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Von TraderFox
16. Dezember 2019

Angesichts des US-chinesischen Handelsdeals und dem Ausgang der Parlamentswahl in Großbritannien feiert der QIX Dividenden Europa Index am Montag neuerliche Kursgewinne. Bis zum Nachmittag legt der Index dabei letztlich um 1,0% auf 11.540 Punkte zu. Versicherer Aviva profitiert nach britischem Wahlausgang von nachlassender Brexit-Unsicherheit und will zukünftig eine höhere Eigenkapitalrendite von 12% erzielen. Imperial Brands dürfte mittelfristig seine derzeitige Dividende von über 10% kürzen und kommt beim Desinvestitionsprogramm voran.

Nach dem imposanten Wahlsieg der konservativen englischen Partei um Premierminister Boris Johnson war am Freitag die Aviva-Aktie im Dividenden-Index einer der absoluten Top-Performer. Und auch heute kann sie weiter deutlich um 2,1% zulegen und notiert damit aktuell bei 5,17 Euro. Die britische Versicherungsgruppe dürfte nach dem überraschenden Ausgang der Wahlen vor allem von nachlassender Unsicherheit bezüglich der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung profitieren. Dabei liefen die Geschäfte der Briten zuletzt auch eher nur schleppend. Gerade das anhaltend schwierige Niedrigzinsumfeld macht es der Lebensversicherungssparte von Aviva nicht einfach. Folglich plant der Vorstandschef den Versicherer, der zugleich auch zu den größten Vermögensverwaltern der Insel zählt, stärker kommerzieller auszurichten. Dem global agierenden Unternehmen hat der Manager hierzu sogar ein neues Eigenkapitalrenditeziel für die nächsten Jahre verordnet, das bei 12% liegt, bezogen auf die derzeitige Solvency II-Quote. Die Aviva-Aktie wird nach dem Kursrückgang der letzten Monate inzwischen auch nur noch mit einem KGV von 7 bewertet. Dabei hatte sich das operative Geschäft in den letzten 3 Jahren beständig verbessert, so dass seit 2016 auch die Dividende um 44% auf jüngst 0,30 GBP (0,36 Euro) erhöht wurde. Im Aktienkurs selbst hat sich diese Kontinuität allerdings nicht widergespiegelt. Die kürzlich gezahlte Gewinnausschüttungssumme ist zudem auch fast zweifach durch den erzielten Jahresgewinn abgedeckt. Damit bietet Aviva seinen Aktionären weiterhin eine fürstliche Dividendenrendite von 7,0%, die vom Management zuletzt sogar als unantastbar beschrieben wurde.

Der QIX Dividenden Europa ist ein Aktien-Index, der gezielt auf stabile und zuverlässige Dividendenzahler in Europa setzt. In den Index werden 25 europäische Aktien aufgenommen, die sich nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk dafür qualifizieren. Neben einer hohen Dividendenrendite berücksichtigt das Regelwerk dabei fundamentale Kriterien wie Dividendenkontinuität, Dividendenwachstum oder Gewinnwachstum. Auch technische Aspekte wie stabile Kursverläufe mit niedriger Volatilität fließen in das Ranking mit ein.

Deutliche Zugewinne auf aktuell 21,50 Euro kann nach den Kursgewinnen vom Freitag heute im Dividenden-Index auch die Aktie von Imperial Brands verbuchen. Der britische Tabak- und Zigarettenherstellern zählt mit bekannten Marken wie Davidoff, Gauloises oder Winston zu den weltweit führenden Anbietern der Branche. Und dank robuster Geschäfte wurde vom Management allein in diesem Börsenjahr eine Gesamtdividende in Höhe von 2,065 GBP (2,47 Euro) an alle Anteilseigner ausgeschüttet, und damit erneut 10% mehr als im Vorjahr. Nach den beständig höheren Dividenden der zurückliegenden Jahre, stößt diese Ausschüttungspolitik des Unternehmens aber derzeit wohl an ihre Grenzen. Zwar stagnieren Umsatz und Gewinn aufgrund rückläufiger Absätze bei klassischen Zigaretten und gestiegener Investitionen in Produktinnovationen wie E-Zigaretten seit einigen Jahren. Mittlerweile liegen Imperial Brands Auszahlungen aber höher als die jeweiligen Gewinne, was sich in dem Fall als nicht nachhaltig herausstellen dürfte, und eine Dividendenkürzung scheint aus operativer Sicht daher eigentlich unausweichlich. Erst im Sommer hatte das Management angekündigt, dass die Gewinnbeteiligung zwar progressiv bleiben soll, der Anstieg werde sich ab dem neuen Geschäftsjahr, das am 1.Okober begannen, jedoch an der jeweiligen Geschäftsentwicklung des Unternehmens orientieren.

Auch liegt Imperial Brands beim aktuellen Desinvestitionsprogramm, das bis Mai 2020 rund 2 Mrd. GBP (2,4 Mrd. Euro) einbringen soll, voll im Plan. Dabei soll unter anderem das internationale Premiumzigaretten-Geschäft des Unternehmens, zu dem auch die kubanische Zigarrenmarke Cohiba gehört, verkauft werden. Die Aktie des Zigarettenproduzenten bietet allen langfristig orientierten Anlegern zwar derzeit über 10% Dividendenrendite. Mittelfristig ist hier aber mit einer Kürzung von bis zu 20% zu rechnen, was aber immer noch eine beeindruckende Ausschüttung wäre.

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