articles-marktberichte-international
22
Von Liridona Preniqi
25. November 2022

Dem QIX Dividenden Europa Index fehlen angesichts des gestrigen USA-Feiertages am Freitag neue Impulse. Am Nachmittag liegt der Index folglich unverändert bei 12.165 Punkten. Vonovia dürfte für 2022 trotz steigender Refinanzierungskosten eine unveränderte Dividende von 1,66 Euro ausschütten, eine Kürzung könnte aber zur Reduzierung der Verbindlichkeiten beitragen. Industrie-Dienstleister Valmet bietet die gesamte Wertschöpfungskette für Batteriesysteme und verkauft sie vor allem an renommierte Automobilhersteller.

Nach den enormen Kursaufschlägen von über 6 % vom Donnerstag liegt heute im Dividenden-Index die Vonovia-Aktie zunächst mit 1,3 % im Minus bei 24,15 Euro. Gestern hatten dem Immobilienverwalter die Interpretationen des US-Notenbankprotokolls vom Vorabend gestützt, wonach die Zinswende in den USA wohl auf der Zielgerade angekommen ist. Letztlich hoffen Anleger hierbei auch auf eine Signalwirkung für Europa. Allerdings notieren die Papiere von Vonovia gegenwärtig so niedrig wie zuletzt im Jahr 2014. Vor allem die steigenden Zinsen im EU-Raum machen dem Unternehmen zu schaffen, da sich hierdurch die Refinanzierungskosten erhöhen. Zuletzt hatte auch eine Bonitätsabstufung durch die US-Ratingagentur Moody’s mit Blick auf das kapitalhungrige Wachstumsgeschäft von Vonovia verunsichert. Und nachdem das Jahr 2022 von deutlichen Zinserhöhungen geprägt wurde, dürfte 2023 der rezessive Druck für Immobilienfirmen in Europa insgesamt zunehmen. Bei Vonovia dürften dabei nicht nur die Werthaltigkeit des Wohnimmobilienportfolios sondern auch der Verschuldungsgrad und die Ergebnistransparenz in den Blickpunkt rücken. Und da das Unternehmen sein Wachstum dank niedriger Zinsen in den letzten Jahren meist mit der Aufnahme neuer Schulden finanziert hat, wird diese Strategie inzwischen zu teuer. Diese Vorgehensweise ist für Vonovia als Wohnungsverwalter besonders dann lohnend, wenn die Kosten für Schulden niedrig und die Mietrendite höher als die für die Tilgung aufzuwendenden Zinsen sind. Bis zur Zinswende war es für das Unternehmen zudem sehr einfach, alte Schulden durch die Aufnahme neuer und zinsgünstiger Schulden am Kapitalmarkt zu “verbilligen“.

Aktuell hat Vonovia aber einen Schuldenberg von rund 57 Mrd. Euro, wovon knapp 22 Mrd. Euro kurzfristige Verbindlichkeiten sind. Allein für die Deutsche Wohnen-Übernahme wurden 17 Mrd. Euro auf den Tisch gelegt. Aber um nachhaltig wirtschaften zu können, ist der Wohnungsvermieter darauf angewiesen, dass die Rendite der eigenen Immobilien über den Zinsaufwendungen liegt. Die hohe Schuldenquote von Vonovia mindert auch die bisherige Bonität, was wiederum die Aufnahme neuer Schulden noch teurer macht. Das Management hatte deshalb auch schon erste Wohnimmobilien-Verkäufe im Wert von rund 13 Mrd. Euro angekündigt. Dies sorgte im Sommer jedenfalls für Optimismus, zumal der Immobilienspezialist die eigenen Verbindlichkeiten relativ konservativ strukturiert hat. Herausfordernd dürfte die Zukunft für Vonovia dennoch werden, denn bis 2031 werden im Schnitt rund 4,0 Mrd. Euro pro Jahr an Kreditrückzahlungen fällig. Ungeachtet stabiler Mieteinnahmen durch derzeit über ein halbe Million Wohneinheiten könnte dem Unternehmen aber eine Dividendenkürzung helfen. Bislang gehen Aktionäre für 2022 bei Vonovia von einer unveränderten Dividendenhöhe von 1,66 Euro aus, was einer Kapitalrendite von 6,8 % entsprechen würde. Aber ein um 20 bis 30 % niedrigeres Ausschüttungsverhältnis könnte vom Management für die Reduzierung der Gesamtverbindlichkeiten verwendet werden. Dementsprechend müssten vielleicht auch keine weiteren Immobilien unter Wert abstoßen werden, was bei Vonovia wiederrum auch einen positiven Einfluss auf die Gewinnentwicklung bzw. Funds-from-Operations (FFO) hätte.

Der QIX Dividenden Europa ist ein Aktien-Index, der gezielt auf stabile und zuverlässige Dividendenzahler in Europa setzt. In den Index werden 25 europäische Aktien aufgenommen, die sich nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk dafür qualifizieren. Neben einer hohen Dividendenrendite berücksichtigt das Regelwerk dabei fundamentale Kriterien wie Dividendenkontinuität, Dividendenwachstum oder Gewinnwachstum. Auch technische Aspekte wie stabile Kursverläufe mit niedriger Volatilität fließen in das Ranking mit ein.

Im heutigen Marktumfeld gibt nach der jüngsten Erholung im Dividenden-Index auch die Aktie von Valmet leicht auf 24,90 Euro nach. Dabei gilt der finnische Maschinenbauer und Auftragsfertiger dank seiner zahlreichen aus eigentlich robusten Branchen kommenden Kunden als solider Industrie-Dienstleister. Zum weltweiten Kundenstammen gehören folglich Unternehmen aus dem Automobil-, Umwelt- und Energiesektor, sowie der Zellstoff- und Papierbranche. Valmet nimmt diesbezüglich auf dem europäischen Zulieferermarkt auch eine wichtige Rolle bei der Produktion von Batteriesystemen ein. In weniger als 3 Jahren hat die Unternehmensgruppe mit seinen Kapazitäten in Finnland und Deutschland gut 1 Million Batteriesysteme produziert und an Kunden in der Automobilindustrie ausgeliefert. Im Jahr 2021 wurden nur rund 400.000 Batteriesysteme hergestellt, im November aber hat das kumulierte Gesamtvolumen die Marke von 1 Million produzierter Batteriesysteme überschritten. Zu Valmet`s wichtigsten Abnehmern zählen dabei der deutsche Autobauer Mercedes-Benz und die Schwedische Fahrzeuggruppe Volvo Cars. Die anhaltende Expansion der Valmet Automotive-Sparte mit Batteriesystemen zeigt sich auch im Spektrum der gelieferten Batteriesysteme, das von 48-Volt- bis zu Hochvolt-Batterien reicht. Zudem deckt Valmet die nahezu gesamte Wertschöpfungskette für Batteriesysteme ab, von Batteriekonzepten über Entwicklung, Prototyping, Testing/Validierung bis zur Serienfertigung von Batteriemodulen und ganzen Packs.

Das eigentliche Herzstück der Batterieproduktion ist dabei das von Valmet betriebene Werk in Salo, Finnland. Das Batteriewerk in Uusikaupunki, wo Batterie- und Fahrzeugproduktion in einer Fabrik untergebracht sind, hatte die Fertigung von Batteriesystemen erst im letzten Jahr aufgenommen. Gemäß unserer Strategie werden wir das Batteriegeschäft weiter ausbauen, um unsere derzeitigen Kunden zu bedienen, aber auch um neue Produkte, Branchen und Kunden zu erschließen, sagte kürzlich der Vorstand von Valmet Automotive. Letztlich ist die Ausweitung des Batteriesystemgeschäfts auch eng mit Valmet`s Nachhaltigkeitszielen verknüpft, zu denen CO2-Neutralität, Mitarbeiterzufriedenheit sowie Abfallvermeidung und die Erhöhung der Recyclingquote gehören. Mit einer Dividendenrendite von derzeit 3,7 % bleibt die Aktie jedenfalls weiterhin ein solider Kaufkandidat.

 

Wenn Sie den QIX Dividenden Europa Index nachbilden wollen, bietet sich ein Index-Tracker der UBS an.

Hinweis: Da der QIX Dividenden Europa Index von finanzen.net und der Traderfox GmbH, einer Tochtergesellschaft der finanzen.net GmbH, entwickelt wurde, partizipieren die finanzen.net GmbH und die TraderFox GmbH indirekt oder direkt an der Vermarktung des QIX Dividenden Europa. Dies betrifft u.a. Lizenzeinnahmen von Emissionsbanken und KVGs.

 

Teilen