articles-marktberichte-international
29
Von Christina Rothfuß
27. Juni 2022

Nachlassende Zins-Ängste führen am Montag beim QIX Dividenden Europa Index zur weiteren Erholung. Dementsprechend liegt er am Nachmittag mit 0,6 % im Plus bei 11.660 Punkten. Sanofi legt mit Partner Glaxo vielversprechende Ergebnisse der Phase-3-Studie zur Wirksamkeit des eigenentwickelten Corona-Vakzins vor. Steigende Finanzierungskosten belasten künftige Renditeperspektiven bei Partners Group, neue Gelder dürften aber dank ausgezeichneter Private-Equity-Positionierung weiterhin fließen.

 

In Anbetracht spannender Impfstoff-Nachrichten war am Freitag im Dividenden-Index die Sanofi-Aktie der größte Tagesgewinner und zog daraufhin über 3 % an. Am heutigen Montag liegt sie aber erst mal wieder im Minus bei aktuell 99,80 Euro. Der französische Arzneimittelproduzent hatte am Freitag erklärt, den zusammen mit dem Forschungspartner Glaxo entwickelten Covid-19-Impfstoff, erfolgreich gegen eine Omikron-Linie des Coronavirus getestet zu haben. Die Wirksamkeit des protein-basierten Vakzins gegen die Variante liege nach den Ergebnissen der Phase-3-Studie bei Erwachsenen bei 72 % in Bezug auf symptomatische Infektionen, teilte Sanofi hierzu mit. Bei Genesenen erreiche sie sogar 93 %. Laut Unternehmensangaben nahmen an der zweiten Stufe der Phase-3-Studie für den Impfstoff, der Antigene der Corona-Linien D614 und Beta (B.1.351) enthält, mehr als 13.000 Erwachsene teil. Das französisch-britische Forschungsduo will die Ergebnisse der Studie in den kommenden Wochen bei der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA einreichen, um den Antrag auf Zulassung zu ergänzen. Sanofi und GSK forschen darüber hinaus auch an einem angepassten „Auffrisch“-Impfstoff, der ebenfalls auf einer Beta-Variante basiert. Der Pharmaproduzent teilte allerdings noch nicht mit, bis wann mit einer Genehmigung für die Impfstoffe gerechnet werden kann. Sanofi ist aber für das eigene operative Geschäft insgesamt weiterhin positiv gestimmt. So äußerte sich jüngst der Chef der Forschungsabteilung auf einer Investorenkonferenz mit Blick auf die Behandlung der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung sehr zuversichtlich.

Zudem dürfte laut Management auch das Potenzial von Biopharmazeutika wie das mit dem US-Biotech-Partner Regeneron zusammen vermarktete Neurodermitis-Mittel Dupixent noch lange nicht ausgeschöpft sein. Sanofi ist dabei vor allem für den Wirkstoff Efanesoctocog alfa, der weltweit zur Therapie bei der sogenannten Bluterkrankheit eingesetzt wird, optimistisch. Außerdem sind die Franzosen bei ihrer angestrebten Umstrukturierung auf Kurs. Erst im März hatte der Vorstand erklärt, trotz des unsicheren Marktumfelds an der geplanten Börsennotiz der Tochter Euroapi festhalten zu wollen. Das auf pharmazeutische Wirkstoffe (API) spezialisierte Unternehmen sollte noch im 1. Halbjahr abgespalten werden, teilte der Manager damals mit. An den Börsenplänen arbeitet Sanofi schon seit geraumer Zeit. Unter der Neugründung Euroapi fasst der Pharmaspezialist, der fast nur noch auf das Krebs- und Impfgeschäft sowie Immunkrankheiten setzt, seine Vermarktungs- und Entwicklungskapazitäten für aktive pharmazeutische Wirkstoffe mit 6 europäischen Produktionsstandorten zusammen. Und die jüngst erhöhte Gewinnausschüttung von 3,33 Euro bedeutet für die Papiere von Sanofi auch nach wie vor eine solide Dividendenrendite von aktuell 3,4 %.

