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Von TraderFox
19. Februar 2021

Der QIX Deutschland zeigt sich am Freitag trotz Renditeanstieg an den Anleihenmärkten robust und verzeichnet dabei am Nachmittag leichte Kursgewinne auf 15.350 Punkte. Glasverpackungs-Hersteller Gerresheimer erzielt in Q4 erste Umsatzerlöse von Auslieferungen von Injektionsfläschchen für Corona-Impfstoffe. Virusausbreitung und ungeahnte Auftragsexplosion zwingen Pharma- und Laborzulieferer Sartorius zum Ausbau seiner Produktionskapazitäten.

Trotz guter Zahlen gibt am Freitag im Qualitäts-Index die Gerresheimer-Aktie leicht nach und notiert nach ihrem jüngsten Höhenflug bei 93,10 Euro. Dabei hat der Spezialverpackungs-Produzent angesichts einer hohen Nachfrage der Pharmaindustrie nach Glasampullen und Spritzen zum Ende des Geschäftsjahres 2020 eine deutliche Geschäftsbelebung erfahren. Mit seinem Sortiment gehört das Unternehmen immerhin zu den weltweit größten Herstellern von Fläschchen, die für Vakzine genutzt werden. Im 4.Quartal konnte Gerresheimer erste bedeutsame Umsatzerlöse aus der Herstellung und Lieferung von Injektionsfläschchen für Covid-19-Impfstoffe verbuchen, kommentierte der Vorstand gestern den Jahresabschluss. Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte dank des kräftigen Erlöswachstums im Schlussquartal doch noch ein kleines Umsatzplus auf 1,4 Mrd. Euro erzielt werden. Dies half auch die anhaltend träge Nachfrage der Parfümindustrie nach Flakons auszugleichen, denn vielen Kosmetikproduzenten macht der in der Corona-Krise weggebrochene Absatz mit teuren Parfüms und Cremes an den Flughäfen zu schaffen. Bis Ende 2022 will Gerresheimer jedenfalls bis zu 1 Mrd. Injektionsfläschchen für anstehende Covid-19-Impfungen an die verschiedenen Hersteller liefern, wobei ein Glasfläschchen bis zu zehn Dosen beinhaltet. Letztlich rechnen die Düsseldorfer sogar damit, mehr als ein Drittel des weltweiten Bedarfs an Vakzin-Behältnissen abdecken zu können.

Insgesamt dürften sich die hierdurch erzielten Verkaufserlöse auf etwa 40 Mio. Euro summieren, 4 Mio. davon flossen bereits im letzten Jahr. Das große Geschäft macht das Unternehmen damit allerdings nicht, schließlich kostete der Ausbau der Fertigungsstätten Firmenangaben zufolge rund 30 Mio. Euro. Dennoch gilt Gerresheimer mit seinen Verpackungs- und Systemlösungen aus Glas und Kunststoff als klarer Gewinner der Viruskrise. Für 2020 ergab sich im Kerngeschäft sogar auch ein operatives Ergebnis aus eigener Kraft, das um fast 8% zulegen konnte. Abgedeckt sind dabei auch strategische Zukunftsinvestitionen, um in den Märkten für Pharma, Healthcare und Kosmetik auch künftig weiterhin profitabel wachsen zu können. Zusammen mit einem Fokus auf Innovationen, schnell wachsende Regionen sowie komplexere Produkte will Gerresheimer mittelfristig wieder ein Umsatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich und eine EBITDA-Marge von rund 23% erreichen. An der Börse wird die Aktie aber angesichts der jüngsten Kursgewinne inzwischen mit einem KGV von 21 bewertet. Das Qualitätsunternehmen überzeugt dabei aber nicht nur mit einer operativen Marge von 11% sondern auch mit einer soliden Eigenkapitalrendite von 10%. Beste Voraussetzungen also für eine Notierung im deutschen Qualitätsaktien-Index (QIX). Der QIX Deutschland ist ein Aktien-Index, der aus den besten 25 deutschen Aktien gebildet wird. Die 25 Aktien werden nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk ausgewählt.



Mit einem deutlichen Kursabschlag von über 3% ist am Freitag im Qualitäts-Index die Sartorius-Aktie überraschend einer der größten Verlierer. Aktuell steht sie damit bei 470,10 Euro. Immerhin laufen die Geschäfte des Labor- und Prozesstechnologie-Ausrüsters derzeit mehr als blendend. Gestern teilte das Unternehmen sogar mit, im laufenden Jahr bis zu 400 Mio. Euro in den Ausbau seiner Produktionskapazitäten stecken zu wollen. Damit reagiert Sartorius letztlich auch auf den steigenden Bedarf nach Laborinstrumenten aus der Pharmabranche. Diese hatte in Anbetracht der Pandemie ihre Impfstoff-Forschung teils erheblich hochgefahren, was nun laut Unternehmensangaben sogar zu angespannten Lieferketten geführt hat. Der Pharma- und Laborzulieferer will seine Kapazitäten gleich an mehreren Standorten weltweit ausbauen. So plant Sartorius beispielsweise in Puerto Rico demnächst mit der Produktion von sogenannten Zellkulturmedien zu beginnen, Zugleich sollen bis zu 100 neue Arbeitsplätze am neuen US-Standort Marlborough entstehen. In Europa soll zudem der Schwerpunkt in Deutschland mit dem zentralen Standort Göttingen sowie Guxhagen liegen. Weitere Investitionen seitens des Unternehmens sind etwa im finnischen Kajaani und in Peking in China geplant. Auch soll unter anderem in Südkorea ein komplett neuer Standort für Zellkulturmedien entstehen.

Sartorius, dessen Fokus neben der Biotech- und Pharmabranche, auch auf Kunden aus der Nahrungsmittel-und Chemieindustrie liegt, erwartet für 2021 folglich auch einen Anstieg der bisherigen Investitionsquote auf etwa 15%. Im letzten Jahr hatte sie mit rund 240 Mio. Euro noch bei knapp 10% gelegen. Bereits Ende Januar hatte jedenfalls das Management die Mittelfristziele des Zulieferers bis 2025 angehoben. Schließlich erlebt das Unternehmen im Rahmen der globalen Corona-Ausbreitung derzeit einen ungeahnten Auftragsboom, wobei schon in 2020 allein der Auftragseingang um fast die Hälfte anzog. Dies führte letztlich bei Sartorius auch zu einem beachtlichen Gewinnzuwachs von gut 44 % auf 226,3 Mio. Euro.

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