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Von TraderFox
18. Januar 2022

Anziehende Renditen am Anleihemarkt belasten am Montag den QIX Dividenden Europa Index. Dabei verliert der Index am Nachmittag gut 1,0% auf 13.135 Punkte. GlaxoSmithKline lehnt Offerte von Unilever für die eigene Konsumsparte als zu niedrig ab und bietet derzeit 4,6% Dividende. Gasehersteller Air Liquide baut im zukunftsträchtigen Wasserstoff-Geschäft auf Kooperationen wie jüngst mit Thyssenkrupp und dem Flugzeugbauer Airbus.

Auch nach der gezeigten Erholung der vergangenen Tage notiert die Aktie von GlaxoSmithKline am Dienstag im Dividenden-Index wieder leicht im Plus bei 20,40 Euro. Dabei hatte das britische Pharmaunternehmen am Wochenende ein etwa 60 Mrd. Euro schweres Übernahmeangebot für seine Konsumgütersparte mit Marken wie Sensodyne oder Otriven als zu niedrig zurückgewiesen. Die Offerte des Unilever-Konzerns sei nicht im besten Interesse der Aktionäre, teilte das Management hierzu am Samstag mit. Auch die Aussichten der Sparte seien unterschätzt worden. Die ohnehin geplante Abspaltung des anderen Unternehmensbereiches "Consumer Healthcare" will Glaxo aber weiter fortsetzen. Dabei ist letztlich die Trennung der Tochter vom klassischen Pharmageschäft mit Medikamenten und Impfstoffen für Mitte des Jahres geplant. Die Sparte der Briten verfügt über ein großes Markensortiment an Gesundheitsprodukten wie Dr.-Best-Zahnbürsten, Voltaren-Schmerzsalbe oder auch die Nahrungsergänzungsmittel der Marke Centrum. Zum jetzigen Zeitpunkt ist allerdings unklar, ob Unilever, dessen Markenprodukte wie Ben & Jerry’s, Knorr, Axe oder auch Dove weltbekannt sind, das Angebot aufstocken könnte. Laut Glaxo bot der niederländisch-britische Konzern 41,7 Mrd. GBP in bar sowie eigene Aktien im Wert von 8,3 Mrd. GBP, so dass das Kaufgebot ein Volumen von 50 Mrd. GBP (ca. 60 Mrd. Euro) hatte. Unilever selbst hatte am Wochenende aber betont, die Glaxo-Tochter würde gut zum eigenen Portfolio passen. Ob man sich einige, sei aber ungewiss.

Die Aktien des Pharmaspezialisten spielen dagegen derzeit aber wieder ihre defensiven Eigenschaften voll aus. Dabei sorgt Glaxo mit seinem Produktportfolio und hier insbesondere mit Impfstoffen gegen saisonale Grippeinfekte und gebärmutterhalskrebsfördernde HPV-Viren schon seit Jahren für robuste Umsätze. Im Kampf gegen Covid-19 öffnete das Unternehmen im April 2020 sogar seine Impfstoff-Datenplattform für Wissenschaftler der University of Queensland. Selbst das chinesische Biotech-Unternehmen Clover Biopharmaceuticals erhielt damals Zugang zu Glaxo`s “AS03 Adjuvant System“ um vorklinische Tests mit Impfstoff-Kombinationen für den Wirkstoffkandidaten COVID-19 S-Trimer durchführen zu können. Und für das jüngst solide Geschäftsjahr 2021 will Glaxo seiner bisher schon üppigen Dividendenpolitik einmal mehr treu bleiben. Im April dürften demnach alle Anteilseigner eine erneut unveränderte Gewinnbeteiligung von 0,80 GBP (0,95 Euro) erhalten. Die Papiere des Pharmaherstellers bieten somit selbst nach dem kürzlich erfolgten Kursanstieg eine durchaus attraktive Dividendenrendite von 4,6%.

Der QIX Dividenden Europa ist ein Aktien-Index, der gezielt auf stabile und zuverlässige Dividendenzahler in Europa setzt. In den Index werden 25 europäische Aktien aufgenommen, die sich nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk dafür qualifizieren. Neben einer hohen Dividendenrendite berücksichtigt das Regelwerk dabei fundamentale Kriterien wie Dividendenkontinuität, Dividendenwachstum oder Gewinnwachstum. Auch technische Aspekte wie stabile Kursverläufe mit niedriger Volatilität fließen in das Ranking mit ein.

Am Dienstag zeigt sich in Anbetracht der wieder schwächeren Stimmung am Markt im Dividenden-Index die Air Liquide-Aktie robust und gibt nur leicht auf 154,70 Euro nach. Dabei hatten die Papiere des französischen Gaseherstellers und Wasserstoffspezialisten dank starker Geschäfte und Preiserhöhungen erst Anfang Januar ein Rekordhoch erreicht. Zwar dürfte bei dem als defensiv geltenden Unternehmen die Verlangsamung des Volumenwachstums bei medizinischem Sauerstoff zu einer schwächeren Performance im 4.Quartal geführt haben. Der Umsatz der Sparte Gases & Services könnte aber bei Air Liquide dennoch um fast 5% gestiegen sein, was für 2022 insgesamt höhere Umsatzerwartungen zulässt. Zumal des dem Management gegenwärtig gelingt, die gestiegenen Energiekosten an die Kunden weiterzureichen. Dies sind auch gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche und international ausgelegte Expansion in das Wasserstoffgeschäft. Denn die Franzosen haben weltweit Tausende Kunden, die ihre CO2-Emissionen unter anderem mithilfe von grünem Wasserstoff senken wollen. Air Liquide setzt dabei auch auf Partnerschaften, so wie zuletzt die Kooperation mit dem deutschen Stahlproduzenten Thyssenkrupp, die zum Ziel hat, die enorm energieintensive Stahlherstellung mit der Hilde von erzeugtem Wasserstoff klimafreundlicher zu machen. Neben dem eigentlichen Kerngeschäft, der Herstellung von industriellen Gasen, wie Oxygen, Nitrogen und Hydrogen, verfolgt Air Liquide im Wasserstoffgeschäft eine ähnliche Strategie wie der deutsche Konkurrent Linde.

Den Industriekunden wird also letztlich ein Komplettpaket angeboten, das von der lokalen wasserstoffbezogenen Herstellung bis zum fertigen Produkt alles abgedeckt. Erst im November wurde von Air Liquide mit dem französischen Flugzeugbauer Airbus und dem Flughafenbetreiber Vinci vereinbart, in Frankreich bis zum Jahr 2030 die nötige Infrastruktur für die Betankung von Passagierflugzeugen mit Wasserstoff bereitzustellen. Sollte die Nachfrage nach Wasserstoff in den kommenden Jahren wie erwartet dramatisch steigen, dann dürfte das Unternehmen letztlich mit zu den ganz großen Gewinnern gehören. Die gruppenweiten Margenziele für 2021 wurden von Air Liquide jedenfalls zuletzt bestätigt. Der Gasespezialist gilt aber auch als Dividendengarant und hat meist bis zu 50% der Jahresgewinne ausgeschüttet. Hierdurch ergaben sich für die Aktionäre in den vergangenen 5 Jahren auch attraktive Kapitalrenditen zwischen 2 und 3%.

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