Der QIX Dividenden Europa ist ein Aktien-Index, der gezielt auf stabile und zuverlässige Dividendenzahler in Europa setzt. In den Index werden 25 europäische Aktien aufgenommen, die sich nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk dafür qualifizieren. Neben einer hohen Dividendenrendite berücksichtigt das Regelwerk dabei fundamentale Kriterien wie Dividendenkontinuität, Dividendenwachstum oder Gewinnwachstum. Auch technische Aspekte wie stabile Kursverläufe mit niedriger Volatilität fließen in das Ranking mit ein.

Im heute wieder positiven Marktumfeld gehört im Dividenden-Index auch die Aktie von Partners Group mit einem Plus von 0,3 % auf 894,50 Euro zu den Favoriten. Allerdings haben die Papiere des Schweizer Private-Equity-Hauses seit Jahresbeginn über 30 % nachgegeben. Der gesamte Zuwachs aus dem Jahr 2021 wurde damit sogar ausradiert. Der wesentliche Grund für die steile Kurskorrektur ist vor allem im sich derzeit ändernden Zinsumfeld zu finden. Steigen weltweit die Kapitalmarktzinsen, finden institutionelle Großanleger vermehrt sichere Alternativen im weniger risikobelasteten Anleihebereich. Partners Group investiert schon seit 1996 erfolgreich im Auftrag seiner Kundschaft, die hauptsächlich aus Pensionskassen besteht, in risikoreichere Asset-Klassen wie Private Equity, Real Estate und Private Infrastructure. Weltweit summiert sich die Anlagesumme seitdem laut Unternehmensangaben auf bislang über 150 Mrd. USD. Und bisher hatte das Management eher das Problem, für das viele Anlagegeld, das dem Private-Equity-Spezialisten zufloss, genügend lukrative Investments zu finden. Rund 20 % der Gelder stammen aus den USA. Die gegenwärtigen Börsenturbulenzen dürften bei Partners Group aber dazu führen, dass „Exits“, also Beteiligungsverkäufe, schwieriger werden. Zudem sinken derzeit die globalen Firmenbewertungen, was dem Investmenthaus wiederum niedrigere Performance-Fees einbringt.

Analysten gehen bei dem Unternehmen inzwischen sogar von einer 15 % tieferen Marktbewertung des Portfolios aus. Da Partners Group eine Blackbox ist, was ihre Portfoliogesellschaften angeht, können höhere Verluste nicht ausgeschlossen werden, heißt es. Für Private-Equity-Firmen wird es außerdem anspruchsvoller, Neuinvestitionen zu tätigen, wenn die allgemeinen Finanzierungskosten steigen. Die Renditeperspektiven für die Schweizer dürften folglich auch deutlich niedriger werden. Partners Group investierte bis zuletzt fast 50 % in den USA und hatte dabei den Fokus auf kleineren, nicht börsennotierten Firmen. Im Umfeld steigender Zinsen bevorzugen aber institutionelle Investoren derzeit innerhalb des Finanzsektors eher Versicherungen und Banken. Da das Unternehmen aber seit Jahren schon strategisch ausgezeichnet positioniert ist, dürften dem Private-Equity-Investor auch bei steigenden Zinsen in Zukunft milliardenschwere Neugelder zufließen. Und dank der bis zuletzt hohen Kapitalrenditen aus dem Anlagegeschäft zahlte Partners Group an seine Aktionäre auch beachtliche Gewinnanteile aus. Die Dividendenrendite lag in den zurückliegenden Geschäftsjahren diesbezüglich meist zwischen 2,5 und 3,5 %.

 

Wenn Sie den QIX Dividenden Europa Index nachbilden wollen, bietet sich ein Index-Tracker der UBS an.

Hinweis: Da der QIX Dividenden Europa Index von finanzen.net und der Traderfox GmbH, einer Tochtergesellschaft der finanzen.net GmbH, entwickelt wurde, partizipieren die finanzen.net GmbH und die TraderFox GmbH indirekt oder direkt an der Vermarktung des QIX Dividenden Europa. Dies betrifft u.a. Lizenzeinnahmen von Emissionsbanken und KVGs.

 

Teilen