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Von TraderFox
09. Dezember 2021

Nach der fulminanten Erholung zu Wochenbeginn verläuft das Handelsgeschehen beim QIX Dividenden Europa Index am Donnerstag zurückhaltend. Der Index liegt daraufhin am Nachmittag unverändert bei 13.220 Punkten. Lebensmittelproduzent Nestlé reduziert seine Beteiligung an L'Oréal auf nur noch 20% und kündigt neuen Aktienrückkauf für die Zeit von 2022 bis 2024 an. Energieversorger Endesa will den Ausbau klimaneutraler und umweltfreundlicher Projekte beschleunigen, und stellt hierfür bis 2030 insgesamt 31 Mrd. Euro bereit.

Gestern zog im Dividenden-Index die Aktie von Nestlé, angetrieben von der Ankündigung die Beteiligung an L'Oréal zu reduzieren sowie neuerlichen Aktienrückkäufen, auf einen Rekordwert. Am heutigen Donnerstag liegt sie aber erstmal wieder leicht im Minus bei 118,50 Euro. Dabei hatte der Lebensmittelproduzent am Dienstag erklärt, seinen Anteil an dem französischen Kosmetikkonzern auf nur noch 20% über einen Anteilsverkauf drücken zu wollen. Nestlé und L'Oréal hätten den Verkauf von 22,26 Mio. L'Oréal-Aktien zu einem Stückpreis von 400,00 Euro und einem Gesamtbetrag von 8,9 Mrd. Euro an L'Oréal vereinbart, teilten die Schweizer hierzu am Dienstagabend mit. Nach Abschluss der Transaktion beträgt die Nestlé-Beteiligung an dem Spezialisten für Schönheits- und Pflegeprodukte aber noch immer 20,1%. Begründet wurde die Reduzierung vor allem mit dem hohen Aktienkurs von L’Oréal, der die Beteiligung auf einen Wert von mehr als 55 Mrd. Euro getrieben hat. Der Getränke- und Kaffeehersteller, der mit seinen Premium-Marken wie Vittel, Contrex oder auch Nescafé global präsent ist, hatte damals im Jahr 1974 für das Aktienpaket lediglich 260 Mio. Euro gezahlt. Laut Firmenangaben würde dies, ohne Berücksichtigung von Dividenden, einer beachtlichen Rendite von 11% pro Jahr in Schweizer Franken entsprechen. Und Nestlé will das eingenommene Geld auch im Sinne der Aktionäre verwenden.

So hat das Management in dieser Woche beschlossen, das laufende Aktienrückkaufprogramm durch ein Neues am 3.Jan. 2022 zu ersetzen. Dies sieht den Einzug eigener Aktien im Umfang von bis zu 20 Mrd. CHF (18 Mrd. Euro) im Zeitraum von 2022 bis 2024 vor. In den ersten 12 Monaten sollen davon schon etwa 10 Mrd. ausgegeben werden. Nestle hatte in 2021 bis Anfang Dezember gut 120 Mio. eigene Aktien im Umfang von 12,7 Mrd. CHF (11 Mrd. Euro) zu einem Durchschnittskurs von 105,61 CHF je Aktie eingezogen. Das entsprach allerdings nur knapp zwei Dritteln des vorgesehenen Volumens von gut 20 Mrd. CHF. Die Aktie des Lebensmittelherstellers bleibt aber dank des robusten Portfolios weiterhin ein klassisch defensiver Wert. Allerdings liegt das Bewertungsniveau derzeit weit über dem Durchschnitt der Vergangenheit, und lässt damit kaum noch Kurspotenzial zu. Nestlé hat aber über 20 Jahre hintereinander die Dividende erhöht. Aktuell bietet sie aber nur noch eine Dividendenrendite von 2%, liegt damit aber weit über dem europäischen Zinsniveau.

Der QIX Dividenden Europa ist ein Aktien-Index, der gezielt auf stabile und zuverlässige Dividendenzahler in Europa setzt. In den Index werden 25 europäische Aktien aufgenommen, die sich nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk dafür qualifizieren. Neben einer hohen Dividendenrendite berücksichtigt das Regelwerk dabei fundamentale Kriterien wie Dividendenkontinuität, Dividendenwachstum oder Gewinnwachstum. Auch technische Aspekte wie stabile Kursverläufe mit niedriger Volatilität fließen in das Ranking mit ein.

Eine durchaus überraschende Erholung hat in den letzten Monaten im Dividenden-Index die Aktie von Endesa hingelegt. Im heutigen Umfeld liegt sie aber kaum verändert bei 19,70 Euro. Dabei lief es im Tagesgeschäft des spanischen Energieversorgers zuletzt trotz weiterer Regulierungsmaßnahmen der spanischen Regierung wieder besser. Die Gesellschaft ist aber mit jüngst erzielten 17,57 Mrd. Euro an Erlösen nicht nur ein bedeutender Gasproduzent des Landes sondern treibt daneben auch die Stromerzeugung mithilfe von erneuerbaren Energien immer stärker voran. Erst Ende November wurde diesbezüglich neue milliardenschwere Investitionspläne bekannt gegeben, mit denen Endesa den Ausbau klimaneutraler und umweltfreundlicher Unternehmensprojekte beschleunigen will. So will das Management hierfür bis 2030 insgesamt 31 Mrd. Euro bereitstellen, die vorrangig in Spanien und Portugal in die Erweiterung des Stromnetzes sowie die Erzeugung von “grüner“ Energie fließen soll. Dabei will das Unternehmen, das seit Jahren schon dem italienischen Energiekonzern Enel gehört, seine Leistung aus erneuerbaren Energien von 7,8 GW, die in 2020 erzeugt wurden bis 2030 auf 24 GW nahezu verdreifachen.

Zu diesem Zweck will Endesa in den Jahren 2022 bis 2024 insgesamt 7,5 Mrd. Euro in grüne Projekte wie Wind- und Solarparks sowie die Wasserstoff-Forschung investieren. Gerade die vielversprechenden Geschäfte rund um Wasserstoff sollen dabei die gesamte Wasserstoff-Wertschöpfungskette von der Energieerzeugung über die Produktion bis hin zum Transport abdecken. Was die geplanten Investitionen für die Dividendenentwicklung bei Endesa letztlich bedeutet, lässt sich allerdings noch nicht genau sagen. Die Spanier wollen aber bis Ende 2022 komplett aus der Kohleverstromung aussteigen, und könnten zur jeweilig teuren Finanzierung auch ihre Gewinnausschüttung noch ein Stück weiter kürzen. Zurzeit bietet die Endesa-Aktie nach der jüngst halbierten 2020er Auszahlung eine noch immer solide Kapitalrendite von 3,5%, die sich aber in den nächsten Jahren beim Durchschnitt der vergangenen Jahre, also wieder bei 5 bis 6% einpendeln könnte.

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