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Von TraderFox
24. Juli 2020

In Anbetracht des sich wieder verschärfenden US-chinesische Konflikts gerät am Freitag der QIX Dividenden Europa Index unter Druck. Dabei gibt der Index am Nachmittag um gut 1,0% auf 10.580 Punkte nach. Kühne & Nagel verschiebt 2019er Dividendenausschüttung und dürfte im Bereich der Veranstaltungslogistik viele kleiner Dienstleister im Zuge der Krise übernehmen. Mobilfunkanbieter Orange kommt bislang weitgehend problemlos durch die Covid-19-Krise und will polnische Glasfasertochter für 1 Mrd. Euro verkaufen.

Nach der gezeigten Erholung während der vergangenen Wochen notiert die Aktie von Kühne & Nagel am Freitag im Dividenden-Index wieder leicht im Minus bei 148,10 Euro. Wie so viele Unternehmen, so hat auch der weltweit führende Logistik- und Speditionsdienstleister mit dem weltweit schwierigen Corona-Umfeld zu kämpfen. Aufgrund der Ungewissheiten im Zusammenhang mit der Pandemie hatte das Management zuletzt sogar entschieden, den Bilanzgewinn vorzutragen und zur Sicherung der Liquidität zunächst keine Dividende für 2019 auszuschütten. Für Kühne & Nagel, das jüngst noch Erlöse von 21,1 Mrd. CHF (19,9 Mrd. Euro) erzielte und zu dessen Kerngeschäften vor allem Services rund um See-, Luft- und Bahnfracht sowie die Verschiffung auf Flüssen gehört, ist die Verschiebung der Dividendenausschüttung letztlich auch eher ungewöhnlich. Die aktuellen Umstände würden dies laut Vorstand aber notwendig machen. Im letzten Jahr konnten Aktionäre hier noch eine attraktive Rendite von 3,9% einfahren. Analysten zufolge würde die Entscheidung zur Sicherstellung der Liquidität auch ein Hinweis auf mögliche Fusionen und Übernahmen durch das Schweizer Logistikunternehmen in Asien sein. Und genau hier liegt auch die Chance, um von der derzeitigen Krise zu profitieren.

Vor allem auch da Kühne & Nagel im Geschäft der Veranstaltungslogistik rund um Messen, Sport- und Live-Events aktiv ist, und primär auch an der Bereitstellung von Lieferketten in der Automobilindustrie beteiligt ist. Denn diese Wirtschaftsbereiche wurden von der Virus-Ausbreitung besonders hart getroffen, und damit dürften sich gerade hier günstige Gelegenheiten ergeben, um sich kleinere Dienstleister einzuverleiben. Auch wird mit einem weitreichenden Start-up-Sterben gerechnet, was Kühne & Nagel zusätzlich in die Hände spielen könnte. Zumal in den letzten Jahren überall in Europa Hubs und Acceleratoren rund um das Thema “Logistik“ entstanden. Für die Schweizer geht es dabei letztlich darum, digitale Transformationsprozesse der Branche zu beschleunigen. Das Unternehmen sucht jedenfalls ständig nach guten Softwareentwicklern mit Branchen-Know-how, um günstiger als bisher die Digitalsparte ausbauen zu können.

Der QIX Dividenden Europa ist ein Aktien-Index, der gezielt auf stabile und zuverlässige Dividendenzahler in Europa setzt. In den Index werden 25 europäische Aktien aufgenommen, die sich nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk dafür qualifizieren. Neben einer hohen Dividendenrendite berücksichtigt das Regelwerk dabei fundamentale Kriterien wie Dividendenkontinuität, Dividendenwachstum oder Gewinnwachstum. Auch technische Aspekte wie stabile Kursverläufe mit niedriger Volatilität fließen in das Ranking mit ein.

Ungeachtet der heutigen unsicheren Marktentwicklung liegt im Dividenden-Index die Aktie von Orange leicht im Plus bei aktuell 10,78 Euro. Dabei zeigt sich der französische Telekomdienstleister bislang weitgehend unbeeindruckt von der Covid-19-Krise. Auch wenn die Belastungen im 2.Quartal etwas stärker ausgeprägt ausfielen, so haben sie sich doch insgesamt in Grenzen halten. Die wesentlichen Wachstumsimpulse gab es hier erneut durch die Region Afrika und Naher Osten. Zudem hat der Mobilfunk-und Breitbandanbieter die Zielsetzungen für das Gesamtjahr erneut bestätigt, will aber erst nach 2020 wieder leichte Gewinnsteigerungen erzielen. Zu diesem Zweck wurden die von Orange betriebenen Mobilfunktürme in eine eigene Firma auslagert. Wie auch andere Telekomkonzerne zuvor, so wollen die Franzosen ihre knapp 40.000 europäischen Funktürme, also die sogenannte passive Netzinfrastruktur ohne die tatsächlichen Sendeanlagen, nun ebenfalls stärker zu Geld machen. Allerdings hat das Management entgegen ursprünglicher Aussagen die Dividende für 2019 infolge der Unsicherheiten auf nur noch 0,50 Euro von zuvor 0,70 Euro reduziert. Wie bei den meisten anderen europäischen Telekommunikationsunternehmen, so stellt in der aktuellen konjunkturellen Eintrübung vor allem auch der hohe Schuldenstand von Orange ein Problem dar. Das Unternehmen sucht daher nach Wegen diese zu minimieren.

Neben der Auslagerung der Mobilfunkmasten, die gerade für Investoren, wie etwa Versicherer, als solide Renditeanlage gelten, wurde Mitte Juli auch der Verkauf der polnischen Glasfasertochter von Orange Polska angekündigt, der geschätzt bis zu 1 Mrd. Euro einbringen könnte. Zudem gehen Analysten von einer ebenfalls baldigen Abspaltung der wichtigsten Wachstumssparte aus, die mit ihrem Mobilfunkgeschäft in Afrika und dem Nahen Osten sehr erfolgreich operiert. Für die Anteilseigner von Orange bedeuten diese Nachrichten auf absehbare Zeit indes eine gewisse Dividendenverlässlichkeit, die mit einer nach wie vor hohen Rendite von 4,6% vergütet wird.

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