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Von TraderFox
30. Juli 2020

Der deutliche Einbruch der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal und enttäuschende Geschäftszahlen belasten am Donnerstag den QIX Dividenden Europa Index. Am Nachmittag liegt er dabei mit 1,3% im Minus bei 10.510 Punkten. Pharmahersteller Sanofi will mit Medikamenten- und rezeptfreien Produktgeschäfts in 2020 ein Gewinnwachstum von bis zu 7% einfahren. Allianz-Kreditversicherungstochter erwartet ab Herbst mit weltweiter Pleitewelle bei Unternehmen, der Versicherer dürfte seine Dividende für 2020 aber stabil halten.

Nach den teils deutlichen Zugewinnen von gestern zeigt sich am Donnerstag im Dividenden-Index die Sanofi-Aktie wieder im Minus bei 89,10 Euro. Dabei hatte der französische Pharmahersteller gestern berichtet, nach einem Gewinnanstieg im zweiten Quartal für 2020 insgesamt wieder optimistischer zu sein. Letztlich profitierte das Unternehmen jüngst von seinem umgesetzten Sparprogramm sowie guten Verkaufszahlen beim Wachstumstreiber Dupixent und einem Beteiligungsverkauf. Im letzten Quartal gingen bei Sanofi allerdings die Erlöse um knapp 5% auf 8,2 Mrd. Euro wegen der Pandemie zunächst zurück. So sank diesbezüglich das Geschäft mit Reiseimpfstoffen, nachdem der internationale Tourismus durch die verordneten Grenzschließungen nahezu zusammengebrochen war. Sehr positiv entwickelte sich dagegen die Biotechsparte des Arzneimittelherstellers, in der Medikamente gegen seltene Erkrankungen, Multiple Sklerose, Krebs oder auch Bluterkrankheit angeboten werden. Am stärksten zulegen konnte hier insbesondere der Sanofi-Blockbuster Dupixent, das in erster Linie gegen Hauterkrankungen und Asthma eingesetzt wird, und dessen Quartalsabsatz um immerhin 70% auf 858 Mio. Euro anzog. Auf der Ergebnisseite profitierten die Franzosen außerdem vom Teilverkauf ihrer Anteile an dem US-Biotechunternehmen Regeneron. Für 2020 wurde daraufhin die Prognose erhöht und nun ein Gewinnanstieg um 6 bis 7% in Aussicht gestellt, nach zuvor 5%.

Auch forciert das Management derzeit die Entwicklung von Wirkstoffen gegen Covid-19. Allein Großbritannien hatte sich diesbezüglich erst kürzlich 60 Millionen Dosen eines potenziellen Corona-Impfstoffkandidaten von Sanofi und GlaxoSmithKline gesichert. Beide Unternehmen forschen gegenwärtig gemeinsam an einem solchen Mittel. Der französische Pharmaproduzent ist hierbei vor allem bei der klinischen Entwicklung federführend. Im September soll dafür die Phase 1/2 beginnen, die Phase-3-Studie dann zum Jahresende. Beide Partner haben bereits mit der Erhöhung ihrer Kapazitäten begonnen und könnten nach einer möglichen Zulassung sogar bis zu 1 Milliarde Dosen jährlich herstellen. Sanofi blieb zuletzt auch angesichts des weiterhin risikoarmen Medikamenten- und rezeptfreien Produktgeschäfts in Europa seiner konservativen Dividendenpolitik treu. Denn dank des letzten Ausschüttungsvorschlags erhielten Aktionäre für 2019 eine etwas höhere Dividende von 3,15 Euro. Die Aktie bietet somit nach wie vor eine attraktive Kapitalrendite von 3,4%.

Der QIX Dividenden Europa ist ein Aktien-Index, der gezielt auf stabile und zuverlässige Dividendenzahler in Europa setzt. In den Index werden 25 europäische Aktien aufgenommen, die sich nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk dafür qualifizieren. Neben einer hohen Dividendenrendite berücksichtigt das Regelwerk dabei fundamentale Kriterien wie Dividendenkontinuität, Dividendenwachstum oder Gewinnwachstum. Auch technische Aspekte wie stabile Kursverläufe mit niedriger Volatilität fließen in das Ranking mit ein.

Im heutigen Marktumfeld gibt im Dividenden-Index auch die Allianz-Aktie wieder stärker nach und steht damit aktuell bei 179,40 Euro. Die Tochter des Münchner Versicherers, Euler Hermes, rechnet in Anbetracht der wirtschaftlichen Corona-Umstände im Herbst mit einer beispielslosen weltweiten Pleitewelle bei Unternehmen. Der Kreditversicherer der Allianz erwartet in diesem und nächsten Jahr folglich mit einem kumulierten Anstieg der globalen Insolvenzen um insgesamt 35%, was sich zu einem neuen Negativrekord entwickeln könnte. Allerdings sollten sich die Auswirkungen auf den Mutterkonzern in Grenzen halten. Der Studie zufolge könnten aber allein in Deutschland die Corona-bedingten Geschäftsschließungen in den zwei Jahren bis 2021 um 12% auf dann etwa 21.000 Fälle ansteigen. Damit dürfte die Bundesrepublik wie auch Großbritannien, Frankreich, Belgien, die Schweiz oder Indien zu dem Drittel der Länder gehören, in denen sich die Negativeffekte zeitverzögert ausweiten. Für die Allianz-Tochter könnte Deutschland allerdings vergleichsweise glimpflich davonkommen.

Entscheidend hierfür sind neben der besseren Ausgangssituation und dem weniger strikten Lockdown auch die Sofortmaßnahmen der Regierung, wie der vereinbarte Schutzschirm in der Kreditversicherung, der den Handel erst einmal stabilisiert und auch wichtige Lieferketten zusätzlich geschützt hatte. Bislang hat sich auch die Allianz ganz passabel durch die gegenwärtigen Schwierigkeiten manövriert. Zwar waren im ersten Quartal die Ergebnisse um gut 30 % rückläufig gewesen. Alles deutet jedoch daraufhin, dass die operative Katastrophe in 2020 ausbleibt, und der Versicherer mittel- bis langfristig in seine zuletzt rekordverdächtige Erfolgsspur zurückfindet. Mit den jüngst 9,60 Euro an Dividende für 2019 hat sich die Allianz auch im Mai fair gegenüber ihren Investoren verhalten. Hält sie dieses Niveau auch für das Gesamtjahr stabil, was durchaus nicht so einfach werden dürfte, dann winken erneut über 5% an außerordentlicher Rendite.

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