ist auch geplant, den Namen NortonLifeLock umzuändern.

Mit dem Avast-Erwerb dürfte sich aber letztlich das Wachstumstempo und die daraus resultierenden Zusatzgewinne des Technologieunternehmens etwas beschleunigen. Dies würde wiederum auch der unterbewerteten Aktie (KGV 11) von NortonLifeLock durchweg gut tun. Allerdings herrscht gerade im Cybersicherheitsbereich ein intensiver Verdrängungswettbewerb, da große Player wie Microsoft, Cisco oder auch der Software-Anbieter McAfee hier ihre Marktanteile teils aggressiv unter anderem auch mit Zukäufen verteidigen. Für NortonLifeLock macht also die Akquisition von Avast in diesem Zusammenhang strategisch durchaus Sinn. Die Aktie bietet zudem eine kleine Dividendenrendite von 2,1 %, die aber gerade im Branchenvergleich attraktiv erscheint. 

 

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