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Von Christina Rothfuß
25. April 2024

Angesichts der Flut an Unternehmensbilanzen gibt der QIX Deutschland am Donnerstag trotz jüngster Erholung erst mal wieder um 1,3 % auf 16.240 Punkte nach. Halbleiterhersteller Infineon profitiert von erfreulichen Branchennachrichten aus den USA und Europa, und setzt auch weiter auf E-Mobilität als größter Wachstumstreiber. Anlagenbauer Aixtron startet zwar mit einem Auftragsminus ins Jahr, die Umsatz- und Margenziele für 2024 wurden aber dank neuer Kunden bei SiC-Fertigungsanlagen bestätigt.

 

Ein absoluter Top-Performer war im Qualitäts-Index bereits am Mittwoch die Aktie von Infineon. Und auch am Donnerstag notiert sie mit 3,5 % im Plus bei 32,55 Euro. Die Papiere des Chipproduzenten profitieren dabei vor allem von erfreulichen Branchennachrichten aus den USA und Europa, die zur Wochenmitte vermeldet wurden. So hatte am Dienstag nach US-Börsenschluss der Halbleiterhersteller und Infineon-Konkurrent Texas Instruments Quartalszahlen vorgelegt, woraufhin die Aktie trotz Umsatzrückgangs starke Kursgewinne zeigte. Und auch der Chipindustrieausrüster ASM International überzeugte mit einem hohen Auftragseingang im abgelaufenen Quartal. Für Infineon waren aber vor allem die Aussagen von Texas Instruments beflügelnd, da das Management trotz angespannter Endmärkte “Automotive“ und “Industrial“ mit sequenziell steigendem Umsatz für die nächsten Quartale rechnet. Das Unternehmen, das zu den führenden Automobilchipherstellern Europas, weit vor den europäischen Halbleiterherstellern NXP und STMicroelectronics, gehört, wurde am Dienstag zudem auch in einer Branchenstudie gelobt. Dabei hatte die Privatbank Berenberg das Kursziel für Infineon zwar von 46,00 auf 45,00 Euro gesenkt, die Einstufung aber auf "Buy" belassen. Der Halbleitermarkt sei von einer Erholung nicht mehr allzu weit entfernt, schrieben die Analysten in der Studie. Es sei an der Zeit, sich STMicro und Infineon noch einmal genau anzusehen. Infineon-Papiere seien seit Monaten schwach, da die Anleger Zweifel hätten an den Jahreszielen, so die Bankexperten. Sie rechnen aber mit einer Anpassung, danach seien die Papiere wieder attraktiv.

Infineon selbst blickt als Produzent von integrierten Bauelementen ungeachtet der aktuellen Nachfrageschwäche bei E-Autos aber optimistisch auf dieses Segment. Die Elektromobilität bleibe einer der größten Wachstumstreiber für uns, zumal im Vergleich zum Verbrennermotor hier doppelt so viele Halbleiter verbaut werden, sagte der Finanzvorstand zuletzt in der Zeitung "Euro". Vor allem in China, das für zwei Drittel des Weltmarktes für Elektromobilität stehe, entwickle sich der Absatz weiter stark. Der Manager sieht für Infineon dabei enormes Potenzial bei sogenannten Mikrokontrollern, also elektronischen Steuerungseinheiten etwa für Infotainment und Fahrassistenzsysteme. In diesem Geschäft haben sich die Münchner in 2023 von zuvor Platz 2 mit nun 28,5 % auf den globalen Spitzenplatz vorgearbeitet, vorbei an Renesas, wie eine jüngste Analyse des kanadischen Marktforschers Techinsights zeigt. Den Umsatz in diesem Segment könnte Infineon dem Finanzchef zufolge in den kommenden 5 Jahren auf rund 6,0 Mrd. Euro sogar verdoppeln. Die Aktie wird derzeit auch nur mit einem KGV von 13 gehandelt, und bleibt damit ein spannender Technologiewert.

Der QIX Deutschland ist ein Aktien-Index, der aus den besten 25 deutschen Aktien gebildet wird. Die 25 Aktien werden nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk ausgewählt. Die im Index enthaltenen Unternehmen zeichnen sich durch hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie stabile Wachstumsraten und solide Bilanzen aus. Auch Value-Kriterien wie Dividendenrendite, niedrige Kurs-Gewinn- und Kurs-Umsatz-Verhältnisse werden mit einbezogen.

Einen deutlichen Kursabschwung musste in den letzten Wochen im Qualitäts-Index die Aktie von Aixtron hinnehmen. Am Donnerstag liegt sie auch erneut deutlich im Minus bei 22,10 Euro. Unter Druck geraten waren jüngst die Anteilsscheine des Hightech-Anlagenbauers, weil Anleger Sorgen in puncto einer möglichen Nachfragedelle nach Siliziumkarbid (SiC)-Halbleiter-Fertigungsanlagen haben. Heute aber konnte das Management die Bedenken mit den Aixtron-Zahlen zum 1. Quartal ein wenig mildern. Weitere neue Kunden im Bereich “SiC“ seien gewonnen worden, insbesondere einer aus dem Kreis der Top-5-Hersteller, wie die Unternehmensführung heute im Zuge der Vorlage der aktuellen Geschäftszahlen mitteilte. Aixtron musste als Chipindustrieausrüster in den ersten 3 Monaten allerdings einen rückläufigen Auftragseingang verkraften, die Umsatzziele für 2024 wurden aber dennoch bestätigt. Das Q1-Bestellvolumen fiel im Vergleich zum Vorjahr aber mit 14,0 % auf gut 120,0 Mio. Euro unerwartet deutlich. Gegenüber dem Schlussquartal war das Minus sogar noch größer. Aixtron hatte aber mit seinem Anlagengeschäft in 2023 noch stark vom Kapazitätsausbau im SiC-Bereich durch zahlreiche Chipproduzenten profitiert. Dabei sind Halbleiter auf SiC-Basis generell energieeffizienter und temperaturbeständiger als klassische Siliziumchips, was Voraussetzung etwa für Schnellladetechnik bei E-Autos ist. Und auch beim Ausbau erneuerbarer Energien werden SiC-Bauelemente immer interessanter.



Laut Aixtron war der Auftragseingang im Startquartal aber über alle Endmärkte hinweg ausgeglichen. Starke Impulse hat es aber bei Anlagen zur Herstellung von MicroLED gegeben. Diese machten sogar mehr als ein Drittel des Ordereingangs aus, auch weil Kunden derzeit viel Geld vor allem in Entwicklungs- und Pilotanlagen stecken. Branchenkennern zufolge versprechen MicroLED allerdings erst längerfristig größeres Potenzial, da sich die Technologie erst noch durchsetzen muss. Bei Aixtron liegt der Anlegerfokus daher vor allem auf der konkreten Nachfrage nach SiC-Anlagen. Den Umsatz steigerte der Maschinenbauer aber zunächst von Januar bis Ende März im Jahresvergleich um gut 50,0 % auf rund 118,0 Mio. Euro. Jedoch hatte das Fehlen von Exportlizenzen dem Unternehmen noch vor gut einem Jahr den 2023er-Auftakt verhagelt. Aixtron gilt mit seinem innovativen Zulieferergeschäft auch noch immer als Profiteur breit angelegter Trends. Bei den Anlagen zur Herstellung von Leistungschips auf Basis von SiC und GaN (Galliumnitrid) zählt das Unternehmen sogar mit zu den Marktführern. Für 2024 stehen auch weiterhin Erlöse von 630,0 bis 720,0 Mio. Euro im Plan, bei einer beachtlichen EBIT-Marge von 24,0 bis 26,0 %. Mit dieser Profitabilität notiert Aixtron nicht nur zu Recht im Qualitäts-Index, mit dieser Renditekennzahl dürften auch Schwächeperioden gut überstanden werden.

 

Wenn Sie den QIX nachbilden wollen, bietet sich ein Index-Tracker der UBS an.

Hinweis: Da der QIX Deutschland von finanzen.net und der TraderFox GmbH, einer Tochtergesellschaft der finanzen.net GmbH, entwickelt wurde, partizipieren die finanzen.net GmbH und die TraderFox GmbH indirekt oder direkt an der Vermarktung des QIX Deutschland. Dies betrifft u.a. Lizenzeinnahmen von Emissionsbanken und KVGs.

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