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Von TraderFox
29. September 2021

Nach den Vortagesverlusten wegen zunehmender Zins- und Konjunktursorgen stehen am Mittwoch die Zeichen beim QIX Dividenden Europa Index wieder auf Erholung. Somit liegt der Index am Nachmittag mit 0,5% im Plus bei 12.600 Punkten. Vonovia sichert sich 50,49% des Grundkapitals und der Stimmrechte der Deutsche Wohnen, und dürfte damit seine Übernahmepläne durchsetzen. Sanofi verabschiedet sich wegen zu später Marktreife von mRNA-Vakzinen gegen Corona, konzentriert sich aber stattdessen auf neuartige Grippeimpfstoffe.

Nach den leichten Zugewinnen vom Montag liegt die Vonovia-Aktie auch am Mittwoch im Dividenden-Index leicht im Plus bei aktuell 53,40 Euro. Immerhin hat Deutschlands größte Wohnungsgesellschaft seit vergangener Woche die Aktienmehrheit an dem Konkurrenten und Übernahmeziel Deutsche Wohnen erreicht. Bis zum späten Freitag habe man sich 50,49% des Grundkapitals und der Stimmrechte der Deutsche Wohnen gesichert, teilte das Unternehmen am Montag mit. Vonovia befindet sich damit offenbar auf der Zielgeraden, denn der Immobilienverwalter ist gerade dabei, im dritten Anlauf die Nummer 2 unter den deutschen Vermietern für 53,00 Euro je Aktie zu übernehmen. Zweimal waren die Bochumer in den letzten Monaten schon gescheitert, weil ihnen nicht genügend Deutsche Wohnen-Aktien angeboten worden waren. Vor allem Hedgefonds waren zuvor massiv in die Aktie des Berliner Wohnungsverwalters eingestiegen und hatten darauf spekuliert, dass sie später eine höhere Abfindung als 52,00 Euro geboten bekämen. Aber auch einige aktiv gemangte Fonds zeigten Vonovia bei den Übernahmeplänen die kalte Schulter. Um aber diesmal Erfolg zu haben, hatte der Vorstand letztlich Bedingungen in dem Übernahmeangebot fallengelassen, unter anderem die Mindestannahmeschwelle von 50% der Aktien. Gemeinsam wollen beide Unternehmen nun auch drei landeseigenen Gesellschaften in Berlin insgesamt 14.750 Mietwohnungen sowie 450 Gewerbeeinheiten für 2,46 Mrd. Euro verkaufen. Als nächsten Schritt haben Vonovia und Deutsche Wohnen angekündigt, ihre Mieten in Berlin freiwillig für die kommenden 5 Jahre begrenzen und bis zu 13.000 Wohnungen in Berlin bauen zu wollen.

Dies dürfte aber nicht ganz zufällig kommuniziert worden sein, denn am Wochenende haben sich die Berliner Mieter bei einem Volksentscheid mit 56,4% für die Enteignung von Wohnungskonzernen ausgesprochen. Enteignungen lösen nicht die vielfältigen Herausforderungen auf dem Berliner Wohnungsmarkt, betonte der Vonovia-Vorstand am Montag. Die Politik könne auch nach dem Entscheid konstruktivere Lösungen erarbeiten, die die Sorgen vieler Menschen aufgriffen, sich ihre Wohnung nicht mehr leisten zu können. In Deutschland dürften die Mietpreise für Gewerbeimmobilien, insbesondere im Gastgewerbe und Einzelhandel, jedenfalls auch in 2022 unter Druck bleiben. Dank des europaweiten Wohnungsbestands von derzeit über 415.000 Einheiten und der anhaltenden Flucht in Betongold, sollte der Immobilien-Dienstleister dies aber letztlich abfedern können. Aufgrund des stabilen Vermietungsgeschäfts sollte Vonovia auch zukünftige Dividendenzahlungen weiterhin problemlos finanzieren können. Zuletzt wurden insgesamt 1,69 Euro für 2020 nach 1,57 Euro im Jahr zuvor an die Aktionäre ausgeschüttet. Die Aktie bietet demnach noch immer eine solide Dividendenrendite von 3,2%.

Der QIX Dividenden Europa ist ein Aktien-Index, der gezielt auf stabile und zuverlässige Dividendenzahler in Europa setzt. In den Index werden 25 europäische Aktien aufgenommen, die sich nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk dafür qualifizieren. Neben einer hohen Dividendenrendite berücksichtigt das Regelwerk dabei fundamentale Kriterien wie Dividendenkontinuität, Dividendenwachstum oder Gewinnwachstum. Auch technische Aspekte wie stabile Kursverläufe mit niedriger Volatilität fließen in das Ranking mit ein.



Ungeachtet der gegenwärtig nachgebenden Kurse bei Corona-Impfstoffproduzenten zählt am Mittwoch im Dividenden-Index auch die Sanofi-Aktie mit zu den Favoriten und legt um 1,6% auf 83,20 Euro zu. Dabei hat der französische Arzneimittelhersteller gestern angekündigt, trotz erster positiver Studienergebnisse aus der Entwicklung eines eigenen mRNA-Impfstoffs gegen Covid-19 aussteigen zu wollen. Dieser würde zu spät auf den Markt kommen, erklärte ein Sprecher des Unternehmens. Sanofi werde sich daher nur noch auf seinen proteinbasierten Covid-19-Impfstoff konzentrieren. Das neue Vakzin, das die Franzosen zusammen mit dem britischen Pharmahersteller GlaxoSmithKline entwickeln, befindet sich derzeit in der entscheidenden Phase-3-Studie und könnte bis Dezember verfügbar sein. Das laufende Entwicklungsprogramm hat Sanofi letztlich um eine Studie mit dem Impfstoff als Booster-Dosis erweitert, deren Testergebnisse dann Ende des 4.Quartals zu erwarten sind. Dabei erzielte das Unternehmen mit seinem eigenen mRNA-Impfstoffkandidaten, der wie die von BioNTech/Pfizer und Moderna auf der Technologie der Boten-RNA basiert, sogar schon erste positive Zwischenergebnisse.

So hätten sich in der Phase-1/2-Studie bei 91 bis 100% der Probanden gut 2 Wochen nach der 2.Dosis wie erwartet neutralisierende Antikörper gebildet. Zuletzt hatte Sanofi sogar angekündigt, jährlich bis zu 400 Mio. Euro in die mRNA-Technologie investieren zu wollen. Im Rennen um einen marktfähigen mRNA-Impfstoff gegen Corona dürfte das Unternehmen angesichts der starken Konkurrenz aber das Nachsehen haben. Folglich will es sich nur noch auf die Entwicklung eines mRNA-Impfstoffs gegen Influenza konzentrieren. Die klinischen Studien hierzu sollen ab 2022 starten. Aus Dividendensicht bleibt die Aktie von Sanofi aber hochinteressant, zumal die Papiere zuletzt ein Stück weit gefallen sind und inzwischen wieder gut 3,8% an Rendite abwerfen.

